21.01.13

Legendäres Film-Auto

Die Sieben-Minuten-Versteigerung des Batmobils

Es war einmal ein Lincoln-Konzeptauto für 250.000 Dollar. Als das keiner mehr haben wollte, wurde es für einen Dollar abgeschoben. Es entstand das Batmobil daraus, das nun Millionen wert ist.

Quelle: dapd
21.01.13 0:42 min.
Rick Champagne hat das Original-Batmobil aus der Kult-Fernsehserie ersteigert. Der Batman-Fan hat in der Auktion umgerechnet mehr als 3,5 Millionen Euro für das Schmuckstück hingeblättert.

Die Stimme von Tom "Spanky" Assiter, dem Chef-Auktionator, überschlägt sich zum ersten Mal bei zwei Millionen Dollar. Und da ist die Versteigerung von Los-Nummer 5037 gerade eine Minute alt – für die erste Million haben die Bieter nur 20 Sekunden benötigt, in 100.000-Dollar-Schritten.

Die Menge johlt, geschätzt sind es 10.000 Menschen in dem riesigen Zelt bei der weltgrößten Auktion in Scottsdale, Arizona, davon mehrere tausend Bieter. Bei Bier aus Plastikbechern und Beinen aus zu kurzen Hot Pants werden in sechs Tagen rund 1400 Klassiker, Muscle Cars und auch Neuwagen versteigert. Und: das Batmobil.

Noch nie war das Originalauto aus der Batman-TV-Serie der 60er-Jahre zu haben: Der Kustom-King George Barris, Erfinder des Batmobils, besaß es seit damals. Gegen 20.45 Uhr rollt das Batmobil auf den "Block", wie die Rampe hier genannt wird, obendrauf George Barris (88) höchstpersönlich.

"Das erste Auto, das ein Star wurde"

Halb ziehen sie ihn aus dem Unikat, halb sinkt er auf die Bühne, aber voller Elan erklärt er am Mikrofon, warum der Oldtimer so besonders ist: "Es ist das erste Auto, das ein Star wurde!"

Trotzdem kommt bei 2,3 Millionen Dollar die Bietermeute ins Stocken. Spanky tut alles, um Dollars locker zu machen, und langsam steigt die Summe auf 2,8 Millionen. Da mischt sich Barris ein: "Wer das Auto bekommt, erhält zusätzlich noch die Batman-Jacke, die ich hier anhabe!"

Das Auditorium tobt, selbst Craig Jackson, der Chef der Barrett-Jackson Auction Company, ist bewegt. "Wir haben Barris drei Jahre lang bearbeitet, bis er emotional soweit war, sich von dem Auto zu trennen."

Mit dem Batmobil begründet sich Barris' Ruf als der wohl wichtigste, kreativste und fleißigste Filmautobauer der Welt. Die Geschichte des Wundermobils beginnt allerdings viel früher: 1952 überlegte William M. Schmidt, Chefdesigner bei der Ford-Tochter Lincoln, wie das Auto der Zukunft aussehen könnte.

Es begann als Lincoln Futura Concept

So schnappte er sich das Chassis X-1500-7365G, ließ sich von Haien und Rochen inspirieren und die Karosserie von Ghia in Italien herstellen. Im Januar 1955 stand der Lincoln Futura Concept genannte Wagen auf der Chicago Auto Show. Von Chicago rollte die Studie nach Detroit, dann nach New York, bis sie in der von Lincoln gesponsorten Ed Sullivan Show zu sehen war. 1959 durfte der Wagen dann noch mal ein kleiner Star in seiner Ur-Form sein: als Transportmittel von Debbie Reynolds und Glenn Ford in dem Schmachtstreifen "It started with a kiss".

Dann wurde es ruhig um das Auto, der Geschmack der Kunden änderte sich rasant – und der Futura hatte keine Zukunft. Das nun überflüssige Stück kam beim autoverrückten Barris unter, der in seiner 1961 gegründeten Firma "Barris Kustom City" alle möglichen und unmöglichen Film-Vehikel baute. Er kaufte den Lincoln Futura, der in der Entstehung rund 250.000 Dollar gekostet hatte, am 21. Dezember 1965 für genau einen Dollar.

