30.01.13

US-Kultserie

"Dallas" feiert im deutschen Fernsehen gelungenes Comeback

Die Neuauflage der US-Serie um Öl, Sex und Macht kann an alte Erfolge anknüpfen. Die ersten Folgen sahen 3,90 Millionen Zuschauer.

Von Holger Kreitling
Foto: dapd

So sieht die neue „Dallas“-Besetzung aus. Serien-Urgestein Larry Hagman (in der Mitte) verstarb Ende 2012. Ab der dritten Staffel wird die Serie somit ohne Bösewicht „J. R. Ewing“ auskommen müssen
So sieht die neue "Dallas"-Besetzung aus. Serien-Urgestein Larry Hagman (in der Mitte) verstarb Ende 2012. Ab der dritten Staffel wird die Serie somit ohne Bösewicht "J. R. Ewing" auskommen müssen

Lange schweigt der alte Mann. Die Kamera verharrt auf dem Gesicht, den geschlossenen Augen, der ausdruckslosen Miene. Wir dürfen in aller Ruhe seine beeindruckenden Augenbrauen bewundern, die mindestens so von Widerborstigkeit und Alterszorn künden wie bei Augenbrauen-Heroe Martin Walser.

Sein Bruder besucht ihn im Krankenhaus, vergebens. Er dringt nicht durch die Schleier der Depression. Der Alte sitzt in seinem Sessel und schweigt regungslos. Dann taucht sein Sohn auf. Klagt über den Onkel, ist zornig. Die Ranch soll verkauft werden, die gemeinsame Heimat.

Da endlich regt sich der Mann. Und sagt den feinen Satz: "Bobby war schon immer ein Narr." J.R. ist zurück. Es gibt viel zu tun. Schurken wir los. Auch das berühmte Lachen ist wieder da.

Larry Hagman verkörpert erneut den Bösewicht

Die Neuauflage der US-Serie "Dallas" hat eine erfolgreiche Premiere gefeiert. Die Doppelfolge zum Staffelauftakt sahen am Dienstagabend 3,90 Millionen Zuschauer, wie der Sender RTL am Mittwoch mitteilte. Beim jungen Publikum lag der Marktanteil bei 25,4 Prozent.

In der US-amerikanischen Seifenoper, die in den 80er Jahren große Erfolge gefeiert hatte, werden die alten Intrigen um Öl, Sex und Macht in die Jetztzeit überführt. Larry Hagman ist wieder in der Rolle des Bösewichts J.R. Ewing zu sehen.

Seine Rückkehr wird in der ersten Folge schön ausgekostet, dabei ist der Alte nur eine Nebenfigur. Auch Bobby Ewing (Patrick Duffy) taugt mehr als Grandseigneur denn als Held. Die Serie nimmt die alten Konflikte auf und führt sie der Einfachheit halber mit neuen Figuren auf. So hat jede Generation etwas davon.

Auf der Southfork Ranch lässt John Ross Jr. (Josh Henderson) heimlich nach Öl bohren, er wird fündig. Ein gewaltiges Reservoir liegt direkt unter dem grünen Gras für die Rindviecher. Der wahre Luxus des Reichen aber ist Verzicht: Bobby Ewing untersagt jeglichen Ölabbau auf der Ranch. Miss Ellie selig hat es einst verboten, so sei es. Junior stiert dem Onkel ins Gesicht und sinnt auf Rache.

"Dallas" bleibt wertkonservativ bis verstockt

In der ersten "Dallas"-Serie lief J.R. junior als Kind durch die Szenerie. Einmal ging er mit dem Vater in den Klub der Ölbarone in der Stadt. Vater nahm Whisky, Junior bestellte das Gleiche und bekam von seinem grinsenden Vati Ginger Ale zugewiesen.

Jetzt will der Junge von einst selber Millionen machen, im Frust leert er schon mal eine Halbliterflasche Whisky.

Sein Cousin Christopher, Adoptivsohn von Pamela und Bobby Ewing, war damals vorwiegend Kleinkind. Nun sind beide Kinder von einst wundersam Anfang dreißig, sehen aber viel jünger aus. Beide liegen im Clinch.

"Dallas" orientiert sich nicht an den Möglichkeiten, die das Fernsehen mittlerweile hat. Weder die Charaktere noch die Inhalte sind mit den weltweit bewunderten amerikanischen Serien zu vergleichen.

Der erzählerische Aufwand ist nicht gerade auf Ölbaron-Niveau. "Dallas" ist wie früher auch wertkonservativ bis verstockt. Die alten Fans werden viele Stilmittel wiedererkennen, die neuen werden leicht erschrocken sein: Immer nur langweilige Großaufnahmen von bedeutsam schauenden Menschen, dann Schwarzblenden. Ist das altmodisch!

In den USA beginnt die zweite Staffel

Larry Hagman selbst zog zuletzt eine Linie vom krisengeschüttelten Amerika der frühen Achtzigerjahre, in denen man die Millionäre so gerne leiden sehen sah, zum aktuellen Zustand seiner Heimat. Die Zeit sei wieder reif für "Dallas", meinte Hagman mit Blick auf die Krisenanfälligkeit und politische Zersplitterung der Vereinigten Staaten.

An diesem Montag hat in den USA die Ausstrahlung der zweiten Staffel begonnen, dieses Mal mit 15 statt mit zehn Folgen. Im November 2012 ist Larry Hagman im Alter von 81 Jahren gestorben. Um sein Serien-Ende ranken sich herrliche Gerüchte, sein Begräbnis soll am Ende der Staffel gezeigt werden. Damit ist der Ur-Schurke und Held der Serie unter der Erde. Kaum zu glauben, dass sich die Nachfolger ähnlich dauerhaft einprägen werden.

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