31.01.13

Für Firmenschild

Bahlsen bietet Erpressern 52.000 Packungen Kekse an

Über Facebook hat Bahlsen versucht, Kontakt mit den Keksentführern aufzunehmen. Für eine Spende soll der Dieb das Firmenemblem zurückgeben.

Von Ludger Fertmann
Foto: dpa

Erpresserbrief: Das Krümelmonster verlangt Kekse und Geld
Erpresserbrief: Das Krümelmonster verlangt Kekse und Geld

Werner M. Bahlsen ist gegenwärtig nicht zu beneiden. Der 63 Jahre alte Chef des gleichnamigen Keksimperiums in Hannover hat Ärger mit dem Bundeskartellamt, das ihm und anderen Süßwarenherstellern am Donnerstag millionenschwere Bußgeldzahlungen aufgebrummt hat.

Und auf den Keks geht ihm auch gehörig das unbekannte Krümelmonster, das den 20 Kilogramm schweren und vergoldeten Leibniz-Keks gestohlen hat und in einem Erpresserbrief rotzfrech Bedingungen stellt für die Rückgabe des Firmenemblems.

Als die Firma Bahlsen im Herbst ankündigte, man wolle mangels Renditeaussichten die Produktion von Weihnachtsgebäck einstellen, brach ein Sturm der Entrüstung los: Das hannoversche Keksimperium knickte ein vor dem Zorn der treuen Kunden. Das will Firmenchef Werner M. Bahlsen jetzt nicht auch noch im Umgang mit Gebäckdieben, Erpressern und einem selbst ernannten Krümelmonster: "Wir wollen unseren Keks zurück."

Die mehr als 500.000 Einwohner der niedersächsischen Landeshauptstadt kennen nur noch dieses eine Thema, den dreisten Klau des 20 Kilogramm schweren vergoldeten Kekses in fünf Meter Höhe an der Front der Firmenzentrale im Stadtteil List.

Wann er genau verschwand, ist unklar: Die Polizei nennt einen Zeitraum von 17 Tagen zwischen dem 4. und dem 21. Januar 2013. Inzwischen gibt es Zeugenaussagen, die nahelegen, dass am 11. Januar 2013 mindestens zwei dreiste Diebe am helllichten Tage mit Leitern angerückt sind und den vergoldeten Keks von der Fassade entfernt haben.

Schon diese Nachricht hat es bis in die Hauptnachrichten des österreichischen Fernsehens geschafft. Aber nun ist aus einem Diebstahl ein veritabler Kriminalfall geworden, alle Beteiligten schwanken, ob sie dem Fall etwas Lustiges abgewinnen können oder ob die Zeit vorbei ist, da man gute Miene zum bösen Spiel macht.

Brief aus Schnipseln

Denn sowohl die Firma Bahlsen als auch die Lokalzeitung haben Post bekommen mit einem wie im TV-Krimi aus Zeitungsschnipseln zusammengesetzten Erpresserbrief. Darin wird gefordert, die Firma Bahlsen solle die ausgesetzte Belohnung von 1000 Euro an das Tierheim in Langenhagen spenden und das Kinderkrankenhaus auf der Bult an einem Tag im Februar kostenlos mit Keksen beliefern in der Geschmacksrichtung ausgerechnet der dreisten Diebe: "Aber die mit Vollmilch und nicht die mit schwarzer Schokolade und nicht die ohne Schokolade."

Die Erpresser lassen keinen Zweifel am Ernst ihrer Forderungen: "Das ist ernst, sonst kommt der zu Oskar in die Mülltonne." Der amerikanische Fernsehsender NBC News titelte: "Ist das Krümelmonster böse geworden? 20-Kilo-Teil von deutscher Statue gestohlen".

Firmenchef Bahlsen sah sich zu der Erklärung genötigt, ihm sei nicht nach Lachen zumute: "Es ist eine Straftat, und wir wollen, dass die Sache aufgeklärt wird."

Gemunkel über einen Marketinggag

Das Stammhaus des Keksgiganten ist ein beeindruckender Jugendstilbau. 1911 wurde er fertig und mit dem Keks in lichter Höhe geschmückt. Mehr als 100 Jahre also hat er dort gehangen, Krieg und Bomben überstanden, getreulich gehalten von zwei Brezelmännern, deren Haare vergoldet sind und bei denen goldene Blätter für ein züchtiges Outfit trotz Nacktheit sorgen.

An einem Tag wie am Donnerstag, als die Sonne auf Haaren und Blättern glänzte, wäre das Fehlen des Kekses vielleicht früher aufgefallen, aber verschwunden ist das Symbol des Leibniz-Kekses im Schmuddelwetter. In Hannover wurde inzwischen sogar gemunkelt, es könne sich beim mysteriösen Keksklau ja auch um einen Marketinggag handeln. Firmenchef Bahlsen weist das empört zurück: "Das ist Unsinn, wir sind ein seriöses Unternehmen, mit solchen Dingen würden wir nicht scherzen."

Aber Erpressung hin oder her, über Facebook hat die Firma inzwischen versucht, Kontakt mit den Keksentführern aufzunehmen. Gerichtet ist die Botschaft an das "liebe Krümelmonster", und es gibt ein großzügiges Angebot: "Wir versprechen unseren Fans, Bahlsen spendet 52.000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtungen, wenn du uns unseren goldenen Keks wieder zurückbringst."

Echtes Krümelmonster dementiert

Offen ist, ob die Polizei den Tätern auf die Spur kommt. "Keine neuen Erkenntnisse" gab es am Donnerstag, und eine Sonderkommission Keks ist auch nicht geplant. Immerhin: Wie ernst das Bekennerschreiben samt Foto vom Krümelmonster mit dem Keks zu nehmen ist, soll jetzt von den Spezialisten der Polizei geklärt werden. Ist das Foto echt, zeigt es also den vermissten Keks, oder sind hier Trittbrettfahrer am Werke?

Dem Kinderkrankenhaus auf der Bult übrigens hat die Forderung nach Keksen für alle kranken Kinder den Appetit verschlagen. "Es handelt sich hier immerhin um Erpressung und Diebstahl", sagte ein Sprecher der großen Klinik. Und er erinnerte daran, dass die Familie Bahlsen auch in der Vergangenheit und ganz ohne Druck zu den wichtigsten Unterstützern des Krankenhauses gehört hat.

Zu Wort gemeldet hat sich inzwischen auch das "richtige" Krümelmonster. Auf dem amerikanischen Twitter-Account der "Sesamstraße" bestritt es jede Täterschaft und bot seine Unterstützung an: "But me willing to help find real cookie-thief."

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