01.02.13

Mexiko

Tödliche Explosion zum Feierabend

Explosion zum Büroschluss: In einem Wahrzeichen von Mexiko-Stadt, der Zentrale des Ölkonzerns Pemex, sterben 32 Menschen. Doch Unfälle stehen bei dem Erdölkonzern auf der Tagesordnung.

Quelle: Reuters
01.02.13 0:41 min.
Bei einer Explosion in der Zentrale des staatlichen mexikanischen Ölkonzerns Pemex in Mexiko-Stadt sind mindestens 25 Menschen getötet worden. Über die Ursache der Detonation ist noch nichts bekannt.

"Es war kurz vor vier, als der Turm anfing zu zittern, das Licht ging aus, und wir standen in Trümmern und Staub. Von der Decke fielen Teile herunter." So erlebte Christian Obele die Explosion im Turm des staatlichen mexikanischen Erdölkonzerns Pemex. "Kollegen haben mir geholfen, herauszukommen. Ich bin nur leicht am Bein verletzt", schilderte er dem Fernsehsender Milenio TV.

Andere hatten weniger Glück. Bei der Explosion starben nach Angaben der mexikanischen Behörden 32 Menschen, mehr als 100 wurden zum Teil schwer verletzt. Dunkle Staubwolken lagen über der Unglücksstelle und waren von weitem zu sehen. Die ganze Nacht über bargen Polizisten und spezielle Trümmersucheinheiten Tote und Verletzte. Unter den Trümmern wurden rund 30 Menschen vermutet.

Auch Innenminister Miguel Angel Osorio Chong und Präsident Enrique Peña Nieto eilten zum Unglücksort und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus. "Wir werden genau ermitteln, und wenn es dafür Verantwortliche gibt, werden sie mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft", sagte Peña Nieto.

Ein Wahrzeichen der Stadt

Das Militär sperrte die Unglücksstelle großräumig ab. Ersten Bildern zufolge waren die unteren Stockwerke des Gebäudes teilweise in sich zusammengesackt, besonders schlimm sah das unterirdische Parkgeschoss aus. Über die Hintergründe gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Chong bat die Reporter, Spekulationen zu unterlassen.

Die Gewerkschaft der Erdölarbeiter erklärte, es handele sich um mangelnde Wartung. Einer der Ölkessel in dem Gebäude sei kaputt gewesen. Das System habe den Turm mit Energie versorgt, so Moisés Flores. Das Problem sei ordnungsgemäß der Firmenleitung mitgeteilt worden.

Das Radio vermeldete, die Klimaanlage habe zum Unglückszeitpunkt auf Hochtouren gearbeitet und sich möglicherweise überhitzt. Auch die Pemex-Angestellte Patricia Padilla sagte den Medien, es habe schon früher immer wieder kleinere Explosionen in dem Gebäude gegeben.

Mauricio Parra war für das Rote Kreuz als Helfer herbeigeeilt. "Die meisten Menschen sind von spitzen Gegenständen wie Glas getroffen worden und haben Schnittwunden. Verbrannte habe ich nicht gesehen. Das sieht nach einer Explosion wie durch ein Gasleck oder einem Kurzschluss aus."

Der Turm ist eines der Wahrzeichen von Mexiko-Stadt und weithin sichtbar. Er beherbergt die Verwaltung des Erdölkonzerns. Dort arbeiten täglich 10.000 Menschen. Das Unglück fand kurz vor Büroschluss statt. Zahlreiche Angehörige und gerettete Angestellte versammelten sich nach dem Unglück vor dem Gebäude.

Unfälle sind an der Tagesordnung

"Ich arbeite hier und bin früher gegangen, weil ich einen Arzttermin hatte, aber mein Sohn Daniel hatte noch Arbeit und ist länger geblieben. Ich habe keine Nachricht von ihm", schluchzte Gloria García. "Einmal ging noch ein anderer Mann ans Handy und sagte mir, alles sei gut."

Unfälle sind bei dem Erdölkonzern an der Tagesordnung; normalerweise sind allerdings Raffinerien und Pipelines betroffen. Mangelnde Wartung und das illegale Anzapfen von Pipelines durch Verbrecherkartelle stecken oft dahinter. Die letzten beiden großen Unfälle waren im September 2012 der Brand in einer Raffinerie in Ostmexiko, bei dem 30 Menschen ums Leben kamen, und die Explosion einer fehlerhaft angezapften Pipeline in der Nähe eines Dorfes, bei der 2010 in Zentralmexiko 29 Anwohner starben.

Derzeit arbeitet die Regierung an einer Energiereform, um den Staatskonzern für internationale Investitionen zu öffnen. Dagegen gibt es großen Widerstand, vor allem von der Gewerkschaft und linken Parteien. Pemex ist ein wichtiger Devisenbringer des Landes und finanziert den Staatshaushalt zu gut einem Drittel.

Doch die Ölförderung flaut ab wegen der zu Neige gehenden Vorhaben. Für die teure Suche nach neuen Lagerstätten in der Tiefsee des Golfes von Mexiko war bislang kein Geld da.

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