Noch im selben Jahr bekam Barris den Auftrag, das optimale Fahrzeug für eine fiktive menschliche Fledermaus zu bauen, die damit wöchentlich beim TV-Sender ABC auf Verbrecherjagd fahren sollte. Einzige Vorgabe: drei Wochen bis zur Fertigstellung.

Aus Zeitnot schnappte sich Barris den sowieso schon halb geflügelten Futura, bearbeitete etwas die Front und die Flossen, indem er fledermausähnliche Formen einbrachte, fertig war das Batmobil. Barris' Investition: rund 15.000 Dollar.

Natürlich mit turboelektrischem Antrieb

Die eingebauten Film-Features entsprachen voll und ganz dem Zeitgeist – schließlich liefen auch schon Bonds ausgefallene Dienstwagen erfolgreich in den Kinos. So hatte Adam West, der in der TV-Serie den Weltenretter Batman spielte, selbstverständlich turboelektrischen Antrieb zur Verfügung (was das war, hinterfragte damals niemand).

Mit einer wunderbaren "Bing-Bong"-Warnglocke ging Batman auf Verbecherjagd in Gotham City, unterstützt von Fledermaus-Scheinwerfern. Selbstverständlich gab es ein Handy zwischen den Sitzen, und auf dem Batscope konnte Batman sehen, was auf der Welt sonst noch los war.

Hypermagnete, Panzerung, Minihubschrauber, Ölfallen – Batman war gewappnet. Das Auto war natürlich unstehlbar und unverwüstlich, es sei denn, jemand stellte die ganzen Sicherungssysteme aus. Und über einen weiteren Bildschirm informierte sich Batty, wo sich sein jugendliches Helferlein Robin gerade befand. Ein paar Strahlen und Raketen konnte das Batmobil natürlich auch verteilen – gegen und für alles Mögliche.

Damit Batman und oft auch Robin möglichst dynamisch über die Mattscheiben rasten, wurde häufig eine Passage in der jeweiligen Folge schneller als normal abgespult. Schade nur, das auch die Büsche im Wind und die Wolken am Himmel dann schneller flogen und zitterten.

Auf der Straße wird das Batmobil nicht fahren

Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn unter der Haube der Karosserie arbeitete ein 1953er Lincoln-V8, der 330 SAE-PS erzeugte. Eine Dreigangautomatik sorgte für die Kraftübertragung, zwei Bremsfallschirme am Heck für fledermauswürdige Vortriebsvernichtung.

3,4 Millionen Dollar sind inzwischen geboten, kein anderes Auto des Aktionsmarathons hat mehr eingebracht. Spankys Hammer hängt drohend über dem Tisch, da geht der Wettstreit von vorne los. 3,5, 3,6, 3,7 Millionen, und Assiters Stimmbänder scheinen sich selbstständig zu machen.

Und dann, ja dann schmettert Spanky tatsächlich das Batman-Filmthema, mit dem unverwechselbaren doppelten und im Chor gesungenen "Bätmäääääään, Bätmääääääään". Ab sofort ist Rick Champagne, Chef einer Logistik-Firma aus Phoenix, unweit von der Auktionshalle, neuer Eigner des Originals – für 4,62 Millionen Dollar. Damit bringt das Batmobil so viel wie vor drei Jahren James Bonds Aston Martin aus dem Film "Goldfinger".

Nur sieben Minuten hat die Versteigerung in Arizona gedauert. Letzte Gelegenheit für die Zuschauer, das schwarze Batmobil mit fluoreszierenden Streifen zu sehen, denn auf der Straße wird es niemals fahren. Rick Champagne, der das Batmobil bislang nur als Spielzeugauto besaß, will sich das Auto in sein Wohnhaus holen.

Die Reise zur Auktion des Batmobils wurde unterstützt von der Stadt Scottsdale. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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