25.12.12

Extremwetter

Südeuropa badet, in Russland erfrieren Menschen

Weihnachten der Gegensätze, zumindest was das Wetter angeht. Während in Südeuropa die 20-Grad-Marke fällt, sterben Menschen in Russland den Kältetod. Sehr warm ist es auch hierzulande.

Foto: dpa

Schneechaos und strenger Frost in Russland und der Ukraine (l.), milde Temperaturen in Südeuropa. In Bayern gab es Mutige, die im Chiemsee badeten.

14 Bilder

Die schweren Dezemberfröste in Russland haben bisher mindestens 123 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 1700 Kälteopfer hätten medizinische Versorgung benötigt. Etwa 880 Menschen befänden sich noch in Kliniken, zitierte die Agentur Interfax am Dienstag Gesundheitskreise.

Allein am Vortag seien sieben Menschen in verschiedenen Regionen des Riesenreiches erfroren. Kritiker bemängeln, dass vor allem für Obdachlose kaum Notunterkünfte bereitstehen. In mehreren Gegenden herrschte weiter schwerer Frost weit unter minus 30 Grad. Für Moskau sagten Meteorologen allerdings einen deutlichen Temperaturanstieg voraus.

Heftige Schneefälle und Frost bis zu minus 15 Grad kosteten auch in der Ukraine über 80 Menschen das Leben. Die Hauptstadt Kiew ist extrem betroffen, die Straßen waren zum Teil unpassierbar.

Tödliche Kältewelle in Indien

Auch in Teilen Asiens ist es frostig. Mindestens 26 Menschen kamen bei einer Kältewelle in Nordindien am Sonntag und Montag ums Leben. Die meisten seien erfroren, andere bei Verkehrsunfällen aufgrund des sehr dichten Nebels gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur IANS.

Die Schulen und Hochschulen in Lucknow, der Hauptstadt des Bundesstaates Uttar Pradesh, bleiben demnach wegen der Kälte bis zum 5. Januar geschlossen. In der Hauptstadt Neu Delhi wurden wegen des Nebels mindestens 15 Flüge gestrichen, berichtete der staatliche TV-Sender Doordarshan National.

Fast schon Badewetter im Süden

In vielen Regionen Europas hingegen ist von winterlichen Weihnachten keine Spur. Im Süden Frankreichs und in Italien holten Urlauber und Einwohner Shorts und Badesachen heraus: In Biarritz an der französischen Atlantikküste wurde es am Sonntag 24,3 Grad warm, wie die Wetterbehörde erklärte. Das sind fast zwölf Grad mehr als die Durchschnittstemperatur zu dieser Jahreszeit. Im sizilianischen Catania waren 22 Grad vorhergesagt.

Offizieller Rekord in Freiburg

Auch Deutschland erlebt heiße Weihnachten. In der bayerischen Landeshauptstadt sind am Montag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 20,7 Grad Celsius gemessen worden. "Das ist der mit Abstand wärmste Heiligabend seit Beginn der Aufzeichnungen", sagte Meteorologe Jens Winninghoff.

Viele Münchner nutzten das gute Wetter, um noch Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Die Christkindlmärkte waren gut besucht. Viele Straßencafés und mehrere Biergärten hatten geöffnet.

Der DWD-Meteorologe betonte jedoch, dass es sich bei der Messstation an der Ludwig-Maximilians-Universität nicht um eine DWD-Einrichtung handele. Die offizielle DWD-Station am Olympiapark habe nur ein Maximum von 16,2 Grad verzeichnet, sagte Winninghoff. Dennoch schätze er den Wert von 20,7 Grad, der gegen 13 Uhr gemessen worden sei, als realistisch ein.

Der offizielle DWD-Messrekord lag in Freiburg in Baden-Württemberg. Dort wurden um die Mittagszeit 18,5 Grad gemessen.

Hochwasser bedroht Kölner Altstadt

Das warme, regnerische Wetter bereitet allerdings auch große Probleme. Nach ergiebigen Niederschlägen und Schneeschmelze am Wochenende führen viele Flüsse vor allem im Süden und Westen weiter Hochwasser. Am Rhein werde sich die Hochwasserlage in den kommenden Tagen weiter verschärfen, kündigte ein Sprecher der Kölner Hochwasserschutzzentrale an.

Für den ersten Weihnachtstag werde ein Pegel von über acht Metern erwartet. Am frühen Nachmittag lag der Kölner Pegel bei fast 7,50 Metern und stieg rund drei Zentimeter pro Stunde.

Erst ab einem Pegelstand von neun Metern fließe Wasser in die Kölner Altstadt, sagte der Sprecher. Zum Schutz seien bereits mobile Wände aufgestellt worden. Für die Schifffahrt ist bereits ab einem Wasserstand von 8,30 Metern Schluss. Das letzte größere Hochwasser gab es in Köln 2003 mit einem Pegel von 9,71 Metern. Das "Jahrhunderthochwasser" Weihnachten 1995 stieg bis zur Marke von 10,69 Metern.

Auch weiter flussabwärts stiegen am Montag die Pegel. In Düsseldorf kletterte der Wasserstand am Nachmittag auf fast 6,80 Meter. Die erste Hochwassermarke wird dort bei 7,10 Metern erreicht.

Pegel fallen wieder

In Bayern entspannt sich die Hochwasserlage langsam. Zwar seien an Main und Donau noch leicht steigende Wasserstände zu erwarten, an Regnitz und Fränkischer Saale fielen die Pegel aber wieder, teilte der Hochwassernachrichtendienst in Augsburg mit. Dennoch komme es in weiten Teilen Frankens weiter zu Überschwemmungen.

Auch in Rheinland-Pfalz hat sich die Lage teilweise entspannt. Am südlichen Oberrhein und an der Sieg seien die Wasserstände wieder gefallen, teilte das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht in Mainz mit.

Die Pegel im Einzugsgebiet der Mosel stagnierten derzeit und dürften über die Weihnachtsfeiertage ebenfalls leicht fallen. Am Mittel- und Niederrhein stiegen die Wasserstände den Angaben zufolge weiter an. Auf dem Rhein bei Maxau in Karlsruhe wurde wegen des Hochwassers die Schifffahrt eingestellt.

Skilifte im Harz abgestellt

Im Harz machen die milden Temperaturen den Wintersport nahezu unmöglich. Fast alle Betreiber hatten ihre Skilifte am Montag bereits abgestellt, wie der Harzer Tourismusverband auf seiner Internetseite berichtete.

Nach dem "ungewöhnlich warmen Heiligen Abend" zieht nach Angaben des DWD am ersten Weihnachtstag von Nordwesten ein Regengebiet mit zum Teil schauerartigen Niederschlägen südostwärts. Am Dienstag werden Temperaturen zwischen 8 und 13 Grad erwartet. Am zweiten Weihnachtstag rechnet der Wetterdienst mit Werten zwischen 5 und 10 Grad.

Die bisher höchste Temperatur an einem Heiligabend war nach offiziellen DWD-Angaben 1983 in Müllheim und Baden-Baden mit 17,8 Grad gemessen worden. Der flächendeckend wärmste Heilige Abend war 1977: Damals wurden an mehr als 100 Stationen über 15 Grad erzielt.

Quelle: dpa/dapd/wos
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Vatikan Papst feiert mit 150.000 Gläubigen Ostermesse
Murmansk Himmelskörper verursacht Lichtexplosion
In Feiertagsstimmung Miranda Kerr schmeißt sich ins Osterhäschen-Kostüm
Südkorea Geretteter Schulleiter bringt sich um
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandReligiositätDie Glaubensfrage spaltet die Deutschen
  2. 2. DeutschlandPkw-MautstreitAlbig fordert Gebühr für alle Autofahrer
  3. 3. DeutschlandKriminalitätDatenspeicherung bleibt für Schwarz-Rot ein Muss
  4. 4. WeltgeschehenGesunkene FähreFunkverkehr offenbart Panik auf Brücke der "Sewol"
  5. 5. PanoramaKreuzfahrtschiffeMega-Stürme, bei denen es gerade noch mal gut ging
mood_inklusion_300.jpg
Inklusionspreis Berlin…

Auszeichnung für Unternehmen, die vorbildlich für behinderte…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Mount Everest

Tote Sherpas und ehrgeizige Touristen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote