03.01.13

Neue Serie

"Wie werd' ich genialer?" – Nicht mit ZDFneo

Die neue ZDFneo-Serie "Wie werd' ich ...?" soll mit Humor wissenschaftliche Phänomene erklären. Dafür stürzen sich die Moderatoren in Selbstversuche. Doch was bringt das Edutainment-Format wirklich?

Von Alexander Jürgs
Foto: Frank W. Hempel

Christiane Stenger und Lutz van der Horst moderieren die neue Sendung auf ZDFneo
Christiane Stenger und Lutz van der Horst moderieren die neue Sendung auf ZDFneo

Wie werde ich glücklicher, geistreicher oder ein besserer Liebhaber? Das sind die Fragen, denen eine neue Edutainment-Serie auf ZDFneo nachgehen will.

Zwei Moderatoren, Comedian Lutz van der Horst (beim ZDF ist er sonst der Außenreporter der "heute-show") und Gedächtnistrainerin Christiane Stenger (sie wurde mehrfach Juniorengedächtnisweltmeisterin), absolvieren dafür allerhand Selbstversuche oder interviewen Wissenschaftler und andere Experten. Zur Premiere der vorerst neunteiligen Reihe geht es 45 Minuten lang um das Thema "Wie werd' ich genialer?".

Die Idee des Formats ist nicht besonders neu: wissenschaftliche Phänomene unterhaltsam und mit Humor erklären. Das ist im Idealfall gut für die Quoten – genauso wie für den Bildungsauftrag. Koryphäen des Edutainment-Genres wie Eckart von Hirschhausen oder Vince Ebert feiern damit seit Jahren Erfolge.

Die Intelligenzbestie und der Kauz

ZDFneo schickt ein ungleiches Paar ins Rennen. Christiane Stenger verkörpert die Intelligenzbestie. Rank und schlank, mit brauner Ledertasche um die Schulter, im Gesicht trägt sie eine viel zu große Hipsterbrille.

Lutz van der Horst ist der Quatschmacher mit Strubbelfrisur und Karohemd, Typ Berufsjugendlicher mit großer Klappe. Die Schlaue gegen den Kauz.

Eigentlich birgt diese Konstellation beste Voraussetzungen für Spannungen, Witz und Ironie. Doch so richtig funkt es zwischen den beiden nicht. Wenn Comedian van der Horst mit seinen Gags lospoltert, steht Stenger meistens ziemlich sprachlos daneben und schafft es höchstens noch, interessiert zu gucken. Wenn die beiden sich kabbeln, dann wirkt das vor allem aufgesetzt.

Selbstversuche als Allheilmittel

"Wie werd' ich ...?" ist ein bisschen so, als hätten die Macher versucht, eine Variante von der "Sendung mit der Maus" für "Neon"-Leser zu erschaffen. Und wie bei dem jugendlichen "Stern"-Ableger "Neon" spielt auch bei der ZDFneo-Serie der Selbstversuch eine elementare Rolle. Der Reporter berichtet nicht einfach nur über etwas, sondern wagt sich selbst ins Getümmel.

Moderatorin Christiane Stenger erprobt zum Beispiel (ganz züchtig im Bademantel) in der Sauna, ob ihr Gedächtnis bei Dehydrierung nachlässt. Lutz van der Horst isst in einem Berliner Restaurant kohlenhydratfreies "Brain Food" oder unterzieht sich bei einem Göttinger Professor einer Gleichstrombehandlung inklusive anschließender Kernspintomographie.

Gemeinsam mit einer Horde Schüler absolvieren die beiden ein "Life Kinetik"-Training, bei dem die Hirntätigkeit durch besondere Bewegungsabläufe angekurbelt werden soll.

In der Sauna arbeitet das Hirn langsamer

Diese Tests sind alle ganz charmant, mehr aber auch nicht. Und sie sind nicht immer schlüssig: Wenn Stengers Gedächtnis in der Sauna leidet, dann liegt das wohl weniger am Wassermangel als an der Saunahitze, die es ihr schwer macht, sich ordentlich zu konzentrieren.

Wenn ein Ernährungswissenschaftler herausfinden will, ob kohlenhydratreiche oder -arme Nahrung besser für das Gedächtnis ist, dann lässt er Stenger und van der Horst gegeneinander antreten, anstatt beide Ernährungsweisen nacheinander an einer Person zu untersuchen.

Eines lernt man, während man die Sendung verfolgt, dann aber tatsächlich sehr schnell: Wer wirklich genialer, klüger und schlauer werden will, dem helfen keine schnellen Tricks, sondern der muss sein Gehirn langfristig trainieren.

Genialität gibt es nicht im Sonderangebot. Eher schon durch einen absurden Zufall. In der spannendsten Episode der ersten Folge von "Wie werde ich ...?" besucht Lutz van der Horst den Amerikaner Orlando Serrell.

Besseres Gedächtnis nach Sportunfall

Als Jugendlicher wurde Serrell bei einem Baseballspiel verletzt, ein Ball traf ihn hart am Kopf. Die seltsame Folge: Serrells Gedächtnis funktioniert seit diesem Tag besser denn je. Zu jedem beliebigen Datum hat er nun in Sekundenschnelle den passenden Wochentag parat. Häufig erinnert er sich sogar noch daran, welches Wetter am jeweiligen Tag herrschte.

Über diesen Fall hätte man gern mehr erfahren, hätte gern gewusst, wie Wissenschaftler sich dieses Phänomen zu erklären versuchen. Stattdessen aber geht es einfach schnell weiter mit dem nächsten Selbstversuch. Das weckt den Eindruck, dass die Macher der Sendung Angst vor zu viel Tiefe haben.

Wenn Lutz van der Horst und Christiane Stenger mit "Wie werde ich ...?" überzeugen wollen, dann müssen sie in den kommenden Folgen noch ein paar Schippen drauflegen. Bei der ersten Ausgabe ihrer Sendung sind Wissen und Humor auf jeden Fall noch keine spannende Verbindung eingegangen.

"Wie werd' ich…?", Start Donnerstag, 3. Januar, 21 Uhr auf ZDFneo.

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