02.01.2013, 08:16

A1 bei Bremen Lkw-Geisterfahrer reißt zwei Menschen in den Tod


Die A1 war nach dem schweren Unfall für Stunden gesperrt

Foto: Focke Strangmann / dapd

Weil ein betrunkener Lkw-Fahrer auf der Autobahn wenden wollte, mussten zwei Menschen sterben. Der Falschfahrer flüchtete.

Bei einem schweren Zusammenstoß mit einem Lkw-Geisterfahrer sind in Niedersachsen zwei Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt elf Fahrzeuge waren in die Kollision in der Nacht auf Mittwoch auf der A1 in Richtung Hamburg verwickelt, zwei weitere Menschen wurden leicht verletzt.

Der Falschfahrer war betrunken. Das teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Der Führer des Lastwagens war zwischen Stuhr und Brinkum falsch auf die Autobahn gefahren. Anschließend versuchte er, mitten auf der A1 zu wenden. Seinem Manöver konnten mehrere entgegenkommende Autos nicht ausweichen. Ein 26-jähriger Mann und seine 20 Jahre alte Beifahrerin aus Hannover starben bei dem Unfall.

Nach dem Unfall fuhr der Falschfahrer weiter, konnte allerdings nach mehreren Kilometern in der Nähe von Bremen von der Polizei gestellt werden. Mehrere Zeugen hielten die Polizei den Angaben zufolge über den Verlauf der Flucht auf dem Laufenden. Ein Großaufgebot von Rettungskräften kümmerte sich währenddessen um die Bergung und Versorgung der Opfer.

Der 47-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Er sollte noch am Mittwoch zu dem Unfall befragt werden.

Die A1 musste zunächst komplett gesperrt werden. Die Polizei riet Autofahrern, die Unfallstelle über das Autobahnkreuz Oldenburg großzügig zu umfahren. Laut Polizei entstand ein Sachschaden von rund 85.000 Euro.

Zahl der Geisterfahrer ist seit Jahren konstant

Mit den Geisterfahrten auf Autobahnen beschäftigen sich seit langem Politiker, der ADAC und Wissenschaftler. Die Zahl der gemeldeten Falschfahrer sei mit rund 1900 seit Jahren konstant, sagte der ADAC-Sprecher Klaus Reindl erst vor kurzem in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Man geht davon aus, dass nur etwa bei drei Prozent aller tödlichen Unfälle, die auf Autobahnen passieren, Falschfahrer die Ursache waren."

Nach einer Auswertung des Automobilclubs aller Falschfahrermeldungen besteht die größte Gefahr, auf einen Geisterfahrer zu treffen oder selbst falsch aufzufahren, auf kurzen, oft wenige Kilometer langen Autobahnabschnitten. Die meisten Geisterfahrten passieren danach an Wochenenden. Etwa die Hälfte aller Falschfahrten haben ihren Ausgangspunkt an Anschlussstellen.

Das Bundesverkehrsministerium prüft neue Warnmethoden mit Schildern und Warnmarkierungen. In Bayern läuft seit 2010 ein entsprechender Pilotversuch. Hessen will bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz einen Vorschlag für Metall-Krallen auf Autobahnauffahrten vorlegen.

Der Karlsruher Verkehrsexperte Rolf Roos warnte bereits im November vor einem Aktionismus gegen Geisterfahrer. Der Sinn von zusätzlichen Schildern und Pfeilen sei fraglich. "Wer aus Unachtsamkeit die falsche Abzweigung nimmt, oder weil er gerade eine SMS schreibt oder anderweitig im Nebel stochert, der ist nicht aufzuhalten." Nach Ansicht des Auto- und Reiseclubs Deutschland (ARCD) sind Fahrer, die zu Geisterfahrern werden, in der Regel orientierungslos, weil sie gestresst sind oder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stehen.

Sobald Autofahrer merken, dass sie in der falschen Richtung unterwegs sind, sollen sie nach der Empfehlung des ARCD das Auto am Rand abstellen und keinesfalls die Fahrbahn queren. Der ADAC empfiehlt bei Warnungen vor Falschfahrern, sich rechts zu halten und das Tempo zu drosseln. "Wer die Möglichkeit hat, auf einen Parkplatz zu fahren, geht den sichersten Weg."

(dapd/dpa/sei)
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