10.01.13

"Django Unchained"

Kritik an Tarantinos Sklaven-Spielzeugfiguren

Afroamerikanische Organisationen rufen dazu auf, Merchandising-Figuren zum Film "Django Unchained" von Quentin Tarantino nicht zu kaufen. Ihr Vorwurf: Damit werde das Thema Sklaverei verharmlost.

Von Marion Meier
Foto: Amazon

Die Action-Figur der Rolle „Stephen“ aus dem Film „Django Unchained“ von Quentin Tarantino
Die Action-Figur der Rolle "Stephen" aus dem Film "Django Unchained" von Quentin Tarantino

Schon bevor "Django Unchained" am 17. Januar bei uns in die Kinos kommt, sorgt er für Schlagzeilen: In Quentin Tarantinos neuem Film spielt Jamie Foxx einen Sklaven, der kurz vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg einen blutigen Rachefeldzug gegen seine Unterdrücker antritt. Nach der Pressevorführung des Werks gab es von den Kritikern Lobeshymnen.

Doch dann bezeichnete Tarantino die Leiden der indianischen Bevölkerung und der Schwarzen in den USA als "Holocaust" – und löste damit Diskussionen darüber aus, ob der Begriff nicht für den deutschen Völkermord an den Juden reserviert ist.

Nun geht es um die Merchandising-Produkte: Zu "Django Unchained" hat die Spielzeugfirma The National Entertainment Collectibles Association (Neca) sechs Action-Figuren angefertigt. Darunter sind auch Abbildungen der Charaktere, die Jamie Foxx und Samuel L. Jackson verkörpern.

Schwarze Sklaven als Spielzeugfiguren in Wohn- und Kinderzimmern? So vorhersehbar wie die Schüsse in einem Tarantino-Film folgt auch hier die Kritik. Unter anderem "The Wrap" berichtet darüber: Die Kritiker befürchten eine Verharmlosung von Sklaverei.

"Mit Sklaverei spielt man nicht"

"Das ist ein Schlag ins Gesicht unserer Vorfahren", sagte Najee Ali, der Direktor der Interessengruppe "Project Islamic Hope". Er hofft, dass die Figuren wieder vom Markt genommen werden. "Der Film trivialisiert den Horror der Sklaverei, und das, was Afro-Amerikaner durchmachen mussten."

Auf der Website von Neca werden die Figuren von "Django Unchained" noch nicht verkauft – aber bei Amazon: Die Preise pro Puppe variieren zwischen 29,99 Dollar und 39,99 Dollar. Scrollt man nach unten, landet man inmitten weiterer Diskussionen: Ein Kommentator nimmt Tarantino in Schutz: "Es wäre schon weit hergeholt zu sagen, dass die Filmmacher aus der Sklaverei Kapital schlagen wollen. Es ist nichts Rassistisches daran, aus einem Filmcharakter eine Figur zu machen."

Die Kritiker sehen das ganz anders: "Mit Sklaverei spielt man nicht", schreibt ein Kunde. "Die Puppen fallen auch in die Hände von Leuten, die glauben es sei okay, nachzuspielen, wie Sklaven behandelt wurden." Mehrere afroamerikanische Organisationen haben nun zum Boykott der Plastikpuppen aufgerufen. Die Besucherzahlen des Kinofilms wird das kaum beeinflussen.

Tarantino hat sich zum Thema Verharmlosung im Film bereits im Vorfeld geäußert. Als sein Kollege Spike Lee ihm vorwarf, die Geschichte der Sklavenhaltung in Form eines Spaghetti-Westerns zu erzählen und damit die schwarzen Ahnen zu beleidigen, erwiderte er: In einem Film über Sklaverei "wirst du einige Dinge hören und sehen, die hässlich sind." Die Brutalität müsse zu sehen sein, alles andere würde die Verhältnisse harmloser darstellen, als sie tatsächlich gewesen seien.

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