01.02.13

Gesundheit

Wie Deutschland sich im Kampf gegen Krebs rüstet

Es kann jeden treffen: Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland: Fast eine halbe Million Menschen erkranken pro Jahr. Per Gesetz sollen die Krebsbehandlungen künftig optimiert werden.

Foto: pa

Die Krebsbekämpfung in Deutschland soll künftig durch den Ausbau flächendeckender Krebsregister deutlich gestärkt werden
Tödliche Krebszellen: Die Krebsbekämpfung in Deutschland soll künftig durch den Ausbau flächendeckender Register deutlich gestärkt werden

Die Krebskranken in Deutschland sollen von mehr Früherkennung und besseren Therapien profitieren. Einheitliche Krebsregister sollen sämtliche Patientendaten erfassen, damit die Behandlungen optimiert werden können. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete der Bundestag jetzt mit den Stimmen der Koalition bei Enthaltung der Opposition.

Direkt spürbar wird für viele Menschen sein, dass künftig umfangreicher als bisher zur Früherkennung eingeladen wird. Regelmäßige persönliche Briefe sollen auf Untersuchungen zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs aufmerksam machen.

Bisher gibt es ein organisiertes Früherkennungsprogramm nur für Brustkrebs. Altersgrenzen und Einladungsrhythmus sind noch offen. Menschen ab 50 Jahren kommen bei Darmkrebs infrage, bei Gebärmutterhalskrebs Frauen zwischen 20 und 65.

Die unterschiedlichen klinischen Krebsregister werden bundesweit vereinheitlicht. Erfasst werden sollen die Daten der Patienten zu Diagnose, Behandlung, aber auch Nachsorge und Rückfällen.

Aus den Daten werden Lehren für künftige Fälle gezogen

Einerseits sollen mögliche Schwächen laufender Behandlungen abgestellt werden. Darüber hinaus sollen im Nachhinein Lehren für künftige Fälle gezogen werden und Therapien verbessert werden.

Zwar gibt es in allen Bundesländern bereits Krebsregister, diese unterscheiden sich teilweise aber in ihrer Struktur und Arbeitsweise. Vor allem in Ostdeutschland gibt es solche Datensammlungen traditionell seit Jahren, auch in Bayern sind Krebsregister aufgebaut, im Westen klaffen aber noch große Lücken. Das soll mit der einheitlichen Gesetzesgrundlage nun geändert werden.

Experten begrüßten das Gesetz. "Das ist ein großer Schritt für Deutschland", sagte die Regensburger Krebsspezialistin Monika Klinkhammer-Schalke. "Die Daten werden zusammengeführt und man kann aktuell sehen: Ist es so gelaufen, wie die Leitlinien, wie hohe Empfehlungen es vorschreiben?" Viele Patienten würden nur zu 30 bis 40 Prozent leitliniengerecht behandelt. "Das ist ein Drama."

Experten hoffen auf eine Fülle neuer Erkenntnisse

Schon bislang hatten solche Datensammlungen Erkenntnisse gebracht. Man erkannte etwa, dass nicht bei jeder Brustkrebsoperation alle Lymphknoten im Achselbereich entfernt werden müssen.

Der Aufbau der Krebsregister dauert jedoch noch einige Jahre. Ende vergangenen Jahres gab es eine Einigung zur Finanzierung des Aufbaus für acht Millionen Euro. 90 Prozent der auf etwa acht Millionen Euro geschätzten Kosten für den Aufbau der klinischen Krebsregister übernimmt die Deutsche Krebshilfe, die Länder 800.000 Euro.

Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jedes Jahr sterben an den Folgen der Krankheit mehr als 220.000 Menschen, zudem erkranken jährlich rund 490.000 Menschen neu daran. Es wird erwartet, dass mit einer größeren Zahl an älteren Menschen auch die Zahl der Krebsfälle weiter steigt.

Quelle: dpa/AFP/oc
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