23.12.12

Indien

Mann bei Demo gegen sexuelle Übergriffe getötet

Die Vergewaltigung einer 23-Jährigen in einem Bus schockiert Indien. Seit Tagen kommt es zu Ausschreitungen, die Demonstranten fordern die Todesstrafe für die Täter. Jetzt starb ein Reporter.

Foto: dapd

In Indien kommt es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten, die die Todesstrafe für Vergewaltiger fordern
In Indien kommt es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten, die die Todesstrafe für Vergewaltiger fordern

Im Nordosten Indiens ist ein TV-Journalist bei einer Protestkundgebung erschossen worden, die sich gegen den sexuellen Übergriff auf eine Medizinstudentin richtete. Der 36-Jährige sei gestorben, nachdem die Polizei das Feuer während der Demonstration in Imphal im Bundesstaat Manipur eröffnet habe, sagte ein Polizeisprecher. Die näheren Umstände waren zunächst unklar. Die Regierung kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

Seit Tagen kommt es in Indien immer wieder zu Ausschreitungen bei Demonstrationen, nachdem eine 23-Jährige von sechs Männern vergewaltigt worden war. Die Medizinstudentin hatte mit einem Freund an einer Haltestelle gewartet. Statt in einen öffentlichen stiegen sie zu den sechs Männern in einen privaten "Schulbus" ein, der eigentlich nicht im Einsatz war, wie die Ermittler mitteilten.

Während der Bus durch die Süden der Stadt kurvte, sei die Frau missbraucht und ihr Freund bei dem Versuch, dem Opfer zu helfen, zusammengeschlagen worden. Schließlich seien die beiden wieder hinausgeworfen worden. Andere Passagiere waren demnach nicht an Bord.

Demonstranten fordern Todesstrafe

In Neu-Delhi gingen nach diesem Vorfall bereits Tausende Inder auf die Straße, weil dies nicht der erste Fall einer Massenvergewaltigung in dem Land ist. Allein in diesem Jahr wurden nach Polizeiangaben 661 Fälle in der indischen Hauptstadt gemeldet. "Eine Stadt schämt sich", titelte auch die Zeitung "Times of India".

So wurde kurz nach der Vergewaltigung der 23-Jährigen in Bihar die Leiche einer misshandelten Zehnjährigen aus einem Kanal gefischt, und eine 14-Jährige war nach abscheulichen Übergriffen noch in kritischem Zustand.

"Wir fordern die Todesstrafe für die Vergewaltiger, damit so etwas nie wieder passiert", sagte eine junge Demonstrantin dem Nachrichtensender NDTV. Vier der sechs Täter wurden inzwischen zwar festgenommen, nach den übrigen zweien wird mit Hochdruck gefahndet. Vergewaltiger müssen in Indien lebenslang hinter Gitter, wenn sie die Höchststrafe bekommen.

"Wir haben Angst, unsere Töchter aus dem Haus zu lassen", sagte die Lehrerin Savita Rao. Wie die anderen Demonstranten appellierte auch sie an die Politiker, die Stadt sicherer zu machen. "Es ist krank, was in diesem Land passiert. Es ist absolut krank und muss aufhören!", fordert eine andere Frau.

Täter wurden festgenommen

Wegen der immer wieder aufflammenden Proteste hat die Polizei inzwischen für das Zentrum Neu-Delhis ein Demonstrationsverbot verhängt. Trotzdem versuchen die Protestierenden, die Absperrungen zu durchbrechen. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die aufgebrachte Menge vor. Mindestens ein Dutzend Menschen wurde verletzt, hieß es. Unter den Demonstranten seien viele Studenten gewesen.

Im Parlament zeigten sich Abgeordnete in beiden Häusern so entsetzt, dass sie die Arbeit niederlegten und fast den ganzen Tag über den Vorfall diskutierten. "Wir brauchen schärfere Gesetze, um Vergewaltigungen zu stoppen", sagte Sushma Swaraj, die Chefin der wichtigsten Oppositionspartei.

Der indische Innenminister kündigte inzwischen neue Schritte der Regierung zum Schutz von Frauen im Land an. Außerdem will sich die Regierung damit auseinandersetzen, ob für sie die Todesstrafe bei einer Verurteilung der Männer infrage käme. Seit 2002 wurden in Indien nur zwei Hinrichtungen vollzogen.

Quelle: dpa/dapd/AFP/kami
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