18.12.12

Sandy-Hook-Massaker

"Wir haben keine Lehrerin mehr"

Er gab ihnen Saft, Stofftiere und Trost: Sechs Kinder fanden nach dem Massaker von Newtown bei einem Psychologen Unterschlupf. Der kämpft nun selbst mit den emotionalen Folgen des Schul-Amoklaufs.

Von Pat Eaton-Robb
Foto: dapd

Im Gespräch mit Reportern kommen die Erinnerungen wieder hoch: Gene Rosen, der in Newton vier Mädchen und zwei Junge n betreute, die der Schießerei in der Schule Sandy Hook entkommen waren.
Im Gespräch mit Reportern kommen die Erinnerungen wieder hoch: Gene Rosen, der in Newton vier Mädchen und zwei Jungen betreute, die der Schießerei in der Schule Sandy Hook entkommen waren

Gene Rosen hatte gerade seine Katzen gefüttert und war auf dem Weg zu einem Restaurant, als er am vergangenen Freitag sechs Kinder bemerkte, die im Halbkreis in seiner Auffahrt saßen. Der Fahrer eines Schulbusses redete auf sie ein, dass alles schon gut werde.

Es war 9.30 Uhr, und die Jungen und Mädchen, fand Gene Rosen bald heraus, waren gerade dem Horror-Massaker an ihrer Grundschule in Newtown entkommen.

"Wir können nicht in die Schule zurück", sagte ein kleiner Junge zu Rosen. "Unsere Lehrerin, Frau Soto, ist tot. Wir haben keine Lehrerin mehr." Rosen, ein pensionierter Psychologe, lud die vier Mädchen und zwei Jungen zu sich nach Hause ein, gab ihnen Spielzeug, hörte sich ihre Geschichten an – und rief ihre Eltern an, die voller Panik waren.

"Ich hatte keine Ahnung, was passiert"

Er habe 15 Minuten zuvor das Stakkato der Schüsse gehört, berichtet der 69-Jährige, hielt es aber für einen hartnäckigen Jäger in den nahe gelegenen Wäldern. "Ich hatte keine Ahnung, was passiert."

Rosen lotste die sechs Kinder an dem kleinen Goldfisch-Teich mit dem Wasserfall vorbei, den er mit seinen Enkeln angelegt hatte, zu seinem Haus, in dem er mit seiner Frau lebt.

Aus dem Obergeschoss holte er Stofftiere, reichte den Kindern Orangensaft, und fing an den Beschreibungen der Jungen zuzuhören, wie ihre Lehrerin kaltblütig ermordet wurde.

Die 27 Jahre alte Victoria Soto unterrichtete gerade Erstklässler, als Adam Lanza in ihr Klassenzimmer eindrang. Es war zunächst unklar, wie die sechs Kinder dem Massaker entkamen, aber es gibt Hinweise, dass Soto einige ihrer Schüler versteckte. Die sechs Kinder, die vor Rosens Haus saßen, mussten offenbar auf ihrer Flucht an der Leiche ihrer Lehrerin vorbei.

Eine große und eine kleine Waffe

"Sie berichteten, dass er eine große Waffe und eine kleine Waffe hatte", erzählt der Psychologe. Mehr von den Erzählungen der Kinder will er nicht preisgeben. Er rief die Eltern der Kleinen über die Nummern an, die er von dem Schulbus-Betreiber bekommen hatte.

Überglücklich holten sie ihre Kinder später ab. Ein Mädchen, sagt Rosen, habe die ganze Zeit eine Hundepuppe eng an sich gedrückt und aus dem Fenster nach ihrer Mutter Ausschau gehalten.

Die Sandy-Hook-Grundschule sei immer ein Ort der Freude für ihn gewesen, sagt Rosen. Seinem acht Jahre alten Enkel brachte er auf dem Parkplatz der Schule des Radfahren bei, mit seiner vier Jahre alten Enkelin probierte er die Wippe aus. "Ich habe heute darüber nachgedacht, wie sich alles geändert hat, wie alles ruiniert ist, wie die Schule sozusagen entweiht wurde."

Psychologe zu sein habe ihm nicht so sehr geholfen, mit all dem fertigzuwerden, als Großvater zu sein. Ein paar Stunden, nachdem das letzte Kind bei ihm abgeholt worden sei, habe eine verängstigte Mutter bei ihm geklopft, erzählt Rosen.

Sie hatte gehört, bei ihm hätten Kinder Unterschlupf gefunden, suchte nun nach ihrem kleinen Jungen. "Ihr Gesicht war von Horror gezeichnet", erzählt Rosen und bricht in Tränen aus. Der Sohn der Frau war nicht unter den Kindern, denen er Schutz gegeben hatte.

Quelle: dapd
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