09.01.13

Schock für Pendler

Über 70 Verletzte nach Fährunglück in Manhattan

Erst ein Knall, später dann havarierte die Fähre ganz in der Nähe der New Yorker Wall Street. Mindestens 74 der insgesamt über 300 Passagiere wurden verletzt. Die Unglücksursache ist noch unklar.

Quelle: Reuters
09.01.13 1:34 min.
Etwa 326 Menschen befanden sich im morgendlichen Berufsverkehr an Bord als die Fähre offenbar ungebremst gegen einen Steg rammte. 11 Menschen wurden dabei schwer verletzt.

New York ist eine Wasserstadt. Das bemerkt man meistens nicht, sogar in Manhattan spürt man selten, dass man sich nicht auf dem Festland befindet.

Tatsächlich handelt es sich bei New York aber um ein amorphes Konglomerat aus Inseln und Inselchen zwischen dem Atlantischen Ozean, dem East River (der in Wahrheit ein Meeresarm ist) und dem breiten Strom, dem Hudson.

Tausende New Yorker gelangen jeden Tag mit dem Schiff von ihrem Wohnort zu ihrem Arbeitsplatz.

Am Mittwochfrüh um 8.45 fuhr eine Fähre auf den Pier 11 zu, der in der Nähe der Wall Street liegt. Ein gezacktes, eckiges Loch am Bug des Schiffes, eines Katamarans, war hinterher deutlich zu erkennen.

333 Passagiere, heißt es, seien an Bord gewesen, dazu fünf Mann Besatzung, es ist von dutzenden Verletzten (mindestens 74) die Rede. Und es scheint sich nicht nur um leichte Blessuren zu handeln: Verletzte wurden auf Krankenbahren aus dem Schiff an Land getragen.

Ein Mensch sei mit schwerem Kopftrauma ins Krankenhaus eingeliefert worden. Insgesamt seien sieben Passagiere schwer verletzt worden, zwei würden sogar in Lebensgefahr schweben. Niemand scheint bisher bei dem Unglück ums Leben gekommen zu sein.

Immer wieder Schiffsunglücke

Die Fähre gehörte zu den "Seastreak Ferries", das sind Schnellboote, die Manhattan mit Ortschaften entlang der Mündung des Hudson in New Jersey verbinden, aber auch noch weiter hinaus fahren – bis nach Martha's Vineyard, jenem Eiland der Reichen und Berühmten in der Nähe von Boston.

Anders als die "Staten Island Ferry" (die berühmte Pendelfähre zwischen Manhattan und Staten Island) sind die "Seastreak Ferries" nicht kostenlos.

Es hat in New York in der Vergangenheit immer wieder Schiffsunglücke gegeben. Im Oktober 2003 krachte eine Fähre mit 1500 Passagieren gegen einen Betonpier am Hafen von Staten Island; das Schiff wurde dabei am Rumpf aufgeschlitzt. Elf Tote waren hinterher zu beklagen, 71 Menschen wurden verletzt. Hinterher stellte sich heraus, dass der Steuermann am Steuer das Bewusstsein verloren hatte, nachdem er Schmerzmittel geschluckt hatte.

Katastrophe, die Deutsche vertrieb

Die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Stadt aber war ohne Zweifel das Feuer, das am 15. Juni 1904 im East River an Bord des Vergnügungsdampfers "General Slocum" ausbrach.

Das Schiff sank infolge des Feuers, 1021 der 1342 Passagiere starben, viele von ihnen waren Frauen und Kinder. Dieses Unglück führte zur Auflösung des deutschen Viertels in der Lower East Side von New York.

Die meisten Passagiere der "General Slocum" waren nämlich Deutsche; es hatte sich um einen Ausflug der evangelischen Kirchengemeinde gehandelt. Nach der Katastrophe war die deutsche Gemeinschaft dermaßen traumatisiert, dass sie die Erinnerung daran nicht mehr aushielt.

Die Folge: Die meisten deutschen Familien zogen aus der Lower East Side weg, die Gemeinschaft zerstreute sich in alle vier Winde.

Knall schon vor dem Anlegen

Die Ursache des aktuellen Fährunglücks ist noch vollkommen unklar. Am Wetter kann es jedenfalls nicht gelegen haben: Sonne, gute Sicht, beinahe kein Wind. Die Fähre kam aus New Jersey, die Katastrophe passierte vielleicht nicht beim Andocken, sondern schon draußen im East River – Zeugen berichten von einem lauten Knall, den sie dort draußen zwischen den Ufern von Manhattan und Brooklyn gehört hätten.

Eine Frau sprach von einer Explosion, es habe wie eine Bombe geklungen, so hart sei die Fähre getroffen worden.

War das Unglück also gar keines, sondern ein terroristischer Anschlag? Zur Stunde kann diese Frage nicht beantwortet werden. Von der Wall Street bis hinunter zur Anlegestation der Fähre war noch lange danach alles voll von Feuerwehrautos und Rettungswagen.

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