27.12.12

Kopfschmerzen

Was gegen den Kater nach der Silvesterparty hilft

Übelkeit, Schwindel, dröhnende Kopfschmerzen: Nach dem Fest kommt für viele die Ernüchterung in Form eines fiesen Katers. Mit ein paar Tricks lassen sich die Auswirkungen jedoch deutlich abmildern.

Foto: pa

Auf die Sause folgt der Kater: Direkt nach der Silvesterparty kommt für viele schon die erste Belastungsprobe des neuen Jahres
Auf die Sause folgt der Kater: Direkt nach der Silvesterparty kommt für viele schon die erste Belastungsprobe des neuen Jahres

Euphorie und Niedergeschlagenheit liegen oft nah beieinander. Das gilt vor allem fürs Trinken: Nach dem Rausch kommt der Schwindel und am Morgen der Kater. Mit ein paar Tipps lassen sich die Auswirkungen zum Beispiel nach der Silvesterparty aber zumindest abmildern.

Im Grunde weiß jeder Mensch, dass Alkohol nicht gesund für den Körper ist. Andererseits gibt es nur wenige, die einen gelegentlichen Umtrunk konsequent ablehnen. Und selbst wer kaum Alkohol konsumiert, trinkt vielleicht ein- oder zweimal im Jahr trotzdem einen über den Durst.

Doch am nächsten Morgen wartet häufig ein fieser Kater. Wer es nicht völlig übertreibt, kommt trotz Alkoholgenuss aber auch ohne üble Nachwirkungen durch den nächsten Tag.

Die Symptome eines Katers – Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung – beruhen auf einem Flüssigkeitsmangel. Die Abbauprodukte des Alkohols fördern das Ausscheiden von Wasser über die Niere, wie Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn erklärt. "Mit dem Wasser verliert der Körper auch Elektrolyte." Das sind etwa die Mineralstoffe Kalium, Natrium, Magnesium und Kalzium. Durch diesen Mangel dröhnt der Schädel.

Vorsicht bei Fuselalkohol

Aber auch Fuselalkohole können zu Kopfschmerzen führen. "Man findet sie gelegentlich in Obstbränden, bei denen ganze Früchte mit Schale destilliert werden", erläutert die Diplom-Oecotrophologin. Dabei entstünden unerwünschte Begleitalkohole wie Methanol. Auch Hochprozentiges wie Brandy, Whisky oder Rum kann diverse Begleitstoffe enthalten, die Kopfschmerzen auslösen.

Manche versprechen sich einen leichteren Rausch, wenn sie vor dem Trinken eine Grundlage schaffen. Keller empfiehlt: "Am besten etwas Fettreiches, das den Magen füllt und die Alkoholaufnahme verzögert." Bei leerem Magen gelangten Bier, Wein und Schnaps direkt in den Dünndarm, wo der Körper den Alkohol ohne Verzögerung aufnimmt.

Fettreiches Essen gegen Trunkenheit

Kein Essen könne aber verhindern, dass der Alkohol überhaupt aufgenommen wird, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Ina Bergheim von der Universität Hohenheim. Fettreiches Essen helfe nur, nicht so schnell betrunken zu werden. "Das Gefühl der Trunkenheit ist nicht so stark." Am Ende des Tages sei der Promillewert aber nicht wesentlich anders. "Ein bisschen wird abgeatmet, aber hauptsächlich muss die Leber den Alkohol abbauen."

Der wichtigste Tipp zur Katerprävention lautet nach Ansicht der Experten immer noch: genug Wasser trinken. "Und den Durst nicht mit alkoholischen Getränken löschen", rät Keller. "Partys dauern gewöhnlich mehr als ein oder zwei Stunden." Deshalb sollten Gäste immer wieder etwas Alkoholfreies zwischendurch trinken. "Damit mache ich es dem Alkohol ein bisschen schwieriger."

Reihenfolge der Getränke spielt keine Rolle

"Bier auf Wein – das lass" sein" – an diesem Spruch aus dem Volksmund ist nichts dran. "Die Reihenfolge der Getränke spielt keine Rolle dafür, wie viele Kopfschmerzen man hat", sagt Bergheim. "Manche Menschen vertragen bestimmte Alkoholika einfach nicht."

