02.02.13

TV-Premiere

Terror und Paranoia - Sat.1 zeigt Erfolgsserie "Homeland"

In den USA wurde die Serie über den Kampf gegen den islamistischen Terror mit Preisen überschüttet. Das liegt nicht zuletzt an Claire Danes.

Von Anne Waak
Foto: © 20th Century Fox International Television

Die Serie „Homeland“ überzeugt vor allem durch ihre Hauptdarsteller Mandy Patinkin (l.), Claire Danes und Damian Lewis
Die Serie "Homeland" überzeugt vor allem durch ihre Hauptdarsteller Mandy Patinkin (l.), Claire Danes und Damian Lewis

Nur wenige Wochen nachdem 9/11 die USA und die Welt erschüttert hatte, lief auf dem amerikanischen Fernsehsender "Fox" die erste Folge der Serie "24". Sie stand für die Ära George W. Bushs: Ihr Protagonist Jack Bauer setzte seine Widersacher erbarmungsloser Gewalt und Folter aus, und jederzeit war klar: Im Kampf gegen den Terrorismus und für die sogenannte Sicherheit sind moralisch und rechtlich fragwürdige Mittel notwendig und gerechtfertigt.

Die ausführenden Produzenten von "24", Alex Gansa und Howard Gordon, sind auch die von "Homeland", einer Serie, die in den USA als "24" der Obama-Ära rezipiert wird.

"Homeland" zeigt, wie Terror durch Drohnen geschürt wird

Die an Paranoia grenzende Angst der Amerikaner, nach 9/11 einem erneuten islamistischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ist in den mehr als zehn Jahren, die zwischen diesen beiden Serien liegt, sicher nicht geringer geworden. Aber "Homeland" unterscheidet sich fundamental von seinem selbstgerechten Vorgänger. Indem sie etwa zeigt, wie der Einsatz von Dronen den islamitischen Terror nicht etwa auslöscht, sondern im Gegenteil erst so richtig anheizt.

Ihre beiden Protagonisten leiden an tiefen Traumata: Das der CIA-Agentin Carrie Mathison besteht darin, dass sie sich persönlich dafür verantwortlich fühlt, beim Anschlag auf die New Yorker Zwillingstürme etwas Entscheidendes übersehen zu haben. Claire Danes spielt diese getriebene Frau so eindringlich, dass eine Kritikerin des Magazins "New Yorker" versicherte, sie könne eine ganze Doktorarbeit über Carries sich vor Verzweiflung kräuselndes Kinn schreiben. Danes bekam für ihre Darstellung je einen Emmy und einen Golden Globe Award, außerdem wurde "Homeland" mehrfach als beste Dramaserie ausgezeichnet.

Zwanghaftes Beäugen

Die andere Hauptfigur ist ein Marine, der nach acht Jahren der Kriegsgefangenschaft im Irak von der CIA befreit wird. Er wurde misshandelt, gefoltert und – wie Carrie glaubt – "umgedreht", also von al-Qaida zum Feind Amerikas gemacht.

Seargent Nicolas Brody (sphinxhaft gespielt vom Damian Lewis) kehrt also nach Hause ins Amerika des Jahres 2011 zurück. Zu seiner Frau, die, im Glauben, er sei längst tot, in der Zwischenzeit eine Beziehung mit seinem besten Freund angefangen hat. Zu seinem Sohn, der bei seinem Verschwinden zu klein war, um sich an ihn zu erinnern und ihm mit den Worten "Nice to meet you" die Hand hinstreckt. Zu seiner pubertierenden Tochter Dana, die zu seiner Vertrauten werden wird.

Carrie ist überzeugt davon, dass Brody versuchen wird, Kontakt mit al-Qaida aufzunehmen und lässt im Alleingang sein Haus verwanzen und mit Videokameras versehen. Sie schaut ihm zu, wie er zum ersten Mal wieder Sex mit seiner Frau hat und so, im zwanghaften Beäugen, beginnt die Beziehung zweier hoffnungslos verkorkster Existenzen im Staatsdienst.

Carrie hat praktisch kein Leben neben der CIA, ihr einziger Freund ist ihr ehemaliger Ausbilder und väterliche Kollege, Saul Berenson (Mandy Patientin). Sie ist manisch-depressiv, doch darf bei der CIA niemand davon wissen. Der Zuschauer jedoch ist eingeweiht und so werden bei ihm von Anfang an erhebliche Zweifel gesät, ob es ihre feinen Instinkte sind, auf denen ihre Verdächtigungen basieren oder ihre Krankheit.

Israelische Serie diente als Vorlage

Wie schon "In Treatment", dem Kammerspiel um einen Psychotherapeuten und seine bisweilen zu engen Beziehungen zu seinen Patienten, basiert "Homeland" locker auf einer israelischen Vorlage, der Serie "Hatufim". Deren Drehbuchschreiber und Regisseur Gideon Raff hat in Interviews betont, wie positiv sich das sehr begrenzte Budget auf die Qualität seiner Serie auswirkt: Der Umstand, dass die Sender eine solche Serie nur staffelweise statt von Folge zu Folge produzieren, zwingt ihn, sich frühzeitig über die einzelnen Episoden hinweg über die Gesamterzählung im Klaren zu werden. Diese langen Spannungsbögen gibt es auch bei "Homeland", viel stärker aber noch wirkt die Serie durch den Faktor Verunsicherung.

In Rückblenden, die Brody in Gefangenschaft zeigen, werden schon in der ersten Folge massive Zweifel an seinen Aussagen gesät. Nach und nach stellt sich heraus, dass er zumindest in einer Hinsicht "umgedreht" wurde: Er ist zum Islam konvertiert. Was für nicht wenige Amerikaner in kognitive Dissonanzen stürzen dürfte. Schließlich sympathisiert man als Zuschauer zwangsläufig mit Brody, weil er einer von zwei Protagonisten ist, und einem erstens also zwangsläufig nahe kommt und zweitens die andere Hauptfigur, Carrie, ihn liebt.

Vice-Präsident erinnert an Dick Cheney

Es ist dieses ständige Oszillieren, die "Homeland" so infektiös macht. Und deshalb verzeiht man der Serie auch ohne weiteres all die komischen Zufälle, die die Handlung immer noch haarsträubender werden lassen und eine ganze Reihe Ungereimtheiten. Zum Beispiel, dass keiner je auf die Idee kommt, dem gefolterten Brody psychologische Betreuung zukommen zu lassen. Dass sich Brody später, als er längst zu einer politischen Figur geworden ist, stets ohne Bodyguards bewegen kann. Oder dass zwar ständig der stark an Dick Cheney angelehnte Vize-Präsident in seiner ganzen Schmierigkeit auftritt, der Präsidenten aber so gar keine Rolle spielt.

Am Ende des Pilotfilms, der am Sonntag läuft, schaut Brody aus seinen zuckenden Augen aufs Weiße Haus. Diese Szene weist voraus auf das, was sich während der ersten beiden bislang in den USA gezeigten Staffel von "Homeland" ereignen wird. Nur was das sein wird, davon ahnt der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt nicht das Geringste. Er spürt nur den schwankenden Boden unter seinen Füßen.

Am 3. Februar 2013 um 22.15 Uhr startet Sat.1 mit einer Doppelfolge "Homeland"

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