03.01.13

Tod mit 81

Bei Elmar Gunsch waren auch Tiefdruckgebiete okay

Fast jeder kennt die Stimme. Dieses tiefe, freundliche Brummen. Moderator Elmar Gunsch prägte die Fernsehnation mit seinen Auftritten. Auch wenn er selbst mit seinem Können ein bisschen haderte.

Foto: picture-alliance /

Und jetzt: Das Wetter. Elmar Gunsch moderierte ab 1978 das Wochenendwetter im ZDF – hier 1994.
Und jetzt: Das Wetter. Elmar Gunsch moderierte ab 1978 das Wochenendwetter im ZDF – hier 1994.

Da war dieses warme Brummen im Ohr. Ein tiefer, weicher, sonorer Ton, sehr freundlich und zuvorkommend. Immer schmeichelnd. Elmar Gunsch war "die Stimme", vielleicht in Konkurrenz zum Märchenerzähler Hans Paetsch, ebenfalls Bass. Aber zu Gunsch gehörte doch immer ein Bild, ein freundlicher Mann mit Bart, der im Radio bekannt wurde und dann Fernsehdeutschland bezirzte. Alles, was Gunsch erzählte, klang besonders gut, sogar das schlechte Wetter: Ein unbedingter Positivist.

An diesem Donnerstag ist Gunsch in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main gestorben. In zehn Tagen wäre er 82 Jahre alt geworden.

Die Sendung "Wiedersehen macht Freunde"

Das österreichische Idiom klang in seiner Art zu sprechen ein kleines bisschen durch, dieses gemächliche Auf und Ab der Worte. Aufgewachsen ist Gunsch im Vorarlberg, seine Eltern stammten aus Südtirol. Er begann als Schauspieler in Wien und Klagenfurt, versuchte sich als Operettensänger. 1957 kam er zum Radio, vier Jahre später ging er zum Hessischen Rundfunk.

Später moderierte er in der ARD und ORF2. "Ich bin eine geborene Plaudertasche", sagte er über sich. Das half. Seine Sendung "Wiedersehen macht Freude" präsentierte Filmausschnitte, auch die "Lustigen Musikanten" wurden von ihm angesagt. Elmar Gunsch war stets zuvorkommend, ohne gleich betulich zu wirken, er umarmte das Publikum mit Distanz und Würde. Ein Märchenonkel der Realität.

Nach dem "Heute-Journal" am Donnerstag sagte Gunsch ab 1978 das Wetter fürs Wochenende an, liebevoll, wie alle es erwarteten. Mit einer Puppe von Kermit dem Frosch in der Hand plauderte er über die Aussichten, und bei dieser Stimme waren auch Tiefdruckgebiete okay. Die dankbaren Zuschauer schickten ihm alles Mögliche als Geschenke, vom Regenschirm über Wetterstationen und Froschmodelle, "in jeder Form bis zum echten Laubfrosch", sagte er.

Popsongs bei Harald Schmidt

Ende der 80er-Jahre wechselte er zu Sat.1, bekam eine eigene Show, trat mit Harald Schmidt auf und trug die Texte von Popsongs auf deutsch vor. Das Publikum, das ihn als Kind erlebt hatte, freute sich. Die Älteren hörten ihn weiter im Radio, jeden Dienstag gab es im Bayerischen Rundfunk "Das geht ins Ohr" zu hören. Und es ging dabei natürlich nicht bloß um die Musik. "Ich hör' auf, wenn's nicht mehr geht – wenn die Zähne wackeln oder mir vorm Mikrofon das Gebiss rausfällt", erzählte er gern.

Eigentlich wollte Gunsch mehr zeigen als nur die Stimme klingen zu lassen: "Es ärgert mich, wenn nie akzeptiert wird, was man sagt, sondern nur, wie man es sagt", sagte er. Dabei blieb dieser Ton doch länger im Ohr als es so manche Nachricht wert war, vom Wetter zu schweigen. Jetzt ist die Stimme verstummt. Aber hörbar noch.

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