16.01.13

16. Januar

Am "Nichts-Tag" sollte man einfach nichts tun

Seit mittlerweile 30 Jahren wird der 16. Januar in den USA als nationaler "Nichts-Tag" begangen. Die Amerikaner sollen einfach nur nichts tun. Aber ist Nichtstun in unserer Zeit überhaupt möglich?

Von Uta Keseling
Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Nichts tun kann ganz schön anstrengend und langweilig sein
Nichts tun kann ganz schön anstrengend und langweilig sein

Gedenk- und Aktionstage gibt es ja viele. Die einen sind mit Geschichte und bitterer Erinnerung aufgeladen, andere rufen auf humorvolle Weise zum Nachdenken auf.

Der Welt-Kuss-Tag etwa verweist jeden 6. Juli auf die unterschiedliche Bedeutung des Kusses in den Kulturen der Welt. Oder der Tag der Jogginghose: Er mahnt am 21. Januar die Menschen, sich modisch nicht gehen zu lassen.

Manche Gedenktage jedoch stellen uns vor ein dialektisches Problem. Der 16. Januar zum Beispiel. Er wird in den USA seit mittlerweile 30 Jahren als nationaler "Nichts-Tag" begangen.

Einfach nur nichts tun

Wer sich jetzt fragt, wieso man davon bisher so wenig gehört hat, muss sich nicht wundern. Als der amerikanische Kolumnist Harold Pullman Coffin 1973 den "National Nothing Day" ausrief, war schnell klar: Dieser Tag durfte gar nicht begangen werden. Das widersprach seinem Auftrag. Der lautete: Am 16. Januar sollten die Amerikaner einmal nicht Lieder singen, Helden preisen oder Gutes tun – sondern einfach nur nichts tun.

Aber ist Nichtstun denn möglich? Und gibt es das Nichts überhaupt? Das fragen sich die Philosophen seit voraristotelischer Zeit. Die ersten Christen rätselten, ob die Schöpfung aus dem Nichts entstanden sein könnte – anderenfalls wäre sie ja nicht Schöpfung, sondern nur Wandlung? Ein lebensgefährlicher Gedanke.

Kann es weniger als nichts geben?

In der formalen Logik tritt "nichts" nur als sogenannter negierter Existenzquantor auf. In der Mathematik erscheint das Nichts auf den ersten Blick klar als Null. Aber was ist dann mit den negativen Zahlen? Kann es weniger als nichts geben?

Je länger man darüber nachdenkt, desto eher beschleicht einen der Horror Vacui, die Angst, sich im Nichts zu verlieren. Doch die Hypothese, für die dieser naturwissenschaftliche Terminus stand, ist längst widerlegt. Das Nichts ist nicht böse.

Also machen wir es ihm zu Ehren wie die Amerikaner – und tun einmal einen Tag lang nichts.

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