31.01.13

"Bang with friends"

Facebook-App liefert Sexpartner für One-Night-Stand

Die neue App "Bang with friends" liefert die Auskunft, ob eine sexuell begehrte Person aus dem Facebook-Freundeskreis für ein Abenteuer zu haben wäre. Peinliche Momente sind programmiert.

Von Benedikt Fuest
Foto: bang your friend

Umstrittene Homepage von "Bang with friends"
Umstrittene Homepage von "Bang with friends"

Fünf neue Nutzer pro Minute, 30.000 Logins innerhalb weniger Tage: Die Macher der Facebook-App "Bang with friends" scheinen einen echten Nerv der Facebook-Community getroffen zu haben: "F****n mit Freunden", verspricht eine einfache Antwort auf die nagende Ungewissheit, ob eine sexuell begehrte Person aus dem Facebook-Freundeskreis das eigene Empfinden teilt, und für ein Abenteuer zu haben wäre.

Der Clou: Die Macher versprechen Anonymität. Wer die App herunterlädt, kann anschließend alle potenziellen Partner in der Kontaktliste markieren. Davon erfahren diese jedoch zunächst nichts: Erst wenn sie ebenfalls den "Down to Bang"-Button klicken, klärt die App über das gemeinsame Begehren auf – die anschließende Anmache per Direktnachricht müssen die potenziellen Liebhaber dann noch selbst initiieren.

Doch der Reiz der App ist deutlich: Wer nun die alte Frage "willst du mit mir..." stellt, weiß zumindest, dass eine Abfuhr unwahrscheinlich ist.

Direkt zur Sache

Dating-Apps für Facebook gibt es bereits diverse – doch "Bang with friends" bringt das Begehren auf den wesentlichen Punkt, spart jedes romantische Drumherum. Die App passt zur Youporn-Generation der Mittzwanziger, für die Sex eher gemeinsamer Sport ist denn Romantik. Wer hier klickt, erwartet eine schnelle Nummer, abseits der potenziellen Komplikationen gefühlsbetonter Dates.

Die drei anonymen Programmierer der App haben gegenüber dem US-Techmagazin "Mashable" angegeben, dass sie ihre Idee vergangene Woche innerhalb von zwei Stunden spontan zu einer App umgesetzt haben.

Sie sind alle Mittzwanziger – ebenso wie die überwiegende Mehrzahl ihrer Nutzer, die sich aus der potenziell promisken US-College-Szene rekrutiert. Dementsprechend zeigt das Titelbild der Homepage ein halbnacktes, gesichtsloses Mädchen auf dem Bett einer Studentenbude, bereit für alles.

Ob die App bislang vor allem Männer anzieht oder die Nutzer annähernd gleich über die Geschlechter verteilt sind, verraten die Nutzer nicht. Auch wie viele nur aus Neugierde mitmachen, bleibt abzuwarten. Für die Zielgruppe ist die App bislang vor allem ein großer Spaß, ein neues prickelnd-schmutziges Datingtool in der bislang eher sauberen Facebook-Welt.

Klick-Anmache ohne Scham

Die App scheint den Gegenpol der #Aufschrei-Bewegung im deutschen Netz zu verkörpern: Alles geht, wenn beide wollen. Die Anmache erfolgt anonym per Klick, ohne Scham, ohne soziale Kontrolle oder Political Correctness.

Doch das "Ich will mit dir ins Bett" per Serienklick birgt erhebliche Tücken: Wer mutig ist, kann einfach alle Freunde in der Freundesliste einmal anklicken – nur um dann prompt über mögliche Gefühlswallungen der Gegenseite aufgeklärt zu werden. Das kann extrem peinlich werden.

Die Installation der App lässt sich außerdem schwer verleugnen. Und bei entsprechenden Anfragen muss dann natürlich auch mit peinlichen Fragen aus dem Freundeskreis gerechnet werden.

Absehbare Skandale

Darüber hinaus verstößt die App gegen sämtliche Richtlinien von Facebook zum Datenschutz oder zum Schutz Minderjähriger. Da das Netzwerk seine Tore für alle ab 13 öffnet, dürfte der erste Skandal (Über-18-Jähriger klickt auf "Ich will mit dir" einer Minderjährigen) nicht fern sein. Die Sperre durch Facebook scheint daher nur eine Frage der Zeit.

Dennoch sind die Macher zuversichtlich: Auf ihrer Homepage prangt seit neuestem ein "Wir stellen ein!"-Banner, die Macher versprechen bereits neue Features: Eine Smartphone App – die wiederum gegen alle Richtlinien des Apple-Stores verstoßen dürfte – sowie Optionen für homosexuelle Partnersuche und den Ausschluss von Familienmitgliedern.

Auch in den deutschen sozialen Netzwerken macht die App bereits Furore: Auf Twitter witzeln die Nutzer vor allem über die Möglichkeiten, künftig potenziell belästigende Anmachen nur noch dann zu wagen, wenn sie denn auch gewünscht sind. Allzu ernst jedoch wird die App nicht genommen – und angeklickt wird vorsichtshalber erst mal nur die eigene Partnerin oder der eigene Freund.

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