23.01.2013, 08:12

"Maischberger" Die Show der Alphatiere Wowereit und Altmaier

Von Nina Paulsen

Eigentlich sollte es ein Duell zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb werden. Doch vor allem Klaus Wowereit und Peter Altmaier arbeiteten sich aneinander ab. Ein Vorzeichen für die Bundestagswahl?

Patrick Döring tat einem fast ein bisschen leid. Der FDP-Generalsekretär, die personifizierte "Abteilung Attacke" der Liberalen, vermochte es nicht, sich gegen das Wortgefecht im Fernsehstudio von Sandra Maischberger durchzusetzen.

Fast ein bisschen verzweifelt war er sogar auf die vordere Kante des sandfarbenen Sofas gerutscht, um sich schon rein räumlich mehr ins Gespräch zu integrieren. Doch geholfen hat es nichts: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) waren sich derart in die Wolle geraten, dass selbst der sonst so wortgewaltige Döring kaum dazwischengrätschen konnte.

Katrin Göring-Eckardt ging es nicht viel anders. Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl – ohnehin eine Frau der leisen Töne – konnte schließlich erst das Wort ergreifen, als Moderatorin Maischberger zwischendurch die Wogen glättete.

Arena für Alphatiere

In den 75 Minuten der Sendung hieß es für FDP und Ökopartei: Willkommen in der Bedeutungslosigkeit. Die Fragen des Abends diskutierten SPD-Mann Wowereit und CDU-Minister Altmaier weitestgehend unter sich.

"Rot-Grün zieht vorbei: Merkels Albtraum?", hieß der Titel der Sendung im Ersten eigentlich. Inspiriert durch das Ergebnis der Niedersachsen-Wahl und die mit den Monaten geschrumpfte Anzahl an CDU-Ministerpräsidenten, wollte Maischberger die gegnerischen Lager auf mehrere Politikfelder hin abklopfen, auf dass der Wähler wisse, wen er denn künftig wählen solle.

Das Problem: Mit Sozialpolitik, Wirtschaft, Steuern, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Energie ging es im Grunde um alles – für erfahrene Alphatiere wie Altmaier und Wowereit also eine dankbare Arena, um so oft wie möglich die eigene Meinung kundzutun.

Wowereit und Altmaier mimen das Arbeiterkind

Zum Beispiel bei der Armutsbekämpfung. Immer mehr Menschen hätten Angst um ihre Zukunft, um ihre Renten und stellten sich die Frage, ob sie ihre Mieten künftig noch bezahlen könnten, beschwerte sich Wowereit. "Bei aller Prosperität, die teilweise da ist, gibt es zunehmend Menschen, die wirklich Existenzängste haben."

Altmaier konterte, dass es auch zu Zeiten von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder schon unsichere Arbeitsverhältnisse gegeben habe, es liege also nicht an der Koalition.

Beide waren sich nach einigem Hin und Her aber einig, dass Vollzeitbeschäftigte in der Lage sein müssten, von ihrem Geld zu leben. Die CDU fordert deshalb Lohnuntergrenzen, die SPD einen gesetzlichen Mindestlohn. Was zwar unterschiedlich klingt, für den Arbeitnehmer unterm Strich aber dasselbe ist.

Wowereit rechtfertigte seine Politik sodann mit persönlicher Erfahrung: "Ich komme aus einer Arbeiterfamilie." Und Altmaier gleich hinterher: "Ich auch." Und weiter ging's.

Solch ein Szenario ist es, das Grüne und FDP auch am meisten fürchten: Nach der Bundestagswahl reicht es weder für Rot-Grün noch für Schwarz-Gelb, sodass nur eine große Koalition möglich ist. Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, ging ebenfalls davon aus, dass es zu Schwarz-Rot kommen wird, sollten die bisherigen Wunschkoalitionen nicht möglich werden.

Flughafen-Mist gemeinsam verbockt

Einwürfe von Döring und "KGE", wie die Grünen-Frau im Hauptstadtjargon genannt wird, gingen immer wieder im Durcheinander unter. Selbst die Einwürfe von Maischberger. Vor allem beim Thema Energie und Infrastruktur, bei denen sich Altmaier und Wowereit als politisch erfahrene Schlachtschiffe profilieren könnten.

Als wäre in Sachen BER-Debakel nichts gewesen, saß Wowereit zurückgelehnt und mit übereinandergeschlagenen Beinen auf seiner Couch und sagte zusammengefasst, dass die ganze Sache zwar schlimm, er aber nicht alleiniger Verantwortlicher sei.

Und überhaupt sei es unfair, immer nur den Politikern die Schuld in die Schuhe zu schieben. Immerhin habe man Millionen ausgegeben für Architekten, Planer, Controller – den Mist hätten also alle gemeinsam verbockt.

Da sprang ihm sogar Altmaier bei: "Es ist legitim wenn er sagt, er steht zu seiner Verantwortung." Was Blome wiederum zu der Vermutung veranlasste, die Unterstützung liege nur daran, dass in Berlin die SPD mit der CDU regiere.

Merkel kann weiter als Euro-Retterin glänzen

Und so ging es im Schweinsgalopp durch die verschiedenen Themenfelder – mit dem Effekt, dass jedes einzelne nur oberflächlich behandelt wurde und man die Argumente deshalb alle schon einmal aus denselben oder anderen Mündern gehört hatte. Natürlich durfte FDP-Mann Döring noch sagen, dass die Liberalen die große Steuerreform ja gern gewollt hätte, der finanzielle Spielraum aber wegen der Euro-Krise nicht da gewesen sei.

Göring-Eckardt kam bei der Energiewende zu Wort, die man nur mit Bürgerbeteiligung erfolgreich hinbekommen könne. Auch Verleger Jakob Augstein pflichtete bei, dass die Bundesregierung beim Ausbau der Erneuerbaren "eine handwerklich schlechte Politik gemacht hat".

Für Angela Merkel jedenfalls muss die Sendung ein Genuss gewesen sein. Kein Albtraum, sondern ein Zeugnis dafür, dass sich die Bundeskanzlerin trotz aller Verluste vorerst zurücklehnen kann.

Solange ihre Vasallen im Hickhack zergehen, solange parteipolitische Grabenkämpfe mit den immer gleichen Argumenten ausgetragen werden, kann sie sich weiter als erfolgreiche Euro-Retterin inszenieren. Mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass es für Schwarz-Rot sowieso immer reicht.

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