19.01.13

Ermittlungen

Betreiben Hells Angels auch Versicherungsbetrug?

Menschenhandel, Waffengeschäfte, Körperverletzung – und jetzt auch noch systematischer Versicherungsbetrug. Der Rockerclub Hells Angels Kiel soll auf diese Weise 100.000 Euro erbeutet haben.

Mitglieder und Unterstützer des verbotenen Rockerclubs Hells Angels Kiel sollen nach NDR-Informationen rund acht Jahre lang Versicherungsunternehmen in großem Stil betrogen haben. Auf Anfrage habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen in rund 70 Fällen bestätigt, teilten NDR 1 Welle Nord und das NDR- "Schleswig-Holstein" Magazin am Freitag mit.

Die Staatsanwaltschaft Kiel war für eine Bestätigung am Freitagnachmittag nicht zu erreichen. Als Drahtzieher des Betruges sollen die Ermittler einen Versicherungsmakler aus Kiel ausgemacht haben, der seit Oktober in Untersuchungshaft sitze. Der Gesamtschaden wird auf mindestens 100.000 Euro geschätzt.

Vor einem Jahr waren die Hells Angels Kiel vom Innenministerium verboten worden. Die Behörden werfen ihnen organisierte Kriminalität vor. Zu den ihnen vorgehaltenen typischen Straftaten gehören Menschenhandel, Zwangsprostitution, illegale Waffengeschäfte und Körperverletzung.

Versicherungen prüften Angaben des Maklers nicht

Dem NDR liegen nach eigenen Angaben Hinweise über die Betrugsmasche mit Versicherungen vor. Danach sollen die Mitglieder und Unterstützer der Hells Angels Kiel per "Chef-Ansage" verpflichtet worden sein, Versicherungsverträge abzuschließen. Kurz darauf sollen sie fingierte Schäden gemeldet haben – wie etwa den angeblichen Diebstahl eines alten Motorrades, einen vermeintlichen Wasserschaden oder erfundene Brände.

Bis zu einer bestimmten Höhe hätten diese Schäden offenbar durch den Makler verwaltet werden können, ohne dass die Versicherungen die Angaben prüften. Dies hätten laut NDR zwei Zeugen erklärt. Am Ende sollen die ausgezahlten Prämien zwischen Makler und Rockern geteilt worden sein.

Hinweise auf den systematischen Betrug hatten sich bereits durch eine Aussage eines sogenannten Kronzeugen gegen die Hells Angels ergeben. Das entsprechende Vernehmungsprotokoll liege dem NDR vor. Ein zweiter Zeuge, der ebenfalls Mitglied des Rockerclubs war, habe dem NDR den Inhalt der Aussage schriftlich bestätigt. Ein Versicherungskonzern habe die Zusammenarbeit mit dem unter Verdacht stehenden Makler eingeräumt. Dem Mann sei Anfang 2012 fristlos gekündigt worden, hieß es.

Quelle: dpa/fbr
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