18.01.13

Winnenden-Prozess

Bewährungsstrafe für Vater von Tim K. gefordert

Im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden hat die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von 21 Monaten gefordert. Jörg K. soll von den Tötungsfantasien seines Sohnes gewusst haben.

Foto: dpa

Gerichtssaal des Stuttgarter Landgericht: Im zweiten Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe
Gerichtssaal des Stuttgarter Landgericht: Im zweiten Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe

Knapp vier Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Staatsanwaltschaft am Freitag eine Strafe von einem Jahr und neun Monaten mit dreijähriger Bewährung für den Vater des Amokläufers gefordert. Jörg K. soll von den Tötungsfantasien seines Sohnes gewusst haben. Hauptvorwurf ist laut Staatsanwaltschaft aber, dass er die Tatwaffe samt Munition offen zugänglich im Schlafzimmer aufbewahrt habe.

Gegen Jörg K. wurde zehn Tage lang wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt. An zwei weiteren Terminen Ende nächster und in der übernächsten Woche sollen die Vertreter der Nebenkläger und die Verteidiger ihre Plädoyers halten. Ein Urteil wird frühestens im Februar erwartet.

Der Vater des Amokläufers Tim K. habe durch die Aufbewahrung von Waffe und Munition im Schlafzimmer ein hohes Maß an Pflichtwidrigkeit gezeigt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dies sei kein Augenblicksversagen gewesen, sondern "ein Versagen über eine lange Zeit hinweg". Erst dadurch habe es zu dem schrecklichen Unglück kommen können, bei dem Tim K. 15 Menschen erschoss und sich danach selbst tötete.

Tötungsfantasien bekannt

Jörg K. hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch von den Tötungsfantasien seines Sohnes gewusst, die dieser ein Jahr vor dem Amoklauf in einem Klinikum in Weinsberg bei Heilbronn geäußert hatte.

Außerdem habe er seinen Sohn in den Schießsport eingeführt, indem er ihn mit zum Schützenverein nahm. Ob der damals 17-Jährige auch den Code für den Tresor kannte, in dem der Vater zahlreiche Waffen aufbewahrte, bleibt ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft legt dem angeklagten Vater auch zur Last, dass er keine Reue zeige, sondern versuche, "sich in ein anderes Licht zu stellen".

Am Vormittag waren nochmals Widersprüche im Zusammenhang mit den Angaben aus dem Klinikum erörtert worden, in das Tim K. geschickt wurde, eine Therapie dort aber verweigerte.

Der Tübinger Kinder- und Jugendpsychiater Michael Günther hält es für ausgeschlossen, dass ein Amoklauf aufgrund der dort festgestellten Diagnose "soziale Phobie" absehbar war. Günther wies darauf hin, dass Tim K. eine "leichte, kombinierte Persönlichkeitsstörung" hatte, an der in Deutschland 50.000 bis 100.000 Personen dieses Alters litten.

Unterschiedlich dokumentierte Diagnoseergebnisse

Widersprüchlich bleiben die unterschiedlich dokumentierten Behandlungs- und Diagnoseergebnisse von Tim K. am Weinsberger Klinikum. Dort soll er beim ersten Termin im Mai 2008 von Tötungsfantasien gesprochen haben und von einem "Hass auf die ganze Welt".

Einen Tag nach dem Amoklauf am 11. März 2009 schrieben sich zwei Ärzte, dass es bei Tim K. keine akute, aber eine latente Gefahr zur Gefährdung von anderen Menschen gegeben habe. Am 20. März 2009 wiederum ist im Abschlussbericht des Klinikums dokumentiert, dass bei dem Amokläufer weder eine akute noch eine latente Gefahr zur Fremdgefährdung vorgelegen habe.

Tims Vater Jörg K. wurde im Februar 2011 wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen fahrlässiger Tötung zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Seit dem 14. November muss er sich wegen eines Verfahrensfehlers im ersten Prozess zum zweiten Mal vor Gericht verantworten.

Der 17-jährige Tim K. hatte mit der Waffe und Munition seines Vaters am 11. März 2009 in seiner ehemaligen Schule in Winnenden bei Stuttgart neun Schülerinnen und Schüler sowie drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Quelle: epd/fp
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Warmfeiern: Fans auf der Berliner Fanmeile vor dem Champions-League-Endspiel zwischen Dortmund München
Aktualisiert vor 1 MinuteChampions-League-Finale
Henkel beruhigt – Fanmeile kein konkretes Anschlagsziel

Das Bundeskriminalamt hat vor Terrorgefahr auf deutschen Fanmeilen gewarnt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sieht keine konkrete Gefahr. Auf der Berliner Fanmeile wird jeder genau kontrolliert… mehr...

Berliner SPD-Mitgliederversammlung
Aktualisiert vor 24 MinutenLandesparteitag
Berliner SPD kürt Eva Högl zur Spitzenkandidatin

Eva Högl führt die Hauptstadt-Genossen in den Wahlkampf. Die rund 220 Delegierten der Landes-SPD wählten die Direktkandidatin für den Wahlkreis Mitte mit 77,5 Prozent. mehr...


Das Wembley-Stadion vor einem neuen historischen Finale
08:0520 Momente
Champions League Finale - Als Rummenigge zwei Cognac brauchte

Das deutsche Duell macht die Historie der Endspiele in der Champions League um ein weiteres Kapitel reicher. Die Morgenpost schildert noch einmal die 20 schönsten, kuriosesten und traurigsten Momente. mehr...

title
Aktualisiert vor 1 MinuteLive-Ticker
150.000 deutsche Fans feiern in London

Ab 20.45 Uhr hat das Orakeln ein Ende, wer holt den Henkelpott nach Deutschland, Dortmund oder Bayern? Doch vorher gibt es hier alles Wissenswerte und Abseitige zum großen Finale in Wembley. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandGemobbte ParteiWie die FDP zum verspotteten Freiwild wurde
  2. 2. FußballLive-TickerErster Punktsieg für Dortmund in London
  3. 3. Borussia DortmundVideo-DuellViele Toiletten in Wembley für den BVB-Boss
  4. 4. GeldanlageWährungenComeback des Greenback – Der Dollar ist wieder wer
  5. 5. WirtschaftGemeinschaftswährungDas sind die wirklich guten Argumente für den Euro
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote