26.12.12

Frühlingswetter

Nach den Rekordwerten bleibt es vorerst mild in Berlin

Nach den Frühlingstemperaturen an Weihnachten kühlt es zwar wieder ab. Richtig winterlich wird es in Berlin aber vorerst nur in der Nacht.

Foto: Reto Klar

Vor dem Reichstag, wo vor wenigen Tagen noch Schnee lag, spielt ein junger Mann Frisbee – in kurzen Hosen.
Vor dem Reichstag, wo vor wenigen Tagen noch Schnee lag, spielt ein junger Mann Frisbee – in kurzen Hosen.

Nach Rekordwerten und frühlingshaften Temperaturen an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag hat es sich zumindest in Süddeutschland am zweiten Feiertag deutlich abgekühlt. In München wurden Mittwochmittag acht Grad gemessen, auf maximal elf Grad sollte das Thermometer im Laufe des Tages noch klettern, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes sagte.

Rekord in Berlin

In Berlin war es am ersten Weihnachtstag so warm wie nie zuvor an einem 25. Dezember: 12,7 Grad wurden in der Wetterstation am Flughafen Tempelhof gemessen, so der Deutsche Wetterdienst. Auch in den kommenden Tagen ist es mild. Höchstens in der Nacht wird es winterliche Temperaturen in der Hauptstadt geben.

In der bayerischen Landeshauptstadt war an Heiligabend mit 20,7 Grad der inoffizielle Allzeit-Höchstwert für diesen Tag in Deutschland gemessen worden. Allerdings handelte es sich nicht um eine Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sondern um einen von der Ludwig-Maximilians-Universität gemessenen Wert. Der DWD stellte an Heiligabend in seiner Station im Olympiapark einen Wert von "nur" 16,2 Grad fest, einen Tag später erreichte das Thermometer 16,1 Grad. Daher heißt der neue offizielle Rekordhalter bei den Weihnachtstemperaturen Freiburg. Im Breisgau maßen die Meteorologen am 24. Dezember 18,9 Grad. Am ersten Weihnachtsfeiertag war es noch 15 Grad warm. Der vor fast 30 Jahren in Baden-Baden gemessene Rekord für den ersten Weihnachtsfeiertag wurde damit nicht gebrochen. Am 25. Dezember 1983 wurden dort 18,4 Grad erreicht.

Höchste Werte seit 200 Jahren

Dennoch ließen es sich vor allem die Bayern nicht nehmen, die angenehmen Temperaturen zu genießen. Einige wagemutige Jugendliche nahmen am Weihnachtstag sogar eine Abkühlung im Chiemsee. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kühlten die Temperaturen aber auch in Freiburg deutlich ab. Maximal zehn Grad sollten bei leichten Schauern noch erreicht werden. Noch interessanter als die Temperaturen in den Städten war nach Ansicht des DWD das Wetter an Heiligabend auf dem rund 50 Kilometer südwestlich von München gelegenen Hohenpeißenberg. Auf einer Höhe von 977 Metern über dem Meeresspiegel herrschten – abgesehen von einigen wenigen Stationen in Sizilien und Nordspanien – die höchsten Temperaturen Europas. Zudem wurde auf dem Hohenpeißenberg mit 16,8 Grad der höchste Wert an Heiligabend seit mehr als 200 Jahren gemessen.

Doch nicht nur in Süddeutschland wurden Rekorde geknackt. In der Hauptstadt war es am ersten Weihnachtstag so warm wie nie zuvor an einem 25. Dezember: 12,7 Grad seien gegen Mittag in der Wetterstation am Flughafen Tempelhof gemessen worden, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Das sei die höchste in Berlin gemessene Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1876. Indes hat sich die Hochwasserlage am Rhein in Nordrhein-Westfalen wegen des trockenen Wetters über die Weihnachtsfeiertage etwas entspannt. Am Mittwochvormittag sank der Pegel in Köln auf 7,47 Meter, wie die Hochwasserschutzzentrale mitteilte. Zum Vergleich: Dienstagvormittag hatte er noch 7,60 Meter betragen. Laut der Prognose dürfte Donnerstagfrüh der Wasserstand 7,35 bis 7,55 Meter betragen. Mit den angekündigten Regenfällen könnten am Donnerstag und Freitag die Wasserstände aber wieder steigen. Bei einem Stand von neun Metern fließt nach Angaben der Zentrale Wasser in die Kölner Altstadt. "Der Rhein ist ziemlich hoch, die Meldestufe I wird aber nicht überschritten", sagte ein Sprecher der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Oberwesel am Mittwoch auf Anfrage .

Wirklich besorgniserregend hingegen ist die Situation in Russland und Teilen Osteuropas. Seit Mitte Dezember starben allein in Russland durch eine extreme Kältewelle bereits mehr als 120 Menschen. In der Ukraine wurden mehr als 80 Todesopfer gezählt, in Polen fast 60. Die 128 registrierten Todesfälle seien auf Unterkühlung und Erfrierungen zurückzuführen, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag unter Berufung auf Ärzteangaben.

Schuld ist ein Luftstrom

Mehr als 1800 Kälteopfer seien wegen Erfrierungen medizinisch versorgt worden, allein 345 von ihnen an Heiligabend, darunter 14 Kinder. Etwa 900 Menschen lägen noch in Kliniken. In der Moskauer Region sanken die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad, im Osten Sibiriens wurde es sogar fast minus 60 Grad kalt. In zahlreichen Gegenden des Riesenreiches fielen die Temperaturen tagelang auf weit unter minus 30 Grad. Mehr als 250.000 Grundschüler hatten kältefrei. Medien zufolge herrschten in einigen Gebieten die härtesten Dezemberfröste seit 50 Jahren. Wegen eines defekten Heizkraftwerkes rief die südsibirische Teilrepublik Tuwa den Notstand aus.

Der Klimaphysiker Tim Palmer von der Universität Oxford führte die Wetterextreme auf den Jetstream der nördlichen Hemisphäre zurück, ein Luftstrom in sechs bis 15 Kilometer Höhe, dessen Schwankungen besonders stark sind. Dieser Jetstream bringt kalte Luft aus dem hohen Norden nach Russland und warme Luft in den Süden Frankreichs und die Nachbarländer. Ob dieses Phänomen Ausdruck des globalen Klimawandels sei, ist nach Palmers Auffassung derzeit noch nicht wissenschaftlich geklärt.

Quelle: BM
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