02.01.13

Entstellter Soldat

Tyler Ziegel – eine Heldengeschichte ohne Happy End

US-Soldat Tyler Ziegel überlebte ein Attentat im Irak und wurde als Held gefeiert. Das Hochzeitsfoto des entstellten Soldaten ging um die Welt. Jetzt ist er gestorben, nach einem banalen Unfall.

Von Jan David Sutthoff

Tyler Ziegels Geschichte könnte die eines Helden sein. Als sich in der Nähe seines Truppenfahrzeugs im Irak ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte, erlitt der junge US-Soldat an einem Weihnachtstag im Jahr 2004 schreckliche Verletzungen. Er überlebte, schwer entstellt, vom Krieg gezeichnet.

Und dennoch: Nach Monaten im künstlichen Koma und mehr als 40 Operationen heiratete er im Oktober 2006 seine Jugendliebe Renee. Das Hochzeitsfoto der beiden – er in Paradeuniform, sie im weißen Brautkleid – ging um die Welt.

Tyler stand symbolisch für das Leid und die Gewalt dieses Krieges, in dem bisher fast 4500 US-Soldaten ihr Leben ließen und mehr als 30.000 verwundet wurden. Das Datum der Hochzeit von Tyler und Renee, der 7. Oktober 2006, wurde in Illinois zu einem Feiertag erklärt: Tylers Heimkehr und die Hochzeit beflügelten die Menschen im Ort, sie gaben ihnen Mut, sie setzen ihre Hoffnungen in das Paar.

Nun ist Tyler tot. In seiner kleinen Heimatstadt Metamora im US-Bundesstaat Illinois rutschte er offenbar auf einer Eisfläche aus und starb im Alter von 30 Jahren. Das berichtet die amerikanische Zeitung "Journal Star".

Grausame Verletzungen

Dabei hatte die Heldengeschichte von einst ihr Happy End nicht erst mit Tylers Tod verloren.

Als Ziegel das erste Mal als US-Soldat aus dem Irak zurückkehrte, machte er seiner Freundin Renee einen Heiratsantrag. Tyler war damals 21 Jahre alt, Renee 18. Sie verlobten sich, bevor er das zweite, das letzte Mal in den Irak aufbrach. Renee wartete auf seine Rückkehr, und tatsächlich endete seine Dienstzeit vorzeitig. Durch den Anschlag.

Im Brooke Army Medical Center in San Antonio in Texas musste Ziegel nach dem Attentat mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Die Finger seiner rechten Hand wurden abgerissen, nur zwei waren ihm geblieben. Eine seiner großen Zehen wurde ihm als Daumen verpflanzt. Tyler war auf einem Auge blind, seine Ohren waren verbrannt.

Ein Teil seines Schädels wurde in das Fettgewebe seines Oberkörpers implantiert. Dort, wo der Knochen sein Gehirn schützte, steckte fortan eine Kunststoffplatte. Über seiner Augenbraue klaffte ein Loch im Schädel. Sein linker Arm war ein Stumpf, der unterhalb des Ellbogens amputiert wurde.

Hochzeit kam wohl zu früh

Aber Tyler sagte vor einiger Zeit dem "Süddeutsche Zeitung Magazin", was ein guter Soldat sagt, auch wenn ihm etwas Schreckliches widerfahren ist: "Wenn ich noch mal anfangen könnte, würde ich alles genauso machen."

Um bei Tyler zu sein, verließ Renee zum ersten Mal im Leben ihre Heimatstadt und wich eineinhalb Jahre lang nicht von seiner Seite. Als sie wieder zuhause waren, heirateten sie. Er war damals 24 Jahre alt, sie 21, und für einige kam die Hochzeit zu früh. Tatsächlich hatten die beiden Schwierigkeiten miteinander, 2008 ließen sie sich wieder scheiden.

Die Menschen im Ort verloren ihre Hoffnung – und nun ihren Helden.

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