22.01.13

Dartmouth-College

Studenten sabotieren Guttenberg-Rede an US-Uni

Mit einer Online-Petition haben Studenten in New Hampshire einen "zynischen" Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg verhindert.

Foto: dapd
German politician Karl-Theodor zu Guttenberg speaks duringan economic meeting in Interlaken, Switzerland, Tuesday, Jan. 15, 2013. (Foto:Keystone/Marcel Bieri/AP/dapd)
German politician Karl-Theodor zu Guttenberg speaks duringan economic meeting in Interlaken, Switzerland, Tuesday, Jan. 15, 2013. (Foto:Keystone/Marcel Bieri/AP/dapd)

Karl-Theodor zu Guttenberg wird die Schatten der Vergangenheit auch in den USA nicht los. Eigentlich sollte der frühere Verteidigungsminister und überführte Plagiator am Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire über "transatlantische Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen" sprechen.

Der "International Business Council" (IBC), ein Wirtschaftsnetzwerk, hatte Guttenberg eingeladen. Doch viele Studenten hatten offenbar keine Lust auf den überführten Plagiator. Mit einer Online-Petition protestieren sie gegen die Rede, die am Dienstag Abend stattfinden sollte. Mit Erfolg. Der gefallene Politiker sagte seinen Auftritt aus "persönlichen Gründen" ab.

"Als Teil der Gemeinschaft von Dartmouth protestieren wir gegen die Einladung von Karl-Theodor zu Guttenberg", schreiben die Initiatoren der Petition und verweisen dabei an die eigenen wissenschaftlichen Grundsätze: "Studenten, die dagegen verstoßen, können von Dartmouth ausgeschlossen werden", heißt es. Jemanden einzuladen, der in so eklatanter Weise gegen wissenschaftliche Grundsätze verstoßen habe wie Guttenberg, sei inakzeptabel.

Viele Unterzeichner der Petition

Insgesamt haben über 100 Studenten und Lehrende die Bittschrift unterzeichnet. "Ich bin schockiert darüber, dass sich Guttenberg nie entschuldigt hat", zitiert die Universitätszeitung "The Dartmouth" Veronika Füchtner, die am College Germanistik unterrichtet. "Das macht mich wütend."

Füchtner hatte zusammen mit Studenten ihrer Fakultät den Protest koordiniert. Guttenberg habe in einem akadamischen Milieu nicht zu suchen, findet sie. "Man würde Lance Armstrong auch nicht an eine Sporthochschule einladen." Einige Studenten und Lehrende hatten sich zuvor schriftlich beim IBC über den geplanten Guttenberg-Auftritt beschwert. Erwogen wurde auch, den Saal während der geplanten Rede zu verlassen.

So war es Guttenberg schon einmal ergangen. Im November sollte er an der Elite-Universität Yale über "Mythen der transatlantischen Beziehungen" referieren. Doch der Vortrag wurde zur Demütigung. Deutsche Doktoranden riefen zum Protest für "akademische Integrität" auf. Einige Zuhörer verließen demonstrativ den Saal als Guttenberg anfing zu sprechen. Der nutzte damals die Gelegenheit, um seinen eigenen Plagiatsfall anzusprechen. Aus akademischer Sicht schäme er sich für das, was er getan habe, zitiert "The Dartmouth" Guttenbergs Yale-Rede. Mit seinem Besuch dort wolle er jedoch der akademischen Gemeinschaft etwas zurückgeben.

Große Erleichterung über die Absage

Dazu wird es am Dartmouth College nun nicht mehr kommen. Die Erleichterung über Guttenbergs Absage ist groß. "Ein solcher Auftritt wäre geradezu zynisch", sagte Geschichtsprofessor Udi Greenberg der Zeitung. Wer an akademische Integrität Interesse habe, könne den Auftritt nicht gutheißen.

CSU-Mitglied Guttenberg war vor zwei Jahren als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren abgeschrieben hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth bescheinigte ihm Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab. Noch im gleichen Jahr wurde Guttenberg als "angesehener Staatsmann" bei einem Think-Tank, dem Center für Strategic and International Studies (CSIS), engagiert.

Zudem ist er Internetberater der EU-Kommission. Guttenberg sagte jüngst in einem Interview, er werde mit Sicherheit nach Deutschland zurückkehren. "Aber wann das sein wird, und ob das privat oder in irgendeiner Funktion sein wird, das ist vollkommen unabsehbar." Zuletzt hatte CSU-Chef Horst Seehofer ein Comeback Guttenbergs im Oktober 2012 ins Gespräch gebracht.

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