24.12.12

USA

Zahnarzthelferin gefeuert, weil sie zu sexy ist

Weil sie "unwiderstehlich attraktiv" sei und er seine Ehe retten müsse, hat ein Zahnarzt aus Iowa seine Mitarbeiterin entlassen. Ein Gericht hielt das für rechtens. Die Internetgemeinde ist erzürnt.

Zehn Jahre hat Melissa Nelson aus Iowa für ihren Chef als Zahnarzthelferin gearbeitet. Dann, von einem Tag auf den nächsten, wurde sie ohne Vorwarnung gefeuert – mit einer der seltsamsten Begründungen überhaupt: Die 32-Jährige sei "unwiderstehlich attraktiv" und um seine Ehe zu retten, habe ihr Chef keine andere Wahl habt.

"Ich war total überrascht", sagte die Zahnarzthelferin US-Medienberichten, nachdem sie mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit gegangen ist. "Nachdem wir so viele Jahre Seite an Seite gearbeitet haben, wäre mir so etwas nie in den Sinn gekommen", sagte Nelson. "Ich bin eine normale Frau, eine normale Mutter."

Die nach eigenen Worten "glücklich verheiratete Frau" zog wegen der Kündigung vor Gericht – und erlebte dort eine weitere Schlappe, wie jetzt bekannt wurde. Die ausschließlich männliche Jury sah in ihrem Fall keine Diskriminierung und damit auch keinen Grund dafür, dass die Kündigung wieder zurückgezogen werden müsste. Stattdessen bestätigte sie diese sogar – mit sieben zu null Gegenstimmen. Damit gilt die Kündigung also legal.

Sexuelle Belästigung durch SMS

Ein Urteil, dass Nelson an der Justiz zweifeln lässt: "Das ist nicht fair. Es ist eine Botschaft, dass Männer in der Arbeitswelt tun können, was sie wollen", kommentierte sie die Entscheidung in einem Telefon-Interview mit dem TV-Sender "CNN" unter Tränen.

Die Gegenseite gab sich dagegen zufrieden und behauptet, es handelte sich um einen Sieg für die Familienrechte in den Vereinigten Staaten: "Wir glauben, die Gerichtsentscheidung war richtig", zitiert "ABC" Stuart Cochrane, den Anwalt des Zahnarztes. Angeblich habe er Nelson nicht wegen ihres Geschlechts gekündigt, sondern wegen ihres Verhaltens am Arbeitsplatz.

Nelson ist sich keiner Schuld bewusst. Sie beteuert bei "CNN" erneut, sie habe niemals eine sexuelle Beziehung mit ihrem Chef gehabt und auch nie romantische Gefühle für ihn entwickelt. "Absolut nein", sagt sie auf die nachbohrende Frage des Moderators.

Ihr Arbeitgeber hätte das offenbar gerne anders gesehen.

Sexuelle Belästigung via SMS

Den Gerichtsunterlagen zufolge fing er nämlich ein halbes Jahr vor der Kündigung damit an, die Kleidung seiner langjährigen Mitarbeiterin zu kommentieren und ihr nach Dienstschluss SMS zu schicken. In einer fragte er Nelson sogar, wie viele Orgasmen sie schon erlebt habe – eigentlich ein Grund, um ihn wegen sexueller Belästigung anzuzeigen.

Nelson entschied sich aber, nicht zu antworten und ignorierte die SMS. Allerdings spionierte die Ehefrau ihres Chefs im Handy und fand diese Nachricht, woraufhin es zur Krise gekommen sei.

Nelsons Ehemann habe laut einem Bericht der "Daily Mail" nach der Kündigung noch versucht, zu vermitteln und ein Gespräch mit dem Zahnarzt gesucht. Dieser habe ihm dabei offen gestanden, er habe "Angst vor einer Affäre, wenn er Nelson nicht feuere." Inzwischen arbeitet die Zahnarzthelferin als Kellnerin.

Die Internetgemeinde reagierte empört auf das Urteil, die Nachricht verbreitete sich innerhalb weniger Stunden über die sozialen Netzwerke. Viele User verbreiteten mit bösartigen Kommentaren das Foto des Zahnarztes im Netz, um Gleichberechtigung zu schaffen, nachdem Nelsons Foto veröffentlicht worden war. "Das würde niemals einem Mann passieren!", schreibt zum Beispiel eine Twitter-Userin. Eine andere fragte: "In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Was für ein gruseliger Mann."

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