18.12.12

Newtown-Amokschütze

Das Mysterium um die Waffennärrin Nancy Lanza

Vier Tage nach dem Newtown-Blutbad in Connecticut warten die Hinterbliebenen auf Antworten. Noch immer gibt es kein Motiv für Adams Lanzas Amoklauf. Besonders rätselhaft ist seine Mutter Nancy.

Quelle: Reuters
16.12.12 1:12 min.
Nach dem Amoklauf an einer US-Grundschule in Connecticut beschreibt Marsha Lanza, die Tante des mutmaßlichen Täters, der auch seine Mutter erschoss, den 20-Jährigen als behüteten Jungen.

In einem Fall voller unbeantworteter Fragen bleibt die Mutter des Amokschützen von Connecticut das eigentliche Rätsel. Während in den Medienberichten und Diskussionen über die Bluttat des 20-jährigen Adam Lanza an einer Grundschule im Ort Newtown fast ausschließlich die 20 getöteten Kinder und sechs Schulangestellten erwähnt werden, scheint es fast, als ob Nancy Lanza gar nicht existiert hätte.

Dabei war die Mutter das erste Opfer ihres Sohnes, als dieser ihr mit einer ihrer eigenen Waffen in den Kopf schoss. Freunde zeichnen ein widersprüchliches Bild von Nancy Lanza.

Die Persönlichkeit dieser blonden Frau, die auf den im Fernsehen gezeigten Bildern fröhlich und lächelnd erscheint, bleibt wenige Tage nach dem Amoklauf ihres Sohnes für viele ein Mysterium. Inmitten zahlreicher Gerüchte und unbestätigter Medienberichte, ergibt sich von Nancy Lanza das Bild einer etwas sonderlichen Persönlichkeit mit einem Doppelleben: auf der einen Seite die typische Vorort-Mutter – auf der anderen Seite eine Überlebenskünstlerin mit einem Arsenal tödlicher Waffen in einer Vorzeigevilla.

Die einzig gesicherten Fakten über Nancy Lanza sind, dass sie von einem Manager des Energiekonzerns General Electric geschieden ist, in einem schönen Haus in einem gutsituierten Stadtteil von Newtown lebte und dass sie mehrere Waffen besaß, darunter das Bushmaster-Sturmgewehr und zwei halbautomatische Handfeuerwaffen, die ihr Sohn gegen sie und seine Opfer in der Grundschule richtete, bevor er sich selbst tötete.

Nancy Lanza war ein "Prepper"

In den ersten Stunden nach dem Blutbad hieß es zunächst fälschlicherweise in Medienberichten, Nancy Lanza habe als Lehrerin an der Schule gearbeitet. Inzwischen ist aber klar, dass weder sie noch ihr Sohn eine Verbindung zu der Schule hatten.

Nancy Lanza sei ein "Prepper" gewesen, jemand, der sich darauf vorbereitet, im Katastrophenfall oder dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu überleben, sagte ihre frühere Schwägerin Marsha Lanza im US-Fernsehen.

Andere beschreiben Nancy Lanza dagegen nicht als Waffennärrin, sondern als sanfte und liebevolle Frau, die – wie viele US-Bürger – zufällig das Schießen liebte. Sie sei mit ihren Waffen "sehr verantwortungsbewusst" umgegangen, sagte beispielsweise ein Freund, Russ Hanoman, dem Sender CNN.

Mutter wollte mit Sohn in Uni-Nähe ziehen

Ein anderer Freund, Sebastian Morrell, sprach von ihrer "großen Moral". Ein weiterer, John Bergquist, nannte Nancy Lanza eine "reizende Frau": "Sie brachte einen einfach zum Lächeln, wenn sie den Raum betrat."

Offenbar schien sich Nancy Lanza vor allem um ihren Sohn zu kümmern, der als ungewöhnlich klug, aber sozial merkwürdig beschrieben wird. Im Gegensatz zu seinem 24 Jahre alten Bruder, der als Steuerexperte in die Fußstapfen seines Vaters trat, wohnte Adam noch immer bei seiner Mutter. Wirklich gekannt haben soll ihn kaum jemand.

Nancy Lanza habe Adam zuletzt zu Hause unterrichtet, sagte Marsha Lanza CNN. Freunde der Getöteten sagten dem Sender, sie habe Newtown mit ihm im kommenden Jahr verlassen wollen, um nahe einer Universität zu sein, die für ihr schwieriges Kind geeignet sei.

Die Polizei erklärte, sie verfüge über Erkenntnisse zum Tod von Nancy Lanza sowie über die Umstände, die ihren Sohn dazu trieben, das Blutbad an der Sandy-Hook-Grundschule anzurichten. Möglicherweise wird eines Tages mehr über Nancy Lanza bekannt. Doch welche Geheimnisse sie auch immer hatte – sie hat sie mit ins Grab genommen, als ihr Sohn sie zuhause erschoss.

Quelle: AFP/kami
Quelle: Reuters
16.12.12 1:32 min.
Nach dem Massaker an einer Grundschule in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut spricht die Polizei davon, dass sie "einige sehr gute Hinweise" auf das Motiv des Täters Adam L. habe.
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