23.01.13

Bremen

Polizeihunde gehen jetzt in Schuhen auf Streife

Das Modell heißt "Toffler" und kostet rund 50 Euro: In Bremen gehen die Polizeihunde jetzt in Schuhen auf Streife. Mit der Maßnahme will die Bundespolizei gegen lange Krankschreibungen vorgehen.

Foto: dapd

Schützen gegen Glasscherben und vor Krallenbruch: Die neuen Schuhe für die Hunde der Bundespolizei Bremen – Modell „Toffler“ mit Noppensohle
Schützen gegen Glasscherben und vor Krallenbruch: Die neuen Schuhe für die Hunde der Bundespolizei Bremen – Modell "Toffler" mit Noppensohle

In Bremen tragen die Polizeihunde jetzt Schuhe. Das Modell "Toffler" kostet rund 50 Euro (für vier Exemplare), hat Klettverschlüsse, eine rutschfeste Noppensohle und soll gegen allerlei Gefahren wie Schnittwunden und Krallenbrüche schützen. Länger als ein paar Minuten darf man die Tiere mit ihrem neuen Accessoire allerdings nicht alleine lassen, warnt Holger Jureczko, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Bremen.

Berliner Morgenpost: Herr Jureczko, wie geht es Ihren Hunden, sind die Schuhe schon eingelaufen?

Holger Jureczko: Also in den ersten Minuten des Tragens sieht das ziemlich komisch aus. Die Hunde laufen dann wie auf Stelzen, heben ihre Beine viel höher als sonst. Aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt. Sie werden auch nur bei besonderen Einsätzen getragen.

Berliner Morgenpost: Überall wird wegen der schlechten Ausrüstung der Polizei gemosert, in manchen Städten fährt die Streife schon Opel Corsa. Sind Hundeschuhe da nicht verzichtbar?

Jureczko: Bei der Bundespolizei entscheidet das jede Inspektion selbst. Die Pfoten unserer Hunde sind in ständiger Verletzungsgefahr: Beim Bremer Freimarkt zum Beispiel, da sind Glasflaschen verboten, also lassen viele Anreisende ihre Bierflaschen schon vor dem Bahnhof fallen. Bei den ganzen Glasscherben drohen Schnittwunden. Unsere Hunde haben einen hohen Einsatzwert, bei manchen Großveranstaltungen ersetzen sie wegen ihrer abschreckenden Wirkung gleich mehrere Zweibeiner. Wir möchten vermeiden, dass sie vom Tierarzt krankgeschrieben werden.

Berliner Morgenpost: Krankgeschrieben? Brauchen Ihre Hunde etwa ein Attest?

Jureczko: Ja klar, das ist wie beim Menschen, nur stellt das natürlich der Tierarzt aus. Je nach Schnitttiefe und Entzündungsgrad für ein paar Tage bis zu mehreren Wochen. Mit dem neuen Schutz wird das zum Glück nicht mehr nötig sein.

Berliner Morgenpost: Wer hat sich denn mehr über die Schuhe gefreut, die Hundemännchen oder die Weibchen?

Jureczko: Da können wir keine Unterschiede erkennen. Auf den Fotos, die ich geschossen habe, präsentieren sie ihre Pfoten alle gleich stolz.

Berliner Morgenpost: Normalerweise sind Hunde eher dafür bekannt, dass sie Schuhe wegschleppen und heimlich zerkauen.

Jureczko: Das ist bei uns leider nicht anders. Deshalb dürfen die Führer ihre Hunde auch nie lange aus den Augen lassen. Sonst versuchen die Tiere, sich die Schuhe selbst wieder auszuziehen. Dann bleiben nur noch kleine Schnipsel übrig ...

Berliner Morgenpost: Sie haben 13 Hunde ausgestattet – sind Sie mit denen in einen Schuhladen spaziert, oder wie darf man sich das vorstellen?

Jureczko: Da gibt es spezielle Fachgeschäfte, ja. Wenn ich hier einen kleinen Tipp an private Hundehalter geben darf: Auf den Schuhkartons steht "Jack Russel", "Schäferhund", "Golden Retriever" – der Rassename allein reicht aber nicht als Maß. Jeder Schuh muss individuell passen. Vor allem die Vorder- und Hinterpfoten sind oft unterschiedlich groß. Darum werden sie paarweise verkauft. Unbedingt anpassen, sonst gibt es Druckstellen. Wir haben uns acht verschiedene Modelle zuschicken lassen.

Berliner Morgenpost: Und wofür entschieden?

Jureczko: Das Modell "Toffler" – die Schuhe sind aus braunem Neopren mit schwarz genoppten Sohlen, schwarzen Nähten und einem blauen Reißverschluss in der Mitte. Zusätzlich haben sie noch einen Klettverschluss.

Berliner Morgenpost: Dabei ist Klett eigentlich schon wieder aus der Mode ...

Jureczko: Wir haben nicht auf das Design geachtet, sondern auf die Funktion. Jedes Modell wurde auf Strapazierfähigkeit, Tragekomfort und Rutschfestigkeit getestet. Gerade bei diesem Wetter bewährt sich der Schuh optimal: Er hat Gripp und verhindert, dass sich Streusalz und Schnee zwischen den Krallen festsetzen. Früher haben sich die Hunde alle paar Meter hingelegt, um sich Schneetroddeln aus den Ballen herauszuknabbern.

Berliner Morgenpost: Ein Schuh für jeden Anlass also. Obwohl – wird es demnächst auch ein Modell für den Polizeiball geben?

Jureczko: Ich fürchte nein. Schwarze Lackmodelle, die zur Abendgarderobe angemessen wären, haben wir nicht gefunden. Aber bisher standen unsere Hunde auch noch nie auf der Gästeliste.

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