27.01.13

USA

Der unaufhaltsame Abstieg der Sarah Palin

Fox News trennt sich von Kommentatorin Sarah Palin. Sie habe "die Zeichen der Zeit verpasst", lästern Gegner über die zuletzt stark abgemagerte Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner.

Von Michael Remke
Foto: dapd

Der TV-Sender Fox News trennt sich von seiner Kommentatorin Sarah Palin. Die Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner verliert damit ihre letzte große öffentliche Plattform.
Der TV-Sender Fox News trennt sich von seiner Kommentatorin Sarah Palin. Die Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner verliert damit ihre letzte große öffentliche Plattform.

Als der Vorsitzende des amerikanischen TV-Senders Fox News, Roger Ailes, Sarah Palin kurz nach den Präsidentenwahlen von 2008 als Kommentatorin unter Vertrag nahm, begründete der Journalist seine Entscheidung nicht mit Palins glänzendem Verstand oder ihren tiefsinnigen politischen Analysen.

Ailes sagte über die Verpflichtung das, was viele dachten, aber keiner sich auszusprechen wagte: "Sie ist richtig sexy und verschafft uns mehr Quote."

Mehr als drei Jahre nach der Vertragsunterzeichnung scheinen diese unpolitischen Attribute von Palin für eine Weiterbeschäftigung beim erfolgreichen und hochprofitablen TV-Kanal Fox nicht mehr zu reichen. Ailes, der Palin in ihrer Heimatstadt Wasilla, Alaska, sogar ein kleines Studio bauen ließ, beendete jetzt die Zusammenarbeit - "im besten Einvernehmen", wie es immer so schön heißt.

Die Trennung von Fox kostet Palin dabei mehr als nur ein Jahresgehalt von angeblich einer Million Dollar.

Letzte öffentliche Plattform verloren

Durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes bei dem konservativen TV-Kanal verliert die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin auch ihre letzte prominente, öffentliche Plattform.

Ihr bleibt jetzt nur noch ihre Facebook-Seite, auf der sie sich in jüngster Vergangenheit schon über ihre "geringe Präsenz auf Fox" beschwert hatte. Ihren Abgang bei dem New Yorker Sender verschweigt sie dort allerdings bisher. Im Gegenteil: Ihre 3,4 Millionen Follower weist sie auf ihr aktuelles Interview mit der konservativen Internetseite "Breitbart News" hin, in dem Palin weiterhin für die "Verteidigung der Republik" kämpfen will.

Der Abgang bei Fox ist der vorläufige Tiefpunkt in der Karriere der ehemaligen Gouverneurin von Alaska. Für viele Republikaner, vor allem die des erzkonservativen Tea-Party-Flügels, wird Palin zwar weiterhin die "Heldin" bleiben. Doch die Zeiten, als niemand an der 48-Jährigen vorbeikam, scheinen endgültig zu Ende zu gehen.

Im vergangenen Oktober etwa sorgte allein Palins Privatleben für Schlagzeilen. Damals zeigten Bilder eine "stark abgemagerte" Palin. Sie war so dürr, dass man sie kaum wiedererkannte. Palin begründete das damit, dass die "Familie ein Buch über Fitness" schreibe.

Vorbei sind die guten, alten Zeiten: Während des Präsidentschaftswahlkampfes von 2008 mit ihrer Nominierung als Vizekandidatin von John McCain hatte Palin noch die Massen mobilisieren können. Und das nicht nur in der eigenen Partei der Republikaner. Ihre Karriere schien damals unaufhaltsam. Sie war der Liebling unter den Tea-Party-Aktivisten, kein Medienvertreter konnte "Mama Grizzly", wie sie sich gerne selbst charakterisierte, widerstehen.

Niederlagen konnten sie nicht stoppen

Selbst die Niederlage von John McCain gegen Barack Obama schien der politischen Karriere von Palin erst einmal nicht übermäßig zu schaden. Sie bekam den lukrativen Fox-Vertrag und damit eine Plattform für ihre politischen Ansichten.

Wie groß ihr Einfluss damals noch war, zeigte sich zwei Jahre später, als sie bei den Kongresswahlen vielen "ihrer Politiker" zum Sieg verhelfen und Präsident Obama damit das Regieren erschweren konnte. Doch trotz ihres Erfolges wandten sich andere Republikaner, die mehr in der politischen Mitte standen, von ihr bereits ab.

Ein letztes Aufbäumen gegen den Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit gab es dann während der Vorwahlen ihrer Partei zum Präsidentschaftskandidaten 2012. "Run, Sarah, run", forderten ihre immer noch zahlreichen Anhänger. Doch Palin zierte sich lange und sagte am Ende ab.

Die geschäftstüchtige Frau, die während des Wahlkampfes 2008 ihre außenpolitische Kompetenz damit begründete, dass sie von "ihrem Haus aus Russland sehe könne", wollte lieber beim TV-Sender Fox, mit Reden und Buchverträgen Millionen verdienen, während sich ihre Tochter Bristol in Reality-Shows zum Clown machte.

Palin will weiter kämpfen

Beim Nominierungsparteitag von Mitt Romney in Tampa, Florida, spielte Palin dann schon keine Rolle mehr. Der Obama-Herausforderer und dessen Wahlkampfmanager verweigerten ihr Auftritt und Rede. Niemand schien sie wirklich zu vermissen. Romney wollte im Kampf gegen Obama die Mitte für sich gewinnen, Palin störte dabei.

"Sie hat einfach die Zeichen der Zeit verpasst", sagt Howard Kurz, Kommentator auf der Internetseite "The Daily Beast", zum Ende von Palin bei Fox. "Der Sender ist nicht mehr die Plattform für die Tea-Party-Revolution, sondern orientiert sich zumindest einen kleinen Schritt weiter zur politischen Mitte."

Ein Beleg dafür ist auch, dass Fox den bekannt linken ehemaligen Kongressabgeordneten Dennis Kucinich als Kommentator angeheuert hat. Dafür sollen der ehemalige Wahlkampfmanager von Präsident George W. Bush, Karl "Das Gehirn" Rove, sowie der konservative Haudegen Dick Morris weniger Sendezeit bekommen. Rove und Morris bleiben allerdings unter Vertrag, Sarah Palin muss gehen.

Doch so schnell aufgeben will die Geschasste offenbar nicht. Gegenüber "Breitbart News" kündigte Palin trotzig an, sich ganz auf die Midterm-Wahlen 2014 zu konzentrieren. "Wenn es darum geht, die Republik zu verteidigen, haben wir noch gar nicht richtig angefangen zu kämpfen", sagt Palin. "Wir erfreuen uns an denen, die uns unterschätzen."

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