21.01.13

Gewalt im Film

Nach "Django" – wie blutig dürfen Kino-Filme sein?

Für Quentin Tarantino ist es keine Frage: Filmblut muss fließen. Robert Redford sieht das Thema "Gewalt in Filmen" kritisch – und hat gleich eine Antwort von Arnold Schwarzenegger erhalten.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Quentin Tarantino: „Django Unchained“ (2013). Leonardo DiCaprio spielt grandios den französischstämmigen Plantagenbesitzer Calvin Candie. Ein Meisterwerk des Erschaffers von „Pulp Fiction“.

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Schauspieler und Regisseur Robert Redford hat sich zum Auftakt des Sundance Festivals für eine Debatte über Gewalt in Filmen ausgesprochen. "Ich denke es ist nicht nur angebracht, sondern überfällig, diese Diskussion zu führen", sagte Redford zum Start des von ihm gegründeten weltweit wichtigsten Filmfestes für unabhängige Produktionen außerhalb des Hollywood-Betriebs.

Der für eher sanfte Filmrollen bekannte 76-jährige habe in letzter Zeit öfter Filmplakate gesehen, die Waffen in einen positiven Kontext gestellt hätten: "Da frage ich mich: Denkt meine Branche, dass Waffen dabei helfen, Kinokarten zu verkaufen?"

So wird seit dem Amoklauf an der Grundschule in Newtown mit 20 toten Kindern vor rund einem Monat in den USA wieder verstärkt über den vergleichsweise leichten Zugang zu Schusswaffen diskutiert.

Redfords Kollege Arnold Schwarzenegger verteidigte hingegen die vielen Schießereien in seinem neuen Film "The Last Stand". "Natürlich müssen wir beim Film uns überlegen, wie wir Gewalt zeigen. Aber wir sollten nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Gewalt gibt es völlig unabhängig von Filmen", sagte der 65-jährige Ex-Gouverneur von Kalifornien.

Tarantino für das Recht auf eine Waffe

Regisseur Quentin Tarantino springt dem ehemaligen Mr. Universum bei, was das Zeigen von Brutalität in Filmen angeht. In seinem neuen Werk "Django Unchained" erzählt der 49-Jährige die Geschichte der Sklaverei in Form eines tiefsinnigen und dabei doch brutalen Italo-Westerns.

Als der Regisseur Spike Lee ihm vorwarf, damit seine Ahnen zu beleidigen, die Sklaven gewesen waren, erwiderte Tarantino: "Wenn du einen Film über Sklaverei machst, dann wirst du einige Dinge hören und sehen, die hässlich sind. Man soll die Brutalität sehen, mit der die Amerikaner die schwarzen Sklaven behandelt haben."

So ist im Film etwa ein fiktiver "Madingo-Kampf" zu sehen, bei dem zwei kräftige Sklaven sich bis zum Tod mit den Händen bekämpfen und die Augäpfel rausreißen.

Und schon in seinem vorherigen Film "Inglourious Basterds" hatte Tarantino exzessive Gewalt gegen die Nazis gezeigt, etwa den "Bärenjuden", der gefangenen deutschen Soldaten mit einem Baseball-Schläger den Schädel zertrümmert. Gewaltszenen, die sich durch sein gesamtes Oeuvre ziehen.

Der "Frankfurter Rundschau" sagte Tarantino im Interview, dass er es prinzipiell durchaus richtig finde, dass jeder das Recht hat, eine Waffe zu besitzen. "Ich selbst habe eine, denn ich lebe allein in einem großen Haus und will mich schützen können." Es gebe Waffen-Fans, es gebe Jäger und Waffen-Sammler – das sei alles in Ordnung, sagte Tarantino.

"Aber was gefährlich, fahrlässig und unvertretbar ist, sind diese Automatikwaffen, die ganz offensichtlich zu militärischen Zwecken geschaffen wurden. "Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund, warum eine Privatperson eine Waffe besitzen sollte, die innerhalb weniger Sekunden 30 oder 40 Schüsse abfeuern kann." Darüber müsse geredet werden, das sei obszön.

Ob die Filmindustrie dem Appell des sanften Robert Redford Folge leisten wird, ist fragwürdig. Denn am Ende werden nicht Diskussionsrunden sondern die Zuschauer an den Kinokassen entscheiden.

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