RTL-Show
Die Dschungel-Kandidaten und die Phänomenologie des Ekels
Am Freitag beginnt die siebte Staffel von "Ich bin ein Star – holt mich hier raus". Was wir von Helmut Berger und Co. erwarten können.
Nach dem Tod von Dirk Bach wird Sonja Zietlow mit Daniel Hartwich aus dem australischen Dschungel berichten. Elf Kandidaten werden 16 Tage um die Gunst des TV-Publikums kämpfen, diverse Ekelprüfungen über sich ergehen lassen und den Widrigkeiten der Wildnis trotzen, bis am Ende einer die Dschungelkrone und 100.000 Euro mit nach Hause nehmen darf. Die Morgenpost hat eine Typologie der Dschungel-Kandidaten erstellt.
Gelaber im Lager: Iris Klein
Diese Gattung erfreut sich großer Beliebtheit. Von allen guten Geistern verlassen und vom Leben gebeutelt, zeigen diese Damen unerschütterliche Geduld. Die Kabarettistinnen Lisa Fitz und Desiree Nick bewiesen Mutterwitz und Sozialsinn. Nick, die unentwegt quatschte, verließ das Gelände als Königin. Für Schauspielerin Ingrid van Bergen war der Aufenthalt eine Vergnügungsreise. Sie hatte viele Jahre im Gefängnis verbracht. Ihre illusionslosen, rhetorisch brillanten Lebensweisheiten brachten ihr den Sieg in der vierten Staffel. Katy Karrenbauer spielte in einem TV-Frauenknast die Hauptrolle – im Camp triumphierte ihr Lakonismus. Schauspielerin Brigitte Nielsen lümmelte in der Hängematte, verkündete schwerzüngig dänische Weisheiten und umarmte alle. Sie gewann die sechste Staffel.
Vertreterin diesmal: Iris Klein, die Mutter von Daniela Katzenberger. Gewinnchancen: Labert alle aus dem Lager.
Alles auf Altstar: Arno Funke
Dieser Typus hatte mal viel und jetzt nichts mehr, weshalb er durch eine gewisse Demut gekennzeichnet ist. Der Musikant Werner Böhm führte einst als Gottlieb Wendehals die "Polonäse Blankenese" an und wusch im Camp still seine Wäsche. Ebenso gedämpft präsentierte sich die einstige RTL-Plaudertasche Harry Wijnvoord, der zuletzt Staubsauger verkaufte. Kollege Björn Hergen Schimpf kujonierte das Publikum jahrelang mit seiner bräsigen Stoffpuppe "Karlchen" und gab sich auch im Dschungel bärbeißig, während der Münchner "Neger vom Hasenbergl", Günther Kaufmann, den gutmütigen, sorgenbeladenen Pater familias gab. Die als Teil der Jacob Sisters überkandidelt agierende Eva Jacob überraschte mit bodenständigen Hausfrauentugenden, während der "Michaela"-Troubadour Bata Illic graugesichtig seine Zigaretten vermisste.
Vertreter diesmal: Kaufhaus-Erpresser Arno Funke. Gewinnchancen: Müsste die Krone von einem ferngesteuerten Gefährt abholen lassen.
Lustloses Luder: Fiona Erdmann
Diese Gattung gefällt vor allem der männlichen Population, erweist sich in freier Wildbahn indes als überraschend lustlos. Die ehemalige Porno-Aktrice Dolly Buster hatte sichtbar kein Vergnügen an dem Outdoor-Aufenthalt, während Ex-Kollegin Michaela Schaffrath, notorisch geworden als Gina Wild, einen erstaunlich patenten und unverdorbenen Eindruck machte und beinahe gesiegt hätte. Indira Weis, früher mal Sängerin bei Bro"Sis, knutschte mit dem Boygroup-Überlebenden Jay Khan, doch die Affäre im Amüsiertümpel war bloß inszeniert und wurde auch nach dem Ende des Camps krampfhaft weitergespielt. Christina Lugner, der Ehefrau des Wiener Bau-Unternehmers Mörtel-Lugner, fehlte die Sachertorte zum Zweispänner doch sehr. Gitta Saxx, Playmate des Jahrhunderts, fehlte es an Esprit. Und Model Micaela Schäfer fehlte es an Kleidung: Sie hatte nie etwas an.
