07.01.13

Verbrechen

Erneut tödliche Gruppenvergewaltigung in Indien

In Indien ist erneut ein junges Mädchen von einer Gruppe vergewaltigt und getötet worden. Im Prozess gegen die Peiniger der im Dezember gestorbenen Frau stehen fünf der Angeklagten vor Gericht.

Foto: dapd

Massenproteste in Indien sorgen dafür, dass Vergewaltiger endlich angemessen von der Justiz bestraft werden. Den sechs Tätern einer Gruppenvergewaltigung im Dezember droht die Todesstrafe
Seit Tagen fordern Demonstranten in Indien, dass Vergewaltiger endlich angemessen von der Justiz bestraft werden

Erneut wird über eine tödliche Gruppenvergewaltigung in Indien berichtet. In Noida, einem Vorort von Neu-Delhi, verschwand ein 21-jähriges Mädchen, das auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle in einer Fabrik war. Der besorgte Vater wandte sich umgehend an die Polizei.

Diese nahm sein Anliegen jedoch nicht ernst. Im Gegenteil: Die Beamten mutmaßten, seine Tochter sei mit jemandem mitgegangen, machten abfällige Bemerkungen und verzichteten auf eine Patrouille, wie die Zeitung "Times of India" berichtet. Kurze Zeit darauf wurde die 21-Jährige vergewaltigt und tot aufgefunden. Zwei der Beamten hatten es abgelehnt, den Tatort zu begutachten.

Nachdem bekannt geworden war, wie die Polizisten mit dem Vater des Opfers umgegangen waren, kam es zu heftigen Protesten auf den Straßen von Noida. Es sei ein "gesellschaftlicher Aufschrei" gewesen, so die "Times of India".

Fünf Polizisten suspendiert

Kurze Zeit darauf wurden fünf der Polizisten vom Dienst suspendiert, da sie keinen sogenannten First Information Report eingeleitet hatten. Dieser ist notwendig, um eine polizeiliche Ermittlung zu starten, und wird bei Verdacht auf ein Verbrechen initiiert.

Zwei Tatverdächtige konnten inzwischen festgenommen werden. Einer befindet sich jedoch noch auf der Flucht.

Die Nachrichtenagentur IANS meldete zudem die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Neu-Delhi durch einen Mann und einen Jugendlichen. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh seien ein Lehrer und ein Wachmann unter dem Vorwurf festgenommen worden, vier Schülerinnen vergewaltigt zu haben.

Im ostindischen Bundesstaat West-Bengalen sei ein 40-Jähriger festgenommen worden, der verdächtigt werde, vier Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren vergewaltigt zu haben.

Prozessbeginn mit großem Andrang

Für weltweites Aufsehen sorgte erst Mitte Dezember 2012 eine Gruppenvergewaltigung mit Todesfolge. Ein 23-jähriges Mädchen war am 16. Dezember von sechs Männern in einem fahrenden Bus in Neu-Delhi vergewaltigt und mit Eisenstangen gefoltert worden.

Nach zwölf Tagen starb das junge Opfer in einem Krankenhaus in Singapur an seinen Verletzungen. Begleitet wird der Fall seitdem von zahlreichen wütenden Massenprotesten. Auch Straßenkämpfe finden statt. Große Silvesterpartys wurden aufgrund der Empörung und Trauer in der indischen Hauptstadt abgesagt.

Die Familie der Toten zog zudem öffentlich in den Kampf und fordert die Hinrichtung aller sechs Beschuldigten. An diesem Montag standen sie vor Gericht. Der öffentliche Andrang sei so groß gewesen, dass die Richterin den überbelegten Gerichtssaal hatte räumen lassen müssen.

Zunächst fünf Männern sollte am Montag die Anklageschrift übergeben werden, in der ihnen außer Mord auch Vergewaltigung und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Danach soll der Fall an ein neues Schnellgericht in Neu-Delhi verwiesen werden. Ein konkretes Datum für den in den kommenden Tagen erwarteten Beginn der Verhandlung gibt es noch nicht.

Den fünf Beschuldigten droht der Galgen. Bei einem sechsten Verdächtigen wird noch mit Knochentests geprüft, ob er – wie von ihm selbst behauptet – minderjährig ist.

Quelle: cast/dpa
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