27.01.13

TV-Kritik

Saar-"Tatort" - Ein Krimi wie ein schlechter Joint

TV-Star David Striesow ließ als neuer saarländischer "Tatort"-Kommissar hoffen. Doch seine erste Ermittlungsarbeit im Fall "Melinda" ist nur eins: eine Strapaze für die TV-Zuschauer.

Von Christoph Cöln

Das Saarland hat einen neuen Kommissar. Jens Stellbrink ist der unwahrscheinlichste Neue, den der "Tatort" bislang erlebt hat. Dass er Polizist ist, erkennt man lediglich an seinem Dienstausweis.

Man würde sonst nicht darauf kommen, diesen Typen in knallgelbem Regenmantel und thailändischen Wickelhosen für einen Mann des Gesetzes zu halten oder mit sonst einer Form der geregelten Arbeit in Verbindung zu bringen.

Stellbrink, das ist die unmissverständliche Botschaft, ist anders. Ein schriller Paradiesvogel unter lauter Amtsschimmeln. Gleich am ersten Arbeitstag überrascht er seine Kollegin Lisa Marx mit dem Bekenntnis, passionierter Kiffer zu sein. Er schaue halt gerne mal im Unterbewusstsein nach: "Und am besten funktioniert das, wenn ich einen dicken Bolli geraucht habe." Marx hält das für einen schlechten Scherz. Der Zuschauer auch.

Erschreckend unbedarft

So unbedarft, wie dieser Ermittler auftritt, rauscht er auch in seinen ersten Fall. Stellbrink steht mit dicken Kopfhörern im Baumarkt an der Kasse, als ihm ein seltsames Mädchen über den Weg läuft. Melinda hat Angst, sie wird von drei Männern in dunklen Anzügen verfolgt, die sich als nordafrikanische Diplomaten ausgeben, ihr Geld aber im Drogengeschäft verdienen.

Noch bevor Stellbrink richtig aus seiner Wolke aus Ganja und Reggaemusik aufgetaucht ist, steckt er schon mitten in der ersten Verfolgungsjagd. Die wild um sich ballernden Araber an den Hacken, flieht er mit dem Mädchen in einen Wald. Dort stolpern die beiden in einen stillgelegten Märchenpark und verstecken sich in Schneewittchens Schloss. Irgendwann hat Stellbrink genug und klappt einfach zusammen.

Devid Striesow, einer der subtilsten deutschen Schauspieler, als "Tatort"-Kommissar: Das klingt wie eine Traumbesetzung. Er beherrscht extrem zwiespältige Charaktere ("Yella") genauso wie skurrile Witzfiguren ("12 Meter ohne Kopf"). Eigentlich ein idealer Cast für den Saarland-"Tatort".

Seltsame Ermittler haben hier Tradition

Seltsame Ermittler haben hier Tradition, vom bräsigen Pedaltreter Palü bis zu Kappl und Deininger, jenem ungleichen Duo, das am Ende immer besser und beliebter wurde, hohe Quoten einfuhr und dann über Nacht abgesägt wurde.

Was uns der SR nun mit dem neuen Fall "Melinda" präsentiert, rechtfertigt den Umbruch in keiner Weise. Die Story ist so nachlässig gestrickt, dass die Löcher auch von der tapferen Darstellung Striesows nicht gestopft werden können. Stellbrinks Kollegen stellen sich dümmer an, als zu verkraften ist, Offensichtliches wird konsequent ignoriert, und die Bösewichte wirken so gefährlich wie in Disneys "Lustigem Taschenbuch". Ein Krimi wie ein schlechter Joint.

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