Die Art der Alkoholika und ihre Temperatur haben aber durchaus einen Einfluss auf den Rausch. "Grog, Glühwein, Likör, Sekt oder andere alkoholische Getränke mit Kohlensäure oder viel Zucker können schnell Magenschmerzen oder Übelkeit erzeugen", sagt Urte Brink, Ernährungsberaterin und Mitglied im Verband der Oecotrophologen (VDOE). Diese Getränke regen die Durchblutung der Magenschleimhaut an und sorgen dafür, dass der Alkohol noch schneller ins Blut übergeht.

Trinktempo ist entscheidend

Ganz entscheidend sind die Menge und das Trinktempo. "Drei Bier in einer Stunde oder in drei Stunden – das macht viel aus", sagt Keller. Der Rausch sei entsprechend heftiger. Einen großen Einfluss habe auch der Faktor Gewöhnung: "Es gibt Personen, die nach einem Sekt beschwipst sind, andere vertragen große Mengen Alkohol, ohne dass man etwas merkt." Auch das Körpergewicht und das Geschlecht machen Unterschiede. Frauen bauen Alkohol langsamer ab als Männer.

Lässt sich der Kater im Eifer der Feier nicht ganz verhindern, gibt es immerhin Rezepte, um ihn am nächsten Tag schnell wieder loszuwerden. "Nach der Party sollte ich schnell das Flüssigkeits- und Elektrolytdefizit begleichen", rät Keller. Das heißt: viel Wasser trinken. "Viele haben Hunger auf etwas Herzhaftes, diesem Drang darf man gerne nachgehen."

Es muss nicht unbedingt Rollmops sein

Früher galt Rollmops als Rezept gegen den Kater. "Aber es tut auch ein mediterraner Brunch mit eingelegten Oliven und Feta." Neben Salz fehlten Kalium, Kalzium und Magnesium. "Deshalb sollte das Essen vollwertig sein: ein bisschen Obst, Milch, Brot, ein Saft oder eine kalte Gemüsebrühe."

Zusätzlich ein Medikament zu nehmen, hält Ina Bergheim für keine gute Idee. "Manche Präparate wirken auf die Leber, die ja ohnehin schon angegriffen ist." Es mache natürlich Sinn, den Tag nach der Feier ruhiger anzugehen – und wenn möglich, wichtige Termine schon vorher zu verschieben, sagt Keller. "Manche kriegen durch einen Spaziergang wieder einen klaren Kopf, andere bleiben den ganzen Tag im Bett. Da sollte man das tun, was einem gut tut."

Quelle: dpa/oc
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Alkoholkonsum in Deutschland
  • Durchschnittlicher Konsum

    Jedes Jahr trinkt jeder Deutsche im Schnitt 10 Liter reinen Alkohol. Das entspricht etwa 200 Liter Bier, 90 Liter Wein oder 25 Litern Whisky.

  • Riskanter Konsum

    Frauen sollten nicht mehr als zwei Gläser Wein pro Tag trinken, Männer nicht mehr als drei. Etwa 9,5 Millionen Deutsche trinken mehr als empfohlen.

  • Alkoholabhängigkeit

    Die Merkmale einer Abhängigkeit sind: Drängendes Verlangen nach Alkohol, verminderte Kontrollfähigkeit des Konsums, körperliche Entzugserscheinungen bei Abstinenz, Toleranzentwicklung, Vernachlässigung von Familie, Freunden und Interessen, anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen. 1,3 Millionen Deutsche erfüllen mindestens drei dieser Kriterien und sind damit alkoholabhängig.

  • Behandlung

    Meist suchen Betroffene erst viel zu spät nach Hilfe. 10 bis 15 Jahre kann es dauern, bis sie das erste Mal einen Entzug versuchen. Wer soviel Zeit verstreichen lässt, mindert nicht nur seine Chancen auf eine dauerhafte Abstinenz. Er riskiert auch schwerwiegende Organschäden, die aus den langfristigen Alkoholmissbrauch resultieren.

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