22.12.12

Natalia Wörner

"Ich brauche ein Stück totale Freiheit"

Im Zweiteiler "Rosamunde Pilcher: Die andere Frau" spielt Natalia Wörner (45) eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes dessen Doppelleben entdeckt. Was Sie selbst über den Verrat in der Liebe denkt.

Foto: picture alliance / dpa

TV-Star Natalia Wörner in einer Drehpause zum ZDF-Fernsehfilm "Unter anderen Umständen - Spiel mit dem Feuer". Darin spielt sie die Kommissarin Jana Winter, die in ihrem siebten Fall in der Sado Maso-Szene ermittelt.

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Berliner Morgenpost: Frau Wörner, Sie spielen zum ersten Mal in dem internationalen Rosamunde-Pilcher-Zweiteiler mit. Was hat Sie daran gereizt?

Natalia Wörner: Die Rolle. Die Partner. Und natürlich die Aufgabe, auf Englisch zu drehen. Vor allem aber hat mich die Reise dieser Frau interessiert, der alles wegbricht und die plötzlich mit einer großen Lebenslüge konfrontiert wird. Die versuchen muss, aus einem schwankenden Schiff wieder eine Burg zu machen. Es gibt in vielen Frauenleben, die ich kenne, gewisse Parallelen. Das fand ich reizvoll – und so kam ich dazu, in der traumhaften Naturkulisse Südenglands zu drehen.

Berliner Morgenpost: Sie leben ebenfalls außerhalb …

Wörner: Das denken alle. Aber nein, ich lebe in Berlin und besitze einen Bauernhof abseits der Stadt. Ich bin also mit meinem Sohn nur an den Wochenenden und in den Ferien nicht in der Stadt, sonst hier. Unser Alltag ist ein Berliner Alltag.

Berliner Morgenpost: Brauchen Sie das – als Gegengewicht zu all dem Glamour Ihrer Branche?

Wörner: Ja, ich mag nicht mehr in ein Hotel gehen und morgens verschlafen ein Frühstücksei aufklopfen. Ich brauche ein Stück totale Freiheit. Das ist eher ein anarchisches Prinzip bei mir. Der Bauernhof ist nicht luxuriös, er ist eher genau das Gegenteil. Wobei es eben für mich den absoluten Luxus darstellt, denn es ist sehr still, sehr frei und sehr isoliert. Ich kann mit den Menschen, die mir lieb sind, tun und lassen, was ich möchte. Mein Sohn liebt es dort.

Berliner Morgenpost: Ihre Figur erlebt einen totalen Verrat. Ist Ihnen Ähnliches widerfahren?

Wörner: Nein, um Gottes Willen, das wünsche ich niemandem. Aber im Laufe meiner Recherche habe ich erstaunlich viele vergleichbare Situationen mitbekommen, die Frauen durchlebt haben. Also etwas, das über den harmlosen Betrugsfall – Mann betrügt Frau und andersherum – hinausgeht. Diese Form des Betrugs gehört für mich fast zum Erwachsenwerden dazu. Denn ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der das nicht schon durchgemacht hat, in die eine oder andere Richtung.

Berliner Morgenpost: Würden Sie sich selbst als einen misstrauischen Menschen beschreiben?

Wörner: Nein, ich bin offen – und schaue dennoch genau hin. Die Offenheit kann daher also eine vorsichtige sein, trotzdem überschätze ich die Menschen häufig. Der wichtigste Maßstab im Miteinander ist für mich Authentizität. Ich finde es sympathisch, wenn jemand so ist, wie er ist. Ohne Kapital daraus zu schlagen.

Berliner Morgenpost: Im Film muss Ihre Figur einen kompletten Neuanfang wagen, wozu viel Mut gehört. Würden Sie genauso handeln?

Wörner: Nun ja, auch in meinem Leben gibt es eine Ehe, eine Scheidung, ein Kind. Und klar, als Mutter hat man ein Verantwortungsgefühl, das allumfassend ist. Gescheiterte Beziehungen gehören leider zu unserer Realität – und in 80 Prozent der Fälle sind es die Frauen, die ihre Kinder großziehen. Das ist nicht immer leicht, es sind enorme Pakete, die die Frauen da tragen. Mir wird es manchmal zu wenig gewürdigt, was Frauen so alles hinbekommen.

Berliner Morgenpost: Sie sind alleinerziehend, in einem Job, der viel Flexibilität erfordert …

Wörner: Mein Ex-Mann ist ein Freund geworden. Er ist da, wenn ich nicht da bin. Meine Eltern sind zudem sehr präsent. Wir haben also in der Familie eine Systematik gefunden, wie wir das gestalten können. Das ist für meinen Sohn das Allerschönste.

Berliner Morgenpost: Waren Ihre Prioritäten von Anfang an so gelagert? Erst das Kind, dann der Beruf?

Wörner: Ich hatte da im Laufe der letzten Jahre natürlich ambivalente Gefühle, wie jede berufstätige Mutter sie kennt. Andererseits kann ich es meinem Kind ja auch erklären, wenn ich zum Drehen verreisen muss. Es gibt zu meinem Beruf ohnehin keine Alternative. Ich will schließlich arbeiten. Und ich muss. Doch natürlich habe ich auch auf einiges verzichtet. Als mein Sohn im Sommer eingeschult wurde, habe ich ein halbes Jahr nicht gedreht. Und – es ist total in Ordnung gewesen, dass mal keine Kamera auf mich gerichtet war.

Berliner Morgenpost: Sind Sie eine starke Frau?

Wörner: Was ist stark? Ich glaube, ich bin eine Projektionsfläche für Hoffnungen und Ängste – sowohl von Frauen als von Männern. Ich habe schon einiges in meinem Leben selbst hinbekommen und erlebe, dass Frauen es bewundernswert finden, während es bei Männern eher Ängste auslöst. Ich habe mir natürlich nicht gewünscht, dass ich den Karren nun so alleine ziehe, das war nicht mein Lebensmodell. Aber nun bewältige ich es halt – mehr oder weniger gut. Ich bekomme dafür keine Medaille, doch ich gebe mir Mühe. Ich denke gleichzeitig, dass meine Selbstwahrnehmung eine andere ist als die, die über mich da draußen kursiert. Denn ich habe nicht auf alles eine Antwort, ich möchte mir den Raum geben, wieder eine Fragende zu sein. Ich mache es halt so, wie ich es kann. Und das ist nicht perfekt. Allerdings sollten wir uns ohnehin von dem Perfektionsgedanken lösen, den insbesondere wir Frauen uns auferlegen. Das hemmt nur.

Berliner Morgenpost: Sie sind gemeinsam mit Ihrer Schwester bei Ihrer Mutter groß geworden. Inwieweit ist sie Ihr Vorbild?

Wörner: Vorbild – das klingt jetzt so, als hätte ich es so machen wollen wie meine Mutter (lacht). Das war sicher nicht mein Lebensplan. Trotzdem: Meine Mutter hat es toll gemacht. Und es gibt manches, das ich erst jetzt in vollem Umfang würdigen kann. Als Kind gelingt das nicht, da sieht man vielleicht mehr den Mangel an bestimmten Dingen. Jetzt merke ich erst, was sie alles vollbracht hat.

Berliner Morgenpost: "Die andere Frau" wird am 23. und 25. Dezember ausgestrahlt. Wie verbringen Sie Weihnachten? Vor dem Fernseher?

Wörner:(lacht) Nein. Ganz klassisch. In Berlin, mit Gans und Geschenken. Und hoffentlich jeder Menge besinnlicher Momente.

"Rosamunde Pilcher: Die andere Frau", 23. und 25. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF

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