16.01.2013, 09:17

Japan Rauch in der Kabine - Dreamliner muss notlanden

Nächster Akt im Pannenspiel: Japan holt alle Dreamliner vom Himmel

Foto: DAPD

Die Pannenserie bei Boeings Prestigeprojekt reißt nicht ab. Jetzt musste ein „Dreamliner“ in Japan notlanden. Ein Startverbot wurde verfügt.

Für den amerikanischen Flugzeughersteller Boeing und 137 Insassen seines neuen "Dreamliners" hielt der Mittwoch eine neue Hiobsbotschaft parat: Nachdem eine Maschine des Typs 787 wegen Batterieproblemen im japanischen Takamatsu notlanden musste, wurden nach Angaben des Verkehrsministerium sämtliche Maschinen des gleichen Typs für Sicherheitschecks am Boden gehalten.

All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hätten angekündigt, alle ihre 24 Dreamliner vom Himmel zu holen. Für Boeing setzt sich damit eine lange Pannenserie fort.

Rauch in der Kabine

Der jüngste Vorfall ereignete sich auf einem Flug von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio. Rund 35 Minuten nach dem Start habe man in der Maschine Rauch bemerkt, hieß es in mehreren örtlichen Medienberichten. Daraufhin leitete der Pilot in Takamatsu eine Notlandung ein und ließ alle Passagiere über Notrutschen das Flugzeug verlassen. Einen Löscheinsatz habe es nicht gegeben.

Ein ANA-Sprecher erklärte demgegenüber, die Notlandung in Takamatsu sei wegen der Anzeige von Batterieproblemen im Cockpit vorgenommen worden. Schwer verletzt wurde den Angaben zufolge niemand.

Der Flughafen wurde wegen der Notlandung geschlossen, der Dreamliner von Feuerwehrfahrzeugen umringt.

Notlandung war "schwerwiegender Vorfall"

Das Verkehrsministerium wertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. ANA habe 17 Dreamliner und JAL sieben Flugzeuge des gleichen Typs vorübergehend aus dem Betrieb genommen, um weitere Untersuchungen vorzunehmen. Die Entscheidung sei von den Fluggesellschaften freiwillig getroffen worden, hieß es weiter.

Der als Verkaufsschlager ersonnene Dreamliner beschert Boeing dieser Tage eine Negativschlagzeile nach der anderen. Schon 2012 waren mehrmals technische Probleme gemeldet worden, vorige Woche ordnete die US-Luftfahrtbehörde FAA dann nach mehreren Pannen binnen kürzester Zeit eine Untersuchung an, erklärte den Dreamliner aber grundsätzlich für flugtauglich.

Risse in der Scheibe und Löcher im Tank

Zuvor hatten Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und einen Batteriebrand für Aufsehen gesorgt. In allen Fällen war All Nippon Airways betroffen.

Der erst 2011 in Dienst gestellte zweimotorige Dreamliner ist das neueste und technisch anspruchsvollste Modell des amerikanischen Airbus-Konkurrenten. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch. Allerdings kam es schon vor der Premiere immer wieder zu technischen Problemen.

Die Probleme bei der 787 sind nach Darstellung von Boeing nicht schlimmer als die Kinderkrankheiten der 777 Mitte der 90er-Jahre – und dieser Typ ist inzwischen ein Verkaufsschlager.

Von den mittelgroßen Dreamlinern hat Boeing seit Ende 2011 bereits 50 Stück ausgeliefert, fast 800 weitere sind bestellt. Um den Nachfragestau abzubauen, will das Unternehmen die Fertigung bis Ende des Jahres von derzeit fünf auf zehn Maschinen im Monat ausbauen.

(dapd/dpa/mim)
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