22.12.12

Weihnachtsbräuche

Früher war einfach mehr Lametta

Andere Länder, andere Sitten - bevor Santa Claus und die Lichterkette die weihnachtliche Ikonographie der Welt eroberten, wurden Häuser, Straßen und Wohnungen in jedem Land anders geschmückt.

Von Kathrin Spoerr
Foto: dpa

Aus Deutschland kommt angeblich das inzwischen internationalste Weihnachtsutensil: der Tannenbaum. Die weihnachtlich geschmückte Tanne ist heute internationales Kulturgut.
Aus Deutschland kommt angeblich das inzwischen internationalste Weihnachtsutensil: der Tannenbaum. Die weihnachtlich geschmückte Tanne ist heute internationales Kulturgut

Der Dezember ist eine gute Zeit, um mehr über weihnachtliche Dekoration zu erfahren. Also über die verschiedenen Gegenstände, die Menschen in den Ländern der Welt benutzen, um sich auf die Weihnachtszeit vorzubereiten.

Da ist, auf der einen Seite, der Trend zur globalisierten Einheitsdekoration: Häuser, Vorgärten, Balkone und Fenster verwandeln sich in Schaufenster blinkend, piepsend und rundum beleuchtet.

Doch neben der weihnachtlichen Gleichschaltung gibt es auch noch die andere, die traditionelle, die regionale und landsmannschaftliche Art, das Weihnachtsfest auszuschmücken. Ein paar Beispiele aus der Welt.

Aus Deutschland kommt angeblich das inzwischen internationalste Weihnachtsutensil: der Tannenbaum. Die weihnachtlich geschmückte Tanne ist heute internationales Kulturgut, die Nachfrage explodiert weltweit, und auch Länder ohne christliche Tradition stürzen sich auf diesen Brauch. Hauptproduzent des Verkaufsschlagers Nordmanntanne: Dänemark. Größter Abnehmer: China.

Deutsch und schön und noch immer sehr lokal ist der Herrnhuter Stern, ein beleuchteter vielzackiger Papierstern, der den Stern von Bethlehem symbolisiert. Und dann: die inzwischen unerschwinglich teueren weihnachtlichen Holzschnitzereien aus dem Erzgebirge: Schwibbögen, Nussknacker, Räuchermännchen, Sterne. Und schließlich die Königsklasse aus dem Erzgebirge: die prächtigen Weihnachtspyramiden mit Kerzenantrieb.

Skandinavien

Zur dänischen und norwegischen Vorweihnachtszeit gehört ein zünftiger Julenisse, also ein Weihnachtszwerg. Das koboldhafte Wesen wird traditionell aus Holz geschnitzt und in Häusern aufgestellt. Er ist eine Art Hilfsgeselle des Weihnachtsmannes, hilft ihm beim Herstellen der Geschenkt und erwartet als Dank von den Menschen, während der Adventszeit mit Milchreis ("risengrød") versorgt zu werden. Der Julenisse ist der einzige Nisse mit einer Familie.

Der Julbock "Weihnachtsbock, ist in ganz Skandinavien und im Baltikum verbreitet. Es handelt sich um eine Ziegenbockfigur, die aus Stroh gefertigt wird und in Fenster oder an den Tannenbaum gehängt wird. Bevor er wom Weihnachtsmann verdrängt wurde, war es auch der Julbock, der die Geschenkte brachte. Der Bock hat seine Wurzeln in der alten germanischen Mythologie. Er war ursprünglich eine Verkörperung des Donnergottes Thor.

Auch die Himmeli sind Bastelarbeiten aus Stroh, die vor allem in Finnland verbreitet war. Himmeli sind aufwändig gearbeitete Bastelei aus Stroh, die von der Decke herabhängen – ähnlich einem Mobile.

Aus Dänemark stammt die inzwischen verbreitete Tradition derKalenderkerze. Eine große Kerze, die in 24 Abschnitte unterteilt wird, darf jeden Tag der Adventszeit um einen Abschnitt niederbrennen. Heiligabend ist sie abgebrannt.

Osteuropa

In Osteuropa verbinden junge Mädchen die Adventszeit oft mit der Hoffnung auf einen Bräutigam. So stellen heiratswillige Mädchen in der Slowakei am 4. Dezember, dem Barbaratag, Kirschzweige ins Wasser in der Hoffnung, dass diese bis zum 24. Dezember Blüten treiben. Trägt der Zweig an Heiligabend Blüten, bedeutet das Liebesglück im nächsten Jahr.

Im Mittelpunkt der slowenischen Weihnachtszeit, die bereits am 13. November beginnt, steht die Weihnachtskrippe, die in der Regel selbst gebastelt im Mittelpunkt des Hauses steht.

Zentraler Tag der ungarischen Vorweihnachtszeit ist der Luca-Tag am 13. Dezember. In ländlichen Regionen wird an diesem Tag damit begonnen, den sogenannten "Luca-Stuhl" zu basteln. Vom 13. Dezember an wird jeden Tag ein kleiner Teil der Arbeit erledigt; an Heiligabend ist er fertig. Der Stuhl hatte den Nutzen, sich bei der Christmette auf ihn stellen, weil man von oben die Hexen sehen und vertreiben konnte. Junge Mädchen säten 13. Dezember Weizen im Blumentrog. Die Methode sollte dabei helfen, den richtigen Ehemann zu finden.

In Russland wird Weihnachten nach dem Julianischen Kalender im Januar gefeiert. Zur Tradition gehört Väterchen Frost und seine Tochter (oder Enkelin), das Schneekind. Die beiden reiten in einem von drei Pferden gezogenen Schlitten und bringen Geschenke.

Südeuropa

Aus Katalonien kommt die irgendwie unweihnachtlich wirkende Tradition des "kleinen Scheißers" (Caganer). Es handelt sich um eine hockende, hölzerne Figur mit heruntergelassener Hose. Sie wird in der Weihnachskrippe platziert zwischen Josef, Maria, dem Jesuskind und Ochs und Esel. Was sie dort tun, bleibt der Fantasie der Betrachter überlassen.

USA

Wohl kein Land hat die Dekorationsgewohnheiten der Welt so geprägt, wie die Vereinigten Staaten. Hier aber sind sie zu Hause: Der kurzmantelige, gelockte Santa Claus und seine Rentiere, die Lichterketten und Blinkinstallationen. Im Vorgarten aufgestellt, üppig beleuchtet und gern auch mit Weihnachtspop beschallt – das ist Weihnachten in seiner fröhlichen Variante.

Südhalbkugel

Zum Schluss ein Blick auf die Südhalbkugel. In Australien und Neuseeland, wo es im Dezember sommerlich warm ist, wird trotzdem nicht auf die winterliche Dekoration verzichtet. Auch hier geht, bei 40 Grad im Schatten, nichts ohne Jingle Bells. Schlitten und Pelzkragen und Schneeimitate aus Styropor oder Watte sind unverzichtbar.

Foto: dpa

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    Ja, denn ohne Baum ist Weihnachten nur halb so schön

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    Ich brauche weder einen Baum noch den anderen Dekokram

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