23.12.12

Großbritannien

"One Pound Fish" katapultiert Fischverkäufer in die Charts

Muhammed Shahid Nazir preiste seine Ware in London so gut an, dass er im Internet ein Star wurde. Ein Plattenlabel wurde aufmerksam.

Foto: AFP

Die Mutter von Muhammed Shahid Nazir sieht sich in Pakistan das Video zu „One Pound Fish“ an
Die Mutter von Muhammed Shahid Nazir sieht sich in Pakistan das Video zu "One Pound Fish" an

Dies ist die Geschichte eines Pakistaners, der davon träumte, im Westen sein Glück zu machen. Ursprünglich nach London gekommen, um Betriebswirtschaft zu studieren, arbeitete er schon bald als Fischhändler auf einem Markt im Osten der Stadt.

Weil er seine Ware nicht schreiend anpreisen wollte, erfand er ein Lied, um seinen Fisch zu verkaufen. Jugendliche filmten den "One Pound Fish Song", stellten den Clip ins Internet und machten den 31-Jährigen in wenigen Tagen berühmt. Inzwischen ist Muhammed Shahid Nazir bei einem der größten Plattenlabels der Welt unter Vertrag.

"Kommen Sie, meine Damen, kommen Sie, ein Fisch ein Pfund," trällerte Nazir auf dem Queens Market im Upton Park im Londoner Osten. "Sehr sehr guter Ein-Pfund-Fisch, sehr sehr billiger Ein-Pfund-Fisch." Die Kunden blieben vor seinem Stand stehen. Zwar kauften sie nicht mehr Fisch ein, doch waren sie von dem Ohrwurm begeistert.

Nachdem Jugendliche das Liedchen mit eingängiger Melodie im Videoportal YouTube hochgeladen hatten, verbreitete es sich rasend schnell im Internet. Inzwischen wurde der "One Pound Fish Song" mehr als sechs Millionen Mal angeklickt.

Das rief Warner Music auf den Plan. Am 10. Dezember 2012 kam eine professionell aufgestylte Version heraus, in der Nazir nach Bollywood-Art in schickem Anzug zwischen knapp bekleideten Schönheiten herumtanzt. Innerhalb von Tagen schoss die Version in die britischen Charts, inzwischen kommt sie auf mehr als zwei Millionen Klicks. Im Kurznachrichtendienst Twitter hat Nazir inzwischen fast 28.000 Follower.



Innenministerium hat den Einwanderer im Visier

Ob Nazir es tatsächlich vom Fischhändler zum Millionär schafft, hängt nicht zuletzt von den britischen Behörden ab. Nach einem Bericht der Wochenzeitung "The Sunday Times" hat nämlich nun das britische Innenministerium den Einwanderer im Visier. Schließlich reiste Nazir mit einem Studentenvisum ein, arbeitete aber bald darauf als Markthändler.

Nazir kommt aus Pattoki, einer kleinen Stadt 234 Kilometer südlich der Hauptstadt Islamabad. Dort verließ er vor fast einem Jahr sein gutsituiertes Elternhaus, Frau und vier Kinder, um in London zu studieren.

Sein Vater sei dagegen gewesen, als sein mittlerer Sohn nach England ging, sagt Mutter Kalsoom. Inzwischen sei er "sehr glücklich" über die Ereignisse. "Ich appelliere an die Menschen in Pakistan und im Ausland, sein Lied so oft wie möglich anzuklicken", betont die 67-Jährige. "Ich faste und spreche besondere Gebete für meinen Sohn."

In Pakistan ist das YouTube-Video gar nicht abrufbar

Nazirs Familie, Einwanderer aus Indien, führen ein Unternehmen in Pattoki. Bei den Einwohnern der Stadt sind sie inzwischen als die "One Pound Fish"-Familie bekannt. Viele kommen, um sich das Lied auf CD oder USB-Stick zu laden.

"Wir haben uns nie vorstellen können, dass mein Mann so beliebt wird", sagt Nazirs Frau Kashifa. "Unsere Kinder und ich vermissen ihn sehr und wollen nach London reisen, um diese glücklichen Momente zusammen zu erleben." Doch dafür braucht die Familie ein Visum.

Ob sie eifersüchtig sei, wenn ihr Mann im Video mit halbnackten Mädchen tanzt? "Ich habe kein Problem damit. Es war eine Vorgabe für das Video." In Pakistan ist das YouTube-Video gar nicht abrufbar: Im September sperrte die Regierung als Reaktion auf den islamfeindlichen Film "Die Unschuld der Muslime" den Zugang zu dem Portal.

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