16.12.12

Amok in Schule

Lehrer in Newtown versteckten Kinder vor Todesschützen

Viele Kinder überlebten den Amoklauf in Newtown nur, weil ihre Lehrer sie vor dem Schützen beschützten. Sie schildern ihre Todesangst.

Foto: REUTERS

Trauer und Entsetzen sind in der Gemeinde in Connecticut immer noch grenzenlos.

8 Bilder

Nach dem Schulmassaker von Newtown im US-Bundesstaat Conneticut mit 27 Toten steht Amerika unter Schock und sucht verzweifelt nach Erklärungen. Eltern der erschossenen Kinder und der Vater des Täters wandten sich in ihrem Schmerz an die Öffentlichkeit.

Kinder im Schrank versteckt

Mehrere Gedenkfeiern wurden abgehalten, unter anderem für die junge Lehrerin Victoria Soto. Laut Medienberichten versteckte die 27-Jährige ihre Schüler noch in Schränken, bevor der Täter ins Klassenzimmer kam. Er erschoss die Lehrerin, aber die Kinder entdeckte er nicht.

Andere Lehrerinnen schilderten, wie sie die 20 schrecklichen Minuten des Amoklaufs erlebten. "Ich dachte die ganze Zeit nur: 'Wir sind die nächsten'", sagte Kaitlin Roig dem Sender ABC. Sie hatte sich mit ihren 15 Schützlingen in den Toilettenräumen der Schule versteckt, das Licht gelöscht und die Schüler angewiesen, mucksmäuschenstill zu sein.

Die Bibliothekarin Mary Ann Jabob berichtete, sie habe den Kindern gesagt, es handle sich um eine Übung, damit sie wüssten, was zu tun sei. Sie verschanzte sich mit ihnen im Abstellraum der Bibliothek. In einem Interview beschrieben Robert und Diane Licata indes, wie ihr sechsjähriger Sohn Aiden an dem Schützen vorbei aus der Klasse rannte, während der Täter seine Lehrerin und mehrere Mitschüler erschoss.

Alle getöteten Kinder waren laut Polizei sechs oder sieben Jahre alt. Ersten Erkenntnissen vom Tatort zufolge erzwang der Täter den Zugang zur Schule. Der Polizeisprecher Paul Vance sagte, Lanza sei "nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden". Er hatte mehrere Waffen bei sich, darunter ein halbautomatisches Sturmgewehr vom Typ Bushmaster 233.

Mutter war Waffennärrin

In Newtown seien die Menschen "wie gelähmt", berichtete die Psychologin Jeannie Pasacreta. "Viele fühlen sich schuldig, weil sie schon den Weihnachtsschmuck an ihren Häusern hatten, der fröhlich blinkte, während ein paar Straßen weiter die Kinder starben."

Die Mutter des Amokläufers war nach einem Bericht der Zeitung "New York Times" eine Waffennärrin, die ihren Sohn zu Schießständen mitnahm. Die 52-jährige Frau besaß nach Informationen von Ermittlern fünf Waffen, die auf ihren Namen registriert gewesen seien. Darunter waren das halbautomatische Sturmgewehr und zwei Pistolen, mit denen ihr Sohn das Massaker anrichtete.

Die Frau sei seit 2008 geschieden gewesen und habe mit ihrem Sohn zurückgezogen in einem großen Haus in Newtown gelebt. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, mit den psychischen Problemen ihres Sohnes fertig zu werden, schrieb das