09.01.13

Letzter Wunsch

Fan sieht "Star Trek"-Rohschnitt - kurz vor seinem Tod

"Into Darkness" kommt erst im Mai in die Kinos. Zu spät für den krebskranken Daniel Craft. Das Netz half ihm bei der Erfüllung seines Traums.

Von Christian Mutter
Foto: dapd

Regisseur J. J. Abrams (2. v.l.) bei einer Pressekonferenz zu seinem neuen Star Trek-Film im Dezember 2012 in Tokio
Regisseur J. J. Abrams (2. v.l.) bei einer Pressekonferenz zu seinem neuen Star Trek-Film im Dezember 2012 in Tokio

Es ist eine herzzerreißende Geschichte über die gute Seite des Webs – oder eine grandios orchestrierte Viralkampagne. An ihrem Ende steht der Tod von Daniel Craft, einem 41-jährigen Krebspatienten aus New York. Für sich genommen kein Thema, das die anonyme Masse im Web bewegen würde, aber seine Begleitumstände haben aus den letzten Tagen des Amerikaners eine bemerkenswerte Geschichte gemacht.

Drei Jahre lang kämpfte Craft gegen Leukämie, vor sechs Wochen kam zusätzlich noch die Diagnose Leberkrebs hinzu. "Mein Freund hat noch weniger als zwei Monate zu leben", schrieb Ende Dezember ein Bekannter des New Yorkers auf der Seite der Online-Community Reddit.

Die Webseite ist ein sogenannter Newsaggregator, Benutzer können kurze Textbeiträge verfassen und von den anderen Nutzern positiv oder negativ bewerten lassen. Craft liebe Star Trek, schrieb der Nutzer weiter, und sein größter Wunsch sei es, den neusten Film der Reihe, "Into Darkness", zu sehen.

Das Problem: Die Ärzte machten Craft keine Hoffnung auf Heilung und bereiteten die Familie auf den baldigen Tod des Mannes vor – der Star Trek-Film von Regisseur J. J. Abrams soll aber erst im Mai 2013 in die Kinos kommen. Auch Crafts Frau meldete sich auf Reddit zu Wort, beschrieb das Anliegen für "die Liebe meines Lebens", und bat die Nutzer, mitzuhelfen.

Filmproduzent kommt mit DVD vorbei

Was dann passierte, kann als das Gegenteil eines sogenannten "Shitstorms" bezeichnet werden. Der Beitrag erhielt so viele positive Bewertungen, dass er lange genug auf der Startseite der Community auftauchte, um dort von Millionen Nutzern gelesen zu werden. Manche vermittelten persönliche Kontakte zum Filmstudio Paramount, andere schrieben den Regisseur auf dessen Facebook-Seite direkt an.

Nach nicht einmal zwei Tagen hatte der "Schwarm" sein Ziel erreicht. US-Medien berichten, dass Abrams die Ehefrau Crafts anrief und eine Nachricht auf deren Mailbox hinterließ. Am nächsten Tag bereits klingelte einer der Produzenten an der Tür von Crafts Apartment in Manhattan – in der Hand eine DVD mit dem Rohschnitt des Films.

"Es gab Popcorn, Daniel hatte sich den ganzen Tag ausgeruht, um den Film komplett zu verfolgen, und nachdem die beiden mehrere Verschwiegenheitsvereinbarungen unterzeichnet hatten, startete der Film. Sie hatten einen Mordsspaß!", berichtete ein Freund der Familie kurze Zeit später, ebenfalls auf Reddit. "Der Film hat genau für das gesorgt, wozu Filme da sind: Er hat Daniel für ein paar Stunden seine Probleme vergessen lassen."

"The Hollywood Reporter" berichtet, Abrams und der Produzent hätten die beiden gebeten, nicht zu streng in ihrem Urteil über den Film zu sein. "Er ist noch lange nicht fertig, aber wir wollten ihm zeigen, was wir hatten", wird der Regisseur zitiert.

Zweifler befürchten Marketingkampagne

Eine offizielle Bestätigung für die Geschichte und ihr Happy End gibt es bislang nicht. Zweifler merken an, dass alles nach einer perfekt geplanten Marketingkampagne für den neuen Streifen aussehe. Auf seiner Facebook-Seite danken User J. J. Abrams überschwänglich für dessen Hilfe, dementiert hat er die Vorgänge bis jetzt nicht.

Am 4. Januar ist Craft nun gestorben – die Exklusiv-Premiere des neuen Star Trek-Films gehörte zu den letzten Dingen, die er vor seinem Tod noch erlebte.

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