23.12.12

N24-Doku

Bildgewaltiges Denkmal für einen Öko-Terroristen

Er ist der umstrittenste und radikalste Öko-Aktivist unserer Tage: Der Sender N24 zeigt mit "Bekenntnisse eines Öko-Terroristen" eine Dokumentation über Paul Watson.

Von Alexander Jürgs
Foto: picture alliance / dpa

Paul Watson ist der Gründer der …

19 Bilder

Greenpeace war ihm zu harmlos, nicht radikal genug. Deswegen gründete Paul Watson seine eigene Umweltschutzorganisation, die Sea Shepherd Conservation Society. "Aggressive Gewaltfreiheit" hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Im Kampf um die Rechte der Meerestiere greift der Kanadier dabei zu rabiaten, nicht immer legalen Mitteln.

Mit seinen Booten rammt er Walfangschiffe, seine Aktivisten zerstören riesige Treibnetze, gegen illegal operierende Fischer setzen sie sich mit Buttersäure zur Wehr.

Und manchmal zündet Watson auch eine alte Schiffskanone, weil das so schöne, martialische Bilder gibt. Jedes Mittel ist ihm recht, solange dabei keine Menschen verletzt werden. Gerade wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht, weil Japan und Costa Rica seine Auslieferung gefordert haben.

Interpol jagt den Umweltaktivisten

Watson wurde im vergangenen Mai am Frankfurter Flughafen festgenommen, nach einigen Tagen aber gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Juli floh er dann aus Deutschland, seitdem wird er von Interpol verfolgt.

Beim Nachrichtensender N24 läuft nun ein Dokumentarfilm über Paul Watson: "Bekenntnisse eines Öko-Terroristen" wurde 2010 von Peter Brown produziert. Im Jahr darauf war er auch in Deutschland im Kino zu sehen. Jetzt zeigte N24 den Film zum ersten Mal im deutschen Fernsehen.

"Bekenntnisse eines Öko-Terroristen" ist weniger ein klassischer Dokumentarfilm als ein parteiisches Essay über den Öko-Piraten Watson, macht daraus aber auch nie ein Geheimnis. Der Regisseur Peter Brown ist selbst einer der Aktivisten der Sea Shepherd Conservation Society.

Als Kameramann der NBC lernte er Watson und seine Gruppe Anfang der Achtzigerjahre kennen – und wechselte schon bald die Seiten vom Reporter zum Aktivisten. Über Jahre dokumentierte er die Aktionen der Umweltschutzgruppe. Aus diesem Material ist sein Film entstanden.

Es sind starke, gewaltige Bilder, die Brown gesammelt hat. Bilder von riesigen Fischschwärmen, von mächtigen Walen, von alten Kähnen, die in den Wellen hin und her wiegen. Und es gibt brutale Bilder, von den Robbenjägern bei Neufundland etwa, die unaufhörlich auf die Tiere einschlagen, bis das Eis sich vor lauter Blut tiefrot färbt.

"Auch der Kannibalismus war lange Tradition"

Ein unerträgliches Schauspiel ist auch die Jagd von Grindwalen an der Küste der Färöer-Inseln. Die Tiere werden von Booten in eine Bucht gejagt. Dort stürzen sich dann die Bewohner ins Wasser und erschlagen die Tiere. Hier ist es das Meereswasser, das sich blutrot färbt.

Peter Brown fragt die Menschen nach den Beweggründen für die archaische Jagd. Weil es Tradition ist, sagen sie. Ein namentlich nicht genannter Aktivist kommentiert das so: "Lange Zeit war auch der Kannibalismus eine Tradition."

Moralinsaure Kommentare hört man bei Peter Brown eigentlich nicht. Er ist keiner, der ständig den Zeigefinger erhebt. Seine Mittel sind Sarkasmus, Ironie und Humor. Er lästert über die "Öko-Touristen", die zum Robbenstreicheln nach Neufundland reisen, oder über den rigiden Veganismus seiner Mitaktivisten. In einer Szene sieht man Paul Watson, wie er von Bord eines seiner Schiffe mit Fischfängern in einem Kutter spricht. "Wie der Papst auf seinem Balkon", beschreibt ihn Brown.

Diese ironische Distanz ist erfrischend und sorgt dafür, dass der Film nicht zum Agit-Prop-Streifen verkommt. Manchmal ist Browns Humor aber auch etwas anstrengend, weil viele der Anekdoten und Witze sich sehr stark ähneln.

Die Methode Watson

Was dem Filmemacher gelingt, ist, die Stimmung und Atmosphäre an Bord einzufangen. Man sieht gestresste Aktivisten in brenzligen Situationen. Man sieht aber auch gut gelaunte Menschen, die ihre Mission mit viel Spaß und Humor betreiben. Und man sieht immer wieder Watson, den Mann mit unendlich viel Charisma, der ganz genau weiß, wie er mit den mitreisenden Journalisten umgehen muss, um genau die Bilder zu bekommen, die er für seinen Kampf braucht.

"Die Medienleute bei Laune halten" – das ist die Methode Watson. Seine Gegner lockt er immer wieder in Fallen. Wenn sie ihn dann unter Blitzlichtgewitter verhaften lassen, wenn sie seine Aktivisten tätlich angreifen, dann weiß Watson, dass er die Schlacht um die Bilder mal wieder gewonnen hat.

Während der Proteste gegen die Grindwaljagd auf den Färöer-Inseln nähert sich ein Polizeiboot dem Schiff von Watson. Der Aktivist spricht mit den Beamten, provoziert sie. Doch die Polizisten lassen sich nicht auf Watsons Spiel ein, drehen mit ihrem Boot ab.

"Ein taktischer Flop", kommentiert Peter Brown. Hätte die Beamten versucht, das Schiff zu stürmen, dann wäre das im Sinne von Peter Watson ein viel größerer Erfolg gewesen.

Vor vielen Jahren hat der Öko-Aktivist in Kanada Kommunikationswissenschaften studiert – in seinem Kampf gegen die Ausbeutung der Meere zehrt er noch heute davon. Peter Brown hat ihm mit seiner Dokumentation nun ein spannendes, bildgewaltiges Denkmal gesetzt. Zur Ruhe setzen wird sich der heute 62-jährige Watson deshalb noch lange nicht.

"Bekenntnisse eines Öko-Terroristen", N24, Sonntag, 23.12, 22.15 Uhr

Quelle: Reuters
05.07.12 1:47 min.
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