24.01.13

Falsche Freundin

Warum ein US-Sportler ein Phantom liebte

Der Nachwuchsfootballer Manti Te'o lernt online eine Frau kennen, die es gar nicht gibt. Obwohl er den Betrug merkt, hält er die Geschichte aufrecht. Nun rechtfertigt sich der junge Star öffentlich.

Von Ingo Rentz
Foto: AFP

Er liebte offenbar eine Frau, die nie existierte: der Nachwuchsfootballer und Jungstar Manti Te’o (22)
Er liebte offenbar eine Frau, die nie existierte: der Nachwuchsfootballer und Jungstar Manti Te'o (22)

"Versetzen Sie sich doch in meine Lage: was hätten Sie denn getan?", fragt Manti Te'o mit einem verschämten Lächeln auf dem Gesicht. Der 22-Jährige ist ganz offensichtlich peinlich berührt davon, sich vor einem Millionenpublikum zu einer Lüge erklären zu müssen.

In den vergangenen Monaten hatte Te'o die Öffentlichkeit, wie man nun weiß, bewusst getäuscht. Der talentierte Verteidiger in der Footballmannschaft der Universität von Notre Dame hatte sich in eine Frau verliebt, die er online kennen gelernt hatte. Das Problem: Lennay Kekua, so ihr angeblicher Name, existierte gar nicht.

Im Gespräch mit der ABC-Moderatorin Katie Couric nimmt Te'o umfangreich Stellung zu der Affäre. Das TV-Interview wird am Donnerstagabend (Ortszeit) in voller Länge ausgestrahlt, einen kleinen Ausschnitt gibt es bereits im Netz zu sehen.

Te'o siegt im Alleingang

Aber der Reihe nach: Am 12. September 2012 erreicht Te'o eine schlimme Nachricht: Seine Großmutter ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Wenig später die nächste Hiobsbotschaft: Auch Kekua sei tot, an Leukämie gestorben. Drei Jahre sollen die beiden sich gekannt haben. Es war demnach eine reine Online-Beziehung, befeuert durch zärtliche Zeilen und innige Liebesbekundungen.

Wenige Tage nach der Todesnachricht besiegte Te'o in einem wichtigen Spiel den Gegner quasi im Alleingang. Die Geschichte von dem Shooting-Star, der Großmutter und Freundin verliert und dennoch auf dem Platz seinen Mann steht: Die Story klang zu schön um wahr zu sein.

Frau auf dem Foto ist nicht die Freundin

Dass sie tatsächlich teilweise nicht stimmt, erfuhr Te'o selbst am 6. Dezember 2012. Die Frau, die tatsächlich auf den Bildern in Kekuas Twitterprofil zu sehen ist, meldet sich bei ihm und sagt, sie sei nicht Lennay Kekua. Dennoch – teils aus Verwirrung, teils aus Scham - hielt Te'o an der Geschichte fest. Bereits zwei Tage später erwähnte er Kekua öffentlich bei der Verleihung der Heisman Trophy, die an Nachwuchsfootballer vergeben wird.

Die Öffentlichkeit glaubte die tragische Geschichte nur zu gern. Am 16. Januar dieses Jahres jedoch fiel das Lügengebäude in sich zusammen. Der Onlinedienst Deadspin veröffentlichte einen langen Artikel mit Indizien dafür, dass Kekua keine reale Person gewesen sein könne.

So gab es weder einen Eintrag ins Register der nationalen Sozialversicherung, noch einen Hinweis auf die Beerdigung geschweige denn einen Nachruf an Kekuas angeblicher Universität Stanford.

Nun musste Te'o öffentlich eingestehen, dass die Frau, die er geliebt hatte, nicht real war. Die Erkenntnis, dass er auf einen üblen Scherz hereingefallen war, sei schmerzvoll und demütigend, so der Sportler in einem Statement. Rückblickend hätte er einfach vorsichtiger sein müssen.

Wer steckt hinter der Falle?

Wer hinter der Falle steckt, ist noch nicht abschließend geklärt. Te'o selbst sagt, er sei von zwei Männern und einer Frau aufs Kreuz gelegt worden. Einer davon soll Ronaiah Tuiasosopo sein, ein ehemaliger Highschool-Freund von Te'o. Diese Theorie vertritt auch Diane O'Meara, jene Frau, die tatsächlich auf den Fotos zu sehen ist, die eigentlich Lennay Kekua zeigen sollten.

Zu dem TV-Sender NBC sagte O'Meara, Tuiasosopo habe Bilder von ihr aus dem Netz heruntergeladen, um Kekua ein Gesicht zu verleihen. Der Beschuldigte, so heißt es bei dem Fernsehsender ABC, schweigt bisher.

Wie geht es nun weiter mit Manti Te'o? Sein Talent ist nach wie vor unbestritten, schon vor der Enthüllung der falschen Freundin leckten sich zahlreiche Teams der National Football League die Finger nach ihm.

Das dürfte auch weiterhin der Fall sein. Doch egal, welche sportlichen Höchstleistungen Te'o noch vollbringt: Einen Hype hat er bereits ausgelöst. Auf Twitter findet derzeit der Trend "Te'oing" fröhliche Anhänger: Dabei lassen sich Personen in unterschiedlichen Situationen fotografieren: Sie umarmen eine imaginäre Person oder sitzen auf einem Stuhl – neben sich einen leeren Platz.

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