22.12.12

Jahrhundertkälte

Russland friert bei minus 60 Grad

So kalt war es im Dezember in Russland seit 50 Jahren nicht mehr. In Sibirien frieren die Menschen bei minus 60 Grad, Dutzende erfrieren.

Foto: AFP

Die Moskauer sind Kälte gewohnt. Doch in diesem Dezember fror es so sehr wie seit 50 Jahren nicht mehr
Die Moskauer sind Kälte gewohnt. Doch in diesem Dezember fror es so sehr wie seit 50 Jahren nicht mehr

Beißende Kälte, Dutzende Tote, Chaos im Verkehr: Die heftigsten Dezemberfröste seit 50 Jahren legen Russland lahm. In Sibirien rät der Zivilschutz von längeren Autofahrten ab – zu groß ist das Risiko, beim Warten auf den Pannendienst in dem dünn besiedelten Gebiet zu erfrieren.

Fast täglich warnen Ärzte auch in Moskau vor Gesundheitsproblemen: Kinder unter drei Jahren sollten bei Temperaturen ab minus 20 Grad nicht mehr aus dem Haus. Selbst die an Eiseskälte gewöhnten Russen stöhnen über einen Jahrhundert-Winter.

Am meisten zittern die Menschen in der riesigen Teilrepublik Sacha in Sibirien. Dort sinkt die Temperatur in diesen Tagen örtlich auf bis zu minus 57 Grad. Im äußersten Nordosten des Riesenreiches, in der Stadt Anadyr, verkürzen Geschäfte ihre Öffnungszeiten drastisch.

Frauen werden auf Staatskosten nach Hause gefahren

Frauen werden auf Staatskosten von der Arbeit nach Hause gefahren, um längere Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Wer schnell in den Supermarkt springt, lässt den Motor wie selbstverständlich laufen – der Wagen würde sonst nicht wieder anspringen.

Schuld an der Eiseskälte östlich der natürlichen Wetterbarriere, dem Ural-Gebirge, ist nach Angaben des staatlichen Wetteramtes ein kräftiges Tief über dem Norden der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka in Verbindung mit Ausläufern eines Hochdruckgebiets über Sibirien. Da sich dabei keine Wolken bilden, kühlt sich die Luft bis in niedrige Schichten extrem ab. Ein weiteres Hoch blockiert wärmere Luft. Eine solche Kombination habe es zuletzt 1938 gegeben, sagen Meteorologen.

Schon mehr als 80 Frost-Tote in der Ukraine

Das führt nun dazu, dass die Temperatur etwa im südsibirischen Gebiet Altai bis zu 25 Grad unter dem Dezemberdurchschnitt liegt. Nicht nur fällt in dortigen Schulen der Unterricht aus – kältefrei! In der Teilrepublik Tuwa an der Grenze zur Mongolei rufen die Behörden sogar den Notstand aus, um mehr Arbeitskräfte im Kampf gegen brechende Stromleitungen und schneeverwehte Straßen einzusetzen.

Das frostige Wetter hat schon viele Opfer gefordert. 56 Kältetote gibt es nach offiziellen Angaben, Hunderte liegen mit schweren Erfrierungen in Kliniken. Mit flaschenweise Wodka wärmen sich nicht nur Obdachlose auf – und erfrieren dann im Schlaf. Nach Ansicht von Experten liegt die Dunkelziffer deutlich höher.

Hinzu kommt: Jeden Tag sterben Dutzende Menschen an Kohlenmonoxidvergiftungen oder bei Gasexplosion, weil sie sich an maroden Öfen oder offenen Feuern wärmen wollen. Meist wurden Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten.

Auch das Nachbarland Ukraine jammert über "General Winter". Dort erfroren nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang mindestens 83 Menschen. In vielen Regionen des zweitgrößten Flächenlandes Europas verursachten starke Schneefälle und Glatteis seit Tagen zahlreiche Unfälle und Chaos auf den Straßen.

Doch während das Winterwetter in der kommenden Woche auch nach Westen zieht, gibt es zumindest für die Millionen bibbernden Moskauer erst einmal Entwarnung. In der Hauptstadt sollen die Temperaturen zu den Neujahrsfeiern auf ungewöhnlich milde Höhen klettern.

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