22.01.13

Berlin

Zoo-Chef lange umstritten – Katzenbabys getötet

Bernhard Balszkiewitz hatte seine Mitarbeiterinnen als "Weibchen" bezeichnet – nun entschuldigt sich der Berliner Zoochef für seine Äußerung. Er steht nicht zum ersten Mal in der Kritik.

Foto: dpa

Bernhard Blaszkiewitz: „Der Umgang mit mir ist viel angenehmer als manche glauben“
Bernhard Blaszkiewitz: "Der Umgang mit mir ist viel angenehmer als manche glauben"

Nach massiver Kritik an seinen umstrittenen Äußerungen weist Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz alle Vorwürfe von sich. "Wenn ich einen Fehler gemacht hätte, wäre ich zurückgetreten", sagte Blaszkiewitz. Er bereue seine Äußerungen nicht, aber es tue ihm leid, dass Menschen dadurch verletzt wurden, sagte er. Zuvor hatte er sich in einem Brief an seine Mitarbeiter entschuldigt.

Am Wochenende hatten Medien berichtet, dass der Chef von Zoo und Tierpark in internen Formularen seine Mitarbeiterinnen mit "0,1" gekennzeichnet hat – einer Fachkennzeichnung für "Weibchen".

"Das ist gang und gäbe"

Dabei handelt es sich nach den Worten des Direktors um einen Scherz in der Zoo-Branche. "Das ist gang und gäbe", sagte Blaszkiewitz und fügte hinzu: "Die tiergärtnerische Abkürzung 0,1 für drei Mitarbeiterinnen auf meiner Aktennotiz zum Jahresbericht hat zwar nicht die betreffenden Kolleginnen, jedoch ganz offensichtlich viele andere irritiert. Ich werde daher in Zukunft dieses Kürzel nur noch im streng zoologischen Bereich benutzen."

Dann legte er nach und kam auf sein Verhältnis zu seinen Mitarbeitern zu sprechen. Man könne über ihn viel sagen, aber eines stehe fest: "Ich bin nicht unehrlich", sagte Blaszkiewitz. Und er ließ noch tiefer in seine nun offenbar doch lädierte Seele blicken: "Der Umgang mit mir ist viel angenehmer als manche glauben." Allerdings lasse er sich auch "nicht verbiegen".

"In welcher Welt lebt dieser Mann?"

Aus Sicht der Kritiker, vor allem bei den Grünen und der SPD, war mit der Klassifizierung 0,1 das Maß voll. Die Zahlenfolge steht bei bestimmten Tierarten auch für "Zuchtstuten". Die Begründung von Blaszkiewitz, er verstehe diese Formel als "Höflichkeit" gegenüber den Frauen in seinem Unternehmen, löste nur noch mehr Kopfschütteln und Unverständnis aus. "In welcher Welt lebt dieser Mann?", fragte die Berliner Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger.

Die Aufsichtsräte wollten darüber mehr wissen und zogen erste Konsequenzen. In dreistündiger Krisensitzung beschlossen die Kontrolleure in einer Bank unmittelbar gegenüber dem Elefantentor des Zoologischen Gartens weitere Maßnahmen: Blaszkiewitz bekommt künftig eine Gleichstellungsbeauftragte an seine Seite. Außerdem soll eine Anwaltskanzlei die Vorwürfe juristisch prüfen. Seinen Hut muss der umstrittene Zoo-Chef aber noch nicht nehmen.

Vier Katzenbabys das Genick gebrochen

Dabei hatte er nicht zum ersten Mal für Empörung gesorgt. Die Serie von Vorwürfen fing damit an, dass Blaszkiewitz vor dem Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses zugeben musste, 1991 im Tierpark Friedrichsfelde vier Katzenbabys das Genick gebrochen zu haben. Die Tötung rechtfertigte er mit dem Hinweis auf drohende Infektionen anderer Zoo-Tiere, außerdem habe er die Tiere fachmännisch getötet.

Scharfe Kritik löste er auch aus mit der ihm vorgeworfenen Sammelwut von Tieren. Rund 19.500 Tiere leben im Zoologischen Garten, etwa 7400 sind es im Tierpark. Die Berliner Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling wirft ihm vor, die Zahlen unter anderem durch Inzest unter den Tieren immer höher zu treiben. Besonders unter den Raubtieren mussten in der Folge immer wieder Jungtiere eingeschläfert werden, wenn sie wegen schwerer Erbkrankheit nicht von selbst starben.

Außerdem, so seine schärfste Kritikerin, treibe er seit Jahren regen Tierhandel mit zum Teil dubiosen Händlern, die nicht auf der Positiv-Liste anerkannter weltweiter Zoo-Vereinigungen stünden.

Ärger wegen schnöder Behandlung von Knut

Im Senat soll sich längst Unzufriedenheit ausgebreitet haben, weil Zoo- und Tierpark unter der Leitung des Traditionalisten Blaszkiewitz nicht mit der geplanten Modernisierung vorankommen. So braucht der Tierpark weiter jährlich Zuschüsse von mehr als fünf Millionen Euro. Vorschläge für einen Erlebnispark, der mehr Besucher anlocken soll, scheiterten bisher allesamt.

Im Zoologischen Garten läuft es mit rund drei Millionen Besuchern im Jahr wirtschaftlich zwar besser, es gibt kein Steuergeld mehr. Aber auch mit einem vom Zoopublikum vergötterten Tier wie Eisbär Knut schaffte es Blaszkiewitz, die Zahl seiner Gegner noch zu vergrößern. Den Jungbären steckte er ausgerechnet zu den drei Eisbär-Seniorinnen Tosca, Katjuscha und Nancy.

Zoo-Biologe Heiner Klös nannte sie "die drei Schreckschrauben". Das Eisbärdamen bissen Knut, der sich genervt in eine Schmuddelecke weit hinten im Gehege zurückzog. Viele Fans kochten vor Wut über die schnöde Behandlung ihres Lieblings, der aber am Ende nicht an gebrochenem Herzen, sondern an einem Virus starb.

Quelle: dpa/ddp/jds
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