Vertreterin diesmal: Fiona Erdmann, Fotomodel. Gewinnchancen: Auch Ausziehen hilft nicht.
Kraft für Krawall: Helmut Berger
Diese Spezies ist im Medienzirkus bereits unangenehm aufgefallen und hat keinen guten Ruf zu verlieren. Kennzeichnend ist ihr eitles Verhalten, das oft mit Realitätsverlust und bizarren Selbstinszenierungen einhergeht. Daniel Küblböck war das Maskottchen der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" und verlor im Urwald erheblich an Charme. Willi Herren spielte einst in der "Lindenstraße", entdeckte Kokain, wurde erst größenwahnsinnig, dann gefeuert und singt seitdem in Discos.. Nadja Abd El Farrag alias Naddel war früher Beistellfrau von Dieter Bohlen. Im Dschungel fehlte ihr der Prosecco am Vormittag. Susan Stahnke sagte die "Tagesschau" an, bis sie im Dschungel kläglich scheiterte. Ross Antony war Mitglied der Band "Bro"Sis" – mit grundlosem Frohsinn gewann er die dritte Staffel.
Vertreter diesmal: Helmut Berger, Schauspieler. Gewinnchancen: Nur mit Champagner und Kaviar.
Stoisch Stiller: Patrick Nuo
Eine zur Abgeschiedenheit, zum Egoismus und Rechthaberei neigende Sub-Spezies des Altstars, oft jedoch noch recht jung. Hier trifft unangenehme Selbstüberschätzung auf bodenlose Langeweile und Macho-Habitus: Phlegmatisch hocken diese Männchen in ihren Hängematten, pulen sich die Füße und schweigen stoisch – bis eine nicht enden wollende Suada über die Ungerechtigkeit, die ihnen angetan wurde, oder die Hölle des Eingesperrtseins aus ihnen hervorbricht. Ehemalige Sportler wie Leichtathlet Carlo Thränhardt und Ex-Nationaltorhüter Eike Immel, Moderator Carsten Spengemann, Ex-Kommunarde und Althippie Rainer Langhans und Musiker Martin Kesici eint die Camouflage im Regenwald: Sie sind Müßiggänger und Gammler und fallen im australischen Dschungel allenfalls durch Inaktivität auf.
Vertreter diesmal: Patrick Nuo, Sänger. Gewinnchancen: Wird nicht so lange sitzen gelassen.
Neue Neurose: Georgina Fleur
Die gefürchtete Gattung der Camp-Zicke hat den höchsten Unterhaltungswert. Caroline Beil, im Fernsehen fast unbemerkt geblieben, lästerte über Susan Stahnkes unschuldiges Antlitz als "freaky fuckin" face" und verspritzte unablässig Gift. Dagegen gebärdete sich Komponistentochter Giulia Siegel als eingebildete Künstlerin, die mit sämtlichen Campern deftige Dispute austrug und schließlich auf eigenen Wunsch das Lager verließ. Sarah Knappik, bei einer Model-Show gescheitert, gab erst die Heulsuse und Nervensäge, bis sie eine Gruppe um Mathieu Carriere gegen sich aufbrachte, was wiederum Peer Kusmagk zum Sieg verhalf. Ramona Leiß gerierte sich in der sechsten Staffel als Erziehungsberechtigte, belehrte und jammerte hysterisch über ihre Kindheit.
Vertreterin diesmal: Georgina Fleur, Aspirantin bei der RTL-Show "Der Bachelor". Gewinnchancen: Müsste alle vergiften.



















