05.01.13

Alle auf den Kleinen

RTL verheizt Oliver Pocher für abgekupferte Show

Fast hätte es der ewige Clown zum seriösen Sportmoderator geschafft. Doch nun verheizt RTL Oliver Pocher für eine lahme Spielshow. Das Konzept hat sich der Sender bei Stefan Raab abgeschaut.

Foto: RTL/Stefan Gregorowius

„Alle auf den Kleinen“ heißt Oliver Pochers neue Show bei RTL. Das Konzept hat der Sender offensichtlich von „Schlag den Raab“ (ProSieben) abgekupfert.

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Wasabi im Krapfen. Kandidaten als Klöppel einer Glocke oder im Würgegriff eines Gladiatoren. Eier, die mit dem Mund in die Pfanne geschlagen werden müssen. Und ein Oliver Pocher, der sich in dieser Ostfriesen-Olympiade für Hartgesottene gegen zwei Männer und eine Frau schlagen muss. Das kommt dabei heraus, wenn TV-Redakteuren nichts, aber auch gar nichts anderes mehr einfällt. Exitus.

Am Freitag hat es RTL erwischt, den Sender, der mal Marktführer war, bevor ihm 2012 ausgerechnet die Mainzelmänner diesen Titel wieder abknöpften. Vier nicht enden wollende Stunden lang quälte RTL seine Zuschauer auf dem Sendeplatz von "Wer wird Millionär?" mit dem Piloten für "Alle auf den Kleinen", eine neue Spielshow. Doch was heißt hier: neu?

RTL kupfert bei ProSieben ab

Das Konzept hat RTL bei ProSieben abgekupfert. Aus "Schlag den Raab" wurde "Hau den Pocher" – mit dem Unterschied, dass der Prügelknabe nicht gegen einen Gegenkandidaten antritt, sondern gegen ein Team, bestehend aus einem Unfallarzt, einem Polizeibeamten und einem weiblichen Konditionswunder.

Weil er mit 1,73 Meter gar nicht klein genug war, um den Titel der Show zu rechtfertigen, hat ihn RTL noch mal um vier Zentimeter kleiner gerechnet. Man tritt dem Sender nicht zu nahe, wenn man sagt, damit habe sich der Witz der Show im Grunde genommen schon erschöpft.

Oliver Pocher hat eine noch größere Klappe als Stefan Raab. Der Mann war es gewohnt auszuteilen, als dieses Talent noch unabdingbare Voraussetzung war, um den Sprung vom Warm-Upper einer Nachmittagstalkshow bei RTL (Birte Karalus) zur eigenen Quatschsendung zu schaffen.

Jetzt ist er zurück bei RTL, und irgendwie wissen sie dort noch immer nicht so recht, was sie mit ihm anfangen sollen, dem Pocher. Das Besserwisser-Quiz "5 gegen Jauch" durfte er schon moderieren, es war der erste Schritt weg vom Nonsens hin ins semiseriöse Gewerbe.

Doch dann kam lange nix, Pocher heiratete eine Schmuckdesignerin, er bekam drei Kinder und vertrieb sich den Leerlauf zwischen dem Windelwechseln als Sportmoderator beim Pay-TV-Sender Sky.

Fußball, das war schon immer seine Leidenschaft. 2006 war er offizieller WM-Botschafter seiner Heimatstadt Hannover und, just for fun, auch Chef der Fußballnationalmannschaft von Sansibar.

Pochers Frau hätte RTL besser nicht einladen sollen

Bei Sky hat ihm der Sport aus seiner beruflichen Sackgasse herausgeholfen. Er macht diesen Job gut. Mit 34 Jahren hat er etwas gelernt, was unabdingbar ist für eine längerfristige TV-Karriere: sich selber zurückzunehmen.

Er hat als Clown bei Viva angefangen, als Clownsein noch die wichtigste Einstellungsvoraussetzung war. Später konnte man ihn ihn als Hund oder Kanalreiniger bei "Rent a Pocher" (ProSieben) mieten. Als Seniorenbetreuer für den müde gewordenen Harald Schmidt in der ARD machte er das Gleiche, bloß in öffentlich-rechtlich. Als Konzept für eine eigene Late Night bei Sat.1 reichte das jedoch nicht mehr. Im März 2011 stellte der Sender seine Show ein.

Kleiner Mann, was nun? Für die RTL-Show, produziert von Günther Jauchs Firma "i & u TV", hungerte sich Pocher zehn Kilo herunter und trainierte mit dem Profiboxer Felix Sturm. Das sagt seine Frau Alessandra, ehemals: Sandy Meyer-Wölden. Der Sender hatte sie mit in die Show eingeladen. Er hätte es besser sein gelassen. Die Frau taugte weder als Stichwortgeberin noch als Joker beim Krapfen-Testen.

Bei Gladiatorenspielen platzt das Hemd

Oliver Pocher löste diesen Joker erst kurz vor dem Finale ein, als er seinen Rückstand gegen das gegnerische Team schon aufgeholt hatte, als Sieger im Körper-Karaoke, beim Kaktus-Buzzern oder bei den Gladiatorenkämpfen.

Dabei war sein Outfit alles anderes als zweckgemäß. Schwarzer Smoking, Fliege. Als ihm ein Dschingis-Khan-Lookalike bei den Gladiatorenspielen auf den Brustkorb sprang, platzte ihm das weiße Hemd auf. "Die Schmerzensschreie gibt's wahrscheinlich morgen als Klingeltöne bei RTL", lästerte Moderatorin Sonja Zietlow.

Doch Oliver Pocher, der Mann mit einem Gesicht wie geschaffen, um damit für Kinderschokolade zu werben, ertrug jede Tortur tapfer, weniger verbissen als Stefan Raab, aber mit der nötigen Selbstironie, das machte die Qualen für den Zuschauer halbwegs erträglich. Für einen Sieg reichte es jedoch nicht ganz. Seine Gegner durften sich die Summe von 100.000 Euro teilen.

Pocher kam mit blauen Flecken davon. Man kann sagen: Er machte eine bessere Figur als der Sender, dem nichts Originelleres eingefallen war, als eines seiner Moderationstalente beim "Hau den Pocher" zu verheizen.

Immerhin: 2,23 Millionen Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schalteten ein. Aber das spricht wohl mehr für Oliver Pocher als für die Show. Wie heißt es so schön? Einer muss verlieren.

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