07.01.13

Eberbach-Doppelmord

Enkel war mehr als zwei Tage mit Leichen allein

Der Doppelmord an einem Ehepaar in Eberbach geht auf das Konto des früheren Lebensgefährten der getöteten Ehefrau. Ihr Enkel harrte zweieinhalb Tage mit den Leichen in der Wohnung aus.

Foto: dapd

Der Doppelmord in Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) war eine Beziehungstat
Der Doppelmord in Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) war eine Beziehungstat

Offenbar zehn Jahre nach dem Ende ihrer Beziehung hat ein Mann eine Trierer Ärztin sowie deren Ehemann erschossen. Wenige Wochen zuvor hatte er sich wieder bei der 56-Jährigen gemeldet. So hat sich nach Angaben der Ermittler der Doppelmord in Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) zugetragen.

Es handele sich um eine Beziehungstat, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. Besonders dramatisch: Der zweijährige Enkelsohn der Opfer war mehr als zwei Tage mit den Leichen in der Wohnung allein.

Der 65 Jahre alter Lehrer aus Eberbach und seine neun Jahre jüngere Ehefrau, die seit 2010 als ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums in Trier tätig war, waren am vergangenen Freitag tot in ihrem Wohnhaus in Eberbach gefunden worden.

Die Polizei wurde alarmiert, weil der kleine Enkel des Paars weinend vor der geöffneten Haustür stand. Nach Polizeiangaben harrte der Junge zweieinhalb Tage allein in der Wohnung aus. Von der Tat habe er aber wahrscheinlich nichts mitbekommen, hieß es.

Fassungslosigkeit und Trauer

In Trier herrschte nach der Tat große Trauer. Der Geschäftsführer des Arbeitgebers der Ermordeten, Hans Tilly, sagte der Nachrichtenagentur dapd, er sei "fassungslos und sprachlos".

Der Tod der Ärztin sei für das Zentrum, das sich der Frühförderung von Kindern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen widmet, menschlich wie fachlich ein "Riesenverlust".

Die Bezirksärztekammer Trier und die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz sprachen den Hinterbliebenen das Mitgefühl der gesamten rheinland-pfälzischen Ärzteschaft aus.

Opfer und Täter hatten Beziehung

Der Täter sprang nach Polizeiangaben kurz nach dem Verbrechen von einer Brücke in der Nähe von Tauberbischofsheim und starb an den Folgen des Sturzes. Die Ärztin und der ehemalige Energietechniker hatten von 1994 bis 2003 eine Beziehung.

Nach der Trennung sei es mit dem Mann wirtschaftlich bergab gegangen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob anhaltende Frustration über das Ende der damaligen Beziehung und Verbitterung über den sozialen Abstieg für die Tat ausschlaggebend gewesen seien, könne nicht gesagt werden. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann Geld von dem Paar gefordert haben könnte.

Als gesichert gilt allerdings, dass der Ex-Freund das Paar ermordet hat. "Die Tatwaffe wurde im Wagen des Mannes gefunden", sagte ein Sprecher der Kriminalpolizei. Dass die Neun-Millimeter-Pistole bei den tödlichen Schüssen benutzt wurde, sei in kriminaltechnischen Untersuchungen bestätigt worden.

Ehemann hatte ein ungutes Gefühl

Wieso der Täter, der aus Thüringen stammte und in Heilbronn lebte, während der vergangenen Wochen mehrmals den Kontakt zu seiner früheren Lebensgefährtin suchte, ist nach Angaben der Polizei unklar.

Auffällig sei allerdings, dass der Mann kurze Zeit nach dem Ende der Beziehung angefangen habe, sich als Sportschütze zu betätigen, sagte Kriminaldirektor Siegfried Kollmar. Der Ehemann der Medizinerin habe vor seinem Tod zu einem seiner drei Söhne gesagt, er habe ein ungutes Gefühl, da der Ex-Freund seiner Ehefrau labil sei und außerdem bekannt sei, dass er Waffen bei sich habe.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters habe die Polizei mehr als 1.000 Schuss weitestgehend legale Munition gefunden, sagte Kriminalrat Marcus Winter.

Der 59-jährige Sportschütze habe neben elf Jagd- und Kampfmessern auch mehrere Pistolen und Gewehre in seiner Wohnung gelagert. Weitere Waffen seien möglicherweise noch in zwei verschlossenen Waffentresoren zu finden, die noch am Montag geöffnet werden sollten.

Quelle: dapd/fp
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