24.01.13

Cloud Atlas

China schneidet von Tykwers Film ein Viertel weg

Die Zensoren werden immer rigoroser. Bei der Premiere von "Cloud Atlas" in Peking blieben von 170 Minuten nur noch 130 übrig. Die Regisseure sollen sich mit den Beschneidungen abgefunden haben.

Von Hanns-Georg Rodek
Quelle: X-Verleih
09.11.12 5:42 min.
"Cloud Atlas" verspricht der Film des Jahres zu werden. Den Matrix-Machern und Tom Tykwer gelang es, einen fast unverfilmbaren Roman mit tollen Schauspielern und wunderbaren Bildern zu inszenieren.

Die chinesische Filmzensur wird immer unverschämter. Nachdem sie bereits den neuen Bond "Skyfall" um einige Minuten beschnitt und Inhalte in den chinesischen Untertiteln verfälschte, wurde nun Tom Tykwers "The Cloud Atlas" um sage und schreibe vierzig Minuten gekürzt, das ist ein Viertel des gesamten Films.

Nach chinesischen Medienberichten erlebte "Cloud Atlas" am Montagabend seine Peking-Premiere – mit einer Länge von 130 Minuten statt der 170, die sonst überall auf der Welt zu sehen waren (im übrigen auch im wieder zur Volksrepublik gehörenden Hongkong, das aber eine eigene Zensur behalten hat).

Chinesische Zeitungen berichten, die drei Regisseure Tom Tykwer, Andy und Lana Wachowski hätten vor der Premiere von den "Beschränkungen" gesprochen, die mit dem Filmstart in China einher gingen. Sie würden allerdings "Vertrauen in die Schnittkompetenz" von Dream of the Dragon Pictures setzen, dem chinesischen Koproduzenten. Diese angebliche Aussage wäre ein ziemlicher Hohn, bedenkt man, dass es noch nie einen Film gegeben hat, bei dem jeder Schnitt bereits beim Drehen so genau mitgedacht worden ist.

Sex wurde entfernt, Brutalität blieb

Angeblich wurden die Einführungssequenz mit Tom Hanks und "leidenschaftliche Liebesszenen" entfernt. Probleme könnten die Zensoren mit der Beziehung zwischen dem Komponisten (Ben Whishaw) und seinem Geliebten (James D'Arcy) gehabt haben, weil es homosexuelle Romanzen in chinesischen Kinos nicht geben darf. Auch die Sexszene mit der chinesischen Schauspielerin Xun Zhou dürfte kein Entzücken hervorgerufen haben, denn ihre Serviererin hat Verkehr mit ihrem Aufseher, im streng hierarchischen China ebenfalls eine Art Tabu. Brutale Szenen, wie wenn einem Mann der Hals aufgeschlitzt wird, blieben erhalten.

Für den chinesischen Koproduzenten steht viel Geld auf dem Spiel. Laut "Hollywood Reporter" hat er 10,5 Millionen Dollar in die Produktion investiert, die chinesischen Verleihrechte für weitere drei Millionen gekauft und sich für nochmals fünf Millionen neun Prozent an den Einnahmen des Films gesichert.

Die deutsche Produktionsfirma X-Filme in Berlin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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