27.01.13

Brasilien

Mehr als 200 Tote bei Brand während Studentenparty

Im Süden Brasiliens starben Hunderte Menschen bei einem Feuer in einem Nachtklub. Ausgelöst wurde der Brand durch Pyrotechnik. Es gab nur einen Notausgang, Dämmmaterial entwickelte giftige Dämpfe.

Foto: dpa

Helfer kämpfen um das Leben der Verletzten: Bei einem Brand in einem brasilianischen Nachklub sind mehr als 230 Menschen gestorben.

6 Bilder

Im Süden Brasiliens sind bei einem verheerenden Feuer vermutlich mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen, ein Polizeisprecher sagte am Sonntag, mittlerweile seien 159 Leichen geborgen worden.

Einsatzkräfte suchten noch nach weiteren Opfern, eine genaue Opferzahl könne daher vorerst nicht genannt werden, sagte der örtliche Feuerwehrchef Guido de Melo der Zeitung "Estadao".

Durch das Feuer sei in der Diskothek "Kiss" in der Stadt Santa Maria (Bundesstaat Rio Grande do Sul) Panik ausgebrochen, sodass viele Besucher totgetrampelt worden seien. Die meisten Todesopfer seien aber erstickt.

Pyrotechnik außer Kontrolle

Die brasilianische Nachrichtenseite "O Globo" berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, das Feuer in der Disco sei gegen 2.30 Uhr (Ortszeit; 6.30 Uhr MEZ) ausgebrochen, als bei einer Hochschulparty eine Rockband eine kleine Pyrotechnik-Show vorgeführt habe.

Dabei geriet vermutlich das Dämmmaterial in der Decke in Brand. Es entwickelten sich hochgiftige Dämpfe. Die Flammen hätten sich von da aus auf das gesamte Gebäude ausgebreitet.

Es habe nur einen einzigen Ausgang gegeben. Unter den Besuchern kam es zu einer Massenpanik. Nicht alle der jungen Menschen schafften es zum Ausgang.

Rund 2000 Menschen in der Disco

Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 2000 Menschen in der Disco aufgehalten haben. Das Gebäude ist nach dem Brand einsturzgefährdet. "O Globo" berichtete, die Todesopfer seien in ein Sportzentrum von Santa Maria, das zu einer Leichenhalle umfunktioniert worden sei, gebracht worden.

Vor dem Gebäude versammelten sich Hunderte Angehörige und Freunde, die auf Nachricht warteten. Auf Bildern vom Brandort war zu erkennen, dass die Feuerwehr für die Lösch- und Bergungsaktion ein großes Loch in die Wand des Gebäudes schlug.

"Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen", sagte Feuerwehrmann Moisés da Silva Fuchs.

"Die Notausgänge reichten nicht aus"

Die Augenzeugin Michele Pereira beschrieb der Zeitung "Folha de São Paulo" den Ausbruch des Feuers: "Die Band war in der Loge und fing an, Feuerwerk zu benutzen, und plötzlich hörten sie auf und zeigten, dass das Feuer das Dach erreicht hatte." Es sei nur ein kleiner Brand gewesen, der sich aber in Sekundenschnelle in der Disko ausgebreitet habe.

Andere Augenzeugen machten mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen für die Brandkatastrophe mitverantwortlich. "Das war eine zu kleine Tür für so viele Leute", sagte Luana Santos Silva TV Globo.

"Es war der Horror. Ich habe einen sehr engen Freund verloren", sagte eine junge Frau dem Fernsehsender Band News. "Die Notausgänge reichten nicht aus, es gab Panik, in dem Durcheinander habe ich meinen Freund aus den Augen verloren."

Die Zeitung "Diario de Santa Maria" zitierte einen 23-Jährigen, der nach eigenen Angaben den Menschen bei der Flucht geholfen hat. "Ich bin bloß rausgekommen, weil ich sehr stark bin", sagte er. Die Polizei leitete Ermittlungen zur Brandursache ein.

In der 270.000-Einwohner-Stadt Santa Maria ist eine der größten öffentlichen Universitäten des Landes. Im Süden Brasiliens ist auch die größte deutsche Auswanderer-Gemeinde beheimatet.

Präsidentin bricht Gipfel ab

"Es ist ein trauriger Tag, wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", twitterte Tarso Genso, der Gouverneur von Rio Grande do Sul.

Wegen der Brandkatastrophe brach Präsidentin Dilma Rousseff vorzeitig einen Gipfel in Chile ab. Sie versprach alles nur Mögliche zu tun, um den Angehörigen und Opfern der Tragödie zu helfen.

"Ich möchte den Brasilianern und der Bevölkerung von Santa Maria sagen, dass wir in diesem traurigem Moment zusammenstehen", erklärte die sichtlich bewegte Staatschefin am Sonntag in Santiago de Chile.

Quelle: dpa/Reuters/krott/toto
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