18.01.13

Mörder hingerichtet

Seine letzten Worte waren "Leckt mich doch am A…"

Im US-Bundesstaat Virginia ist Doppelmörder Robert Gleason hingerichtet worden. Die Todesart hatte der Tattoo-Künstler selbst gewählt, ebenso seine letzten Worte - eine wüste Beschimpfung.

Von Michael Remke
Foto: dapd

Robert Gleason Jr., hier noch während des Prozesses gegen ihn. Nun wurde der verurteilte Doppelmörder hingerichtet.
Robert Gleason Jr., hier noch während des Prozesses gegen ihn. Nun wurde der verurteilte Doppelmörder hingerichtet.

Am Ende verabschiedete sich der Verurteilte in der Sprache seiner irischen Vorfahren, in gälisch: "Pog mo thoin" - "Leckt mich doch am A…"

Dann legte der Henker im Staatsgefängnis von Greensville, Virginia, den Hebel um. Wenige Minuten später war Robert Gleason tot, hingerichtet durch den elektrischen Stuhl. Es war der letzte Wunsch des Doppelmörders.

Robert Gleason ist der erste Hingerichtete in diesem Jahr in Virginia und der erste seit 2010, der durch "Old Sparky", wie der elektrische Holzstuhl genannt wird, im Namen des Volkes exekutiert wurde.

"Ich werde wieder töten"

Der Bundesstaat lässt den Todeskandidaten die Wahl zwischen Giftspritze und elektrischem Stuhl. Virginia ist nach Texas der Staat mit den meisten Hinrichtungen.

Seit der Wiedereinführung dieser Höchststrafe 1976 waren es 110. Insgesamt elf Personen sitzen aktuell in den Todeszellen von Virginia, bundesweit sind es 3146 Verurteilte.

"Die einzige Möglichkeit mich zu stoppen, ist es, mich auf den elektrischen Stuhl zu setzen", hatte Gleason vor seiner Exekution in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP gesagt. "Jemand muss den Wahnsinn endlich beenden. Ich werde wieder töten."

Der Wahn, andere umzubringen

Gleasons Anwälte hatten ihren Klienten vor Gericht als "psychisch krank" bezeichnet. Als einen Menschen, der unter dem "Wahn lebt, andere und sich selbst umbringen zu müssen".

Die Geschworenen folgten dieser Argumentation jedoch nicht und erklärten Gleason wegen Mordes für schuldig. Bis zur letzten Minute versuchten die Anwälte von Gleason, die Hinrichtung zu verhindern. Und das auch gegen den Willen ihres Mandanten.

Der 42 Jahre alte Gleason, der zuletzt in Richmond (Virginia) in einem Tattoo-Laden arbeitete und mit seiner Kunst sogar Preise gewann, war 2008 nach dem Mord an Mike Jamerson, einem vorbestraften Gang-Mitglied, zunächst zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Ein Jahr später erwürgte er seinen Zellengenossen Harvey Watson (63) und verbrachte mehr als 15 Stunden mit der Leiche in seiner Zelle, bevor er die Wärter alarmierte. Ein Gericht verurteilte ihn daraufhin zur Höchststrafe. Und selbst im Todestrakt versuchte Gleason bei einem Ausgang einen anderen, 26 Jahre alten Insassen, durch die Gitterstäbe zu erwürgen.

Töten ist "wie Bier aus dem Kühlschrank holen"

"Ich werde noch mehr Personen töten", sagte er schon damals und behauptete, dass er mindestens noch "ein Dutzend" Menschen auf dem Gewissen habe. Beweise dafür gab es jedoch nicht. "Es waren aber nur Verbrecher, nie Unschuldige", sagte Gleason, dessen kriminelle Karriere mit kleineren Überfällen begonnen hatte.

"Ich weiß aber nicht, ob mich das zu einem besseren Menschen macht." Töten, so hatte er einmal gesagt, sei für ihn "wie ein Bier aus dem Kühlschrank holen" oder "das Binden von Schuhen". Für Gleasons Anwälte Indizien genug, ihren Mandanten als "mental schwer gestört" zu bezeichnen.

Dazu passt auch der letzte Wunsch des in Lowell, Massaschusetts, geborenen Gleason. Auf die Frage, warum er denn den vermeidbar schlimmen elektrischen Stuhl und nicht die Giftspritze bevorzuge, sagte er. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, im Liegen zu sterben. Ich möchte dabei lieber sitzen."

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