05.01.13

Spanischer König

Juan Carlos erlebt die schwerste Krise seines Lebens

Es ist ein trauriger Geburtstag: Juan Carlos wird 75 Jahre alt, und nur noch jeder zweite Spanier befürwortet die Monarchie. Inzwischen wird die Ablösung des Königs vorbereitet.

Von Ute Müller
Foto: dpa

Spaniens König Juan Carlos und Kronprinz Felipe bei einer Militärparade in Saragossa: König Juan Carlos hat eines der härtesten Jahre seit seiner Krönung hinter sich
Spaniens König Juan Carlos und Kronprinz Felipe bei einer Militärparade in Saragossa: König Juan Carlos hat eines der härtesten Jahre seit seiner Krönung hinter sich

Wenigstens sein Humor ist dem spanischen König Juan Carlos noch nicht abhandengekommen. "Ich muss mal kurz in die Werkstatt, ich habe Mechanikprobleme", sagt der Monarch vor Weihnachten, als mal wieder eine Hüftoperation fällig war, es war bereits der dritte chirurgische Eingriff im vergangenen Jahr. Die Operation hat er gut überstanden, doch die öffentlichen Auftritte des Monarchen sind in letzter Zeit ausgesprochen rar geworden. Auch seinen 75. Geburtstag will er heute nur im engsten Kreis begehen.

Mühsame Entschuldigungen

Die Skandale um die spanische Krone haben Juan Carlos die Feierlaune offenbar gründlich verdorben. Offiziell wird jedoch die Wirtschaftskrise vorgeschoben. "In diesen schweren Zeiten muss auch der spanische Hof sparen, es wird keinen offiziellen Festakt zu Ehren seiner Majestät geben", so ein Sprecher der Casa Real. In Wirklichkeit geht es aber vor allem um Schadensbegrenzung nach einem wahrhaftigen "annus horribilis" für die spanische Monarchie und ihr Image.

Dazu hat der König wesentlich beigetragen, als er letzten April heimlich in Botswana auf Elefantenjagd ging, ohne sich um die Krise zu Hause zu scheren. Die kostspielige Safari kam nur deshalb ans Tageslicht, weil er sich auf der Pirsch die Hüfte brach. Richtig schockiert waren die Spanier jedoch auch, als sie erfuhren, dass die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein (47) mit von der Partie war. Sie hatte Spanien seinerzeit sofort verlassen, doch der alternde Frauenheld, dem man seine Eskapaden bislang stets verziehen hatte, stand diesmal vor einem Scherbenhaufen.

Reden gehen nur noch schwer über die Lippen

Mühsam rang sich Juan Carlos zu einer Entschuldigung für den Fehltritt durch, es war das erste royale Pardon in 37 Jahren Regentschaft. Doch das brachte die Dinge nicht ins Lot. Die bloßgestellte Gattin Doña Sofia weigerte sich, den 50-jährigen Hochzeitstag zu feiern, dann wurde dem Elefantenjäger auch noch der Titel als Vorsitzender des spanischen Landesverbands des WWF aberkannt.

"Hoheit kommt vor dem Fall", kommentierte die spanische Presse seinerzeit hämisch. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, aber der Schaden ist angerichtet. Laut der neuesten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sigma 2 befürworten nur noch 54 Prozent der Spanier die konstitutionelle Monarchie.

Und hinter den Kulissen wird die Wachablösung von Juan Carlos von langer Hand vorbereitet. Kronprinz Felipe (44) und seine Gattin Letizia werden immer mehr in die Repräsentationspflichten miteingebunden. Denn der König wirkt in letzter Zeit älter und zerbrechlicher, er stolpert häufig, selbst seine Reden kommen ihm nur noch schwer über die Lippen. Bei der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache des Königs war erstmals auch Sohn Felipe zugegen, wenngleich er sich diskret im Hintergrund hielt.

Der Thronfolger meidet jeden Kontakt mit der Schwester

Der Thronfolger bereitet sich nicht nur akribisch auf seine künftigen Aufgaben vor, er ist auch darauf bedacht, nicht mit Skandalen in Verbindung gebracht zu werden. So meidet er jeglichen Kontakt mit seiner drei Jahre älteren Schwester Cristina, weil ihr Gatte, der bürgerliche Iñaki Urdangarín, in eine heftige Korruptionsaffäre verstrickt ist. Der Ex-Profihandballer soll die guten Vernetzungen des Monarchen genutzt haben, um mit seiner Stiftung Millionen Euro einzusammeln – und soll dann das Geld in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben.

Nur gegen eine millionenschwere Kaution ist Urdangarín überhaupt auf freiem Fuß. Der anstehende Prozess bereitet der gesamten Familie, den Monarchen mit eingeschlossen, schlaflose Nächte. Jetzt zeigte er sich versöhnlich und ließ zu, dass seine Tochter und der Gatte ihn am Krankenbett besuchen. "Juan Carlos ist ein sehr menschlicher König, ein Mann, der sich in andere hineinversetzen kann, der Herzenswärme versprüht", so Francisco Gavilán, Journalist und Kenner des Königshauses. Daher verspüren die Spanier auch mehr Sympathie für ihren König als für seinen distanziert wirkenden Sohn.

Der König als Seelentröster

Für ihn wird es schwierig, seinen Vater in den Schatten zu stellen, zu groß sind dessen Verdienste um sein Land und seine Rolle bei der "Transición", des friedlichen Übergangs Spaniens in die Demokratie. Nach dem Tod des Diktators Franco wurde er im November 1975 zum König von Spanien ausgerufen. Doch Juan Carlos überraschte Freunde und Gegner gleichermaßen.

"Der anfangs misstrauisch beäugte Monarch verzichtete auf die ererbte diktatorische Macht, man hatte den Mann einfach unterschätzt", so Santiago Carillo, der inzwischen verstorbene legendäre Kommunistenführer. Wenige Jahre später, 1981, schlug erneut Juan Carlos Stunde, als er einen Putschversuch im Kongress unblutig beendete und sich mit einer historischen Fernsehansprache auf die Seite der Demokraten stellte.

Heute, mehr als 30 Jahre später, erlebt Spanien die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte, und der König ist wieder gefragt – als Seelentröster der Nation und als Mann, der die Einheit Spaniens verteidigt. Vielleicht hat sich Juan Carlos gerade deswegen bereit erklärt, das erste Fernsehinterview in seinem Leben zu geben, es wurde am Vorabend seines Geburtstages ausgestrahlt. "Wir durchleben gerade den schwierigsten Moment unserer jüngeren Geschichte", so Juan Carlos nachdenklich. Ob er in diesem Moment nicht auch an die spanische Monarchie dachte?

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