01.01.13

Krimi-Kolumne

Ballauf und Schenk in einer unsauberen Branche

Regisseur Andreas Herzog setzt mit guten Einfällen seinen ersten "Tatort" für die ARD in Szene. Max Ballauf und Freddy Schenk müssen den Mord an dem Chef einer Reinigungsfirma aufklären.

Foto: WDR/Uwe Stratmann
Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in einer Reinigungsfirma

Wir sehen zwei Katzen, eine schwarze, eine weiße. Sie streifen durch eine klinisch saubere Wohnung. Es ist Nacht, irgendwann taucht ihr Herrchen auf. Er muss Geld holen fürs Pokerspiel, und für die Tiere schneidet er noch rasch ein paar Innereien auf. Er hört ein Geräusch, mit dem Messer in der Hand verschwindet er im Nebenraum. Dann vergeht Zeit.

Wir sehen die Schatten des Tages über die Küchenzeile wandern, wir sehen die plötzlich zerfetzte Küchenrolle, die Splitter der umgeworfenen Vase, das verstreute Trockenfutter und die aus dem Regal gestoßenen Dosen: Wir sehen einen Raum, verwüstet von zwei Katzen, deren Herrchen nicht mehr lebt.

Regisseur Andreas Herzog setzt mit guten Einfällen wie diesem seinen ersten "Tatort" in Szene. Man muss ihn zu den besseren der letzten Zeit zählen. Dies nicht nur wegen einer zurückhaltenden und dennoch ungewöhnlichen Kameraführung und sehr guter Musik (Schmidt), sondern auch wegen einer klug verästelten Handlung. Sie beginnt mit einem eigentlich abgedroschenen Motiv deutscher Kriminalunterhaltung, dem Mord in gutem Hause, in einer Villa irgendwo in bester Kölner Lage.

Keine Aufenthaltsgenehmigung

Ingo Broich ist erstochen worden, der Geschäftsführer einer Reinigungsfirma. Staatsanwalt Wolfgang von Prinz (Christian Tasche) ist nicht nur sein Nachbar, sondern muss auch feststellen, dass ausgerechnet seine Frau, die eiskalte Beate von Prinz, enge Geschäftsbeziehungen zum Vater des Mordopfers unterhielt. Der sitzt seit seinem Schlaganfall verbittert im Rollstuhl und hat kaum noch ein gutes Wort für die Welt übrig.

Die Angestellten seiner Reinigungsfirma sorgen sich derweil um ihre Zukunft, sind sie doch fast alle illegal im Land und auf eine Aufenthaltsgenehmigung aus. So lange gibt es für sie, wie eine der Putzfrauen trocken bemerkt, nur drei Optionen: "Putzen, Puff oder ein deutscher Mann." "Dann wohl am besten putzen", sagt Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), der mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) die Ermittlungen führt. Einer der wenigen heiteren Momente in einer sonst sehr traurigen, guten Geschichte.

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