02.01.13

Transplantationen

Staatsanwalt ermittelt im Leipziger Organspende-Skandal

Am Leipziger Universitätsklinikum sind offenbar seit 2010 die Daten von insgesamt 38 Patienten für Lebertransplantationen gefälscht worden.

Foto: dpa

An der Leipziger Uni-Klinik wurden in zahlreichen Fällen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben, um sie auf der Warteliste zur Organtransplantation besser zu positionieren, wie die Klinik intern ermittelt hat
An der Leipziger Uni-Klinik wurden in zahlreichen Fällen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben, um sie auf der Warteliste zur Organtransplantation besser zu positionieren, wie die Klinik intern ermittelt hat

Im Transplantations-Skandal am Universitätsklinikum Leipzig hat nun die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. "Wir wollen feststellen, ob ein Anfangsverdacht auf eine mögliche Straftat besteht", sagte ein Sprecher der Leipziger Anklagebehörde am Mittwoch. Ein anschließendes Ermittlungsverfahren sei möglich. Jedoch habe die Staatsanwaltschaft derzeit noch zu wenige Informationen, um das zu entscheiden.

An dem Klinikum wurden in zahlreichen Fällen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben, um sie auf der Warteliste zur Organtransplantation besser zu positionieren, wie die Klinik intern ermittelt hat.

Seit 2010 waren offenbar die Daten von insgesamt 38 Patienten für Lebertransplantationen gefälscht worden. Wie der Medizinische Vorstand des Klinikums, Wolfgang Fleig, am Mittwoch in Leipzig sagte, verkürzte sich durch die falschen Angaben die Wartezeit der Patienten für eine Transplantation. Über die genauen Zeiträume könne nur spekuliert werden, sagte Fleig. Er gehe aber derzeit von einer Wartezeitverkürzung von durchschnittlich einer Woche aus. "Das ist ein für mich bestürzendes Ergebnis", sagte Fleig. "Ich bin fest davon ausgegangen, dass wir ein regelkonformes Verfahren haben."

Die beiden Oberärzte, die das Transplantationsbüro des Klinikums leiteten, seien beurlaubt worden. Nur diese beiden Ärzte hätten die Verantwortung dafür gehabt, wie die Patientenunterlagen ausgefüllt wurden. "Ob Dialyse oder nicht ist ein Kreuzchen am Computer", sagte Fleig. Der Vorstand habe auch den Direktor der Klinik für Tranplantationschirurgie von seinen Aufgaben entbunden, sagte Fleig weiter.

Vorstand will nicht ausschließen, das Geld geflossen ist

Der medizinische Vorstand kann sich das Motiv für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen nicht erklären. "Ich kann nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass kein Geld geflossen ist", sagte Fleig. Soweit er die beschuldigten Ärzte und die betroffenen Patienten kenne, könne er sich eine Bestechung jedoch nicht vorstellen.

In den vergangenen Monaten hatten bereits Skandale um Manipulationen bei der Organvergabe die Öffentlichkeit erschüttert, unter anderem in München, Regensburg und Göttingen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, rechnet mit weiteren Verdachtsfällen. "Die Prüfkommission untersucht etwa 140 Transplantations-Programme, was etwa drei Jahre dauern wird. Deshalb rechnen wir damit, dass noch mehr ans Licht kommt", sagte der Ärztepräsident der "Bild". Er führt dies auf schärfere Kontrollen zurück, die nach den Skandalen 2012 eingeführt worden seien. Montgomery versprach volle Transparenz: "Jetzt werden alle Ungereimtheiten aufgedeckt und transparent gemacht." Aufgrund der Manipulationsvorwürfe bei Lebertransplantationen am Leipziger Uniklinikum prüft die Staatsanwaltschaft einen Straftatverdacht.

Transplantations-Skandale lassen die Bereitschaft für Organspenden nach Expertenangaben sinken. "Natürlich wirkt sich das auf die Spendenbereitschaft aus", sagte Günter Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), am Mittwoch. "Im letzten Vierteljahr 2012 sind die Spenderzahlen deutlich zurückgegangen." Im Oktober habe es nur noch 60 statt wie sonst 100 Spenden gegeben, im November seien es rund 80 gewesen, auch der Dezember sei ungünstig verlaufen. Kirste betonte jedoch: "Es ist kein Organspende-Skandal. Es ist ein Skandal in der Transplantation." Die DSO koordiniert die Organspende in Deutschland.

Quelle: dapd/EPD/sei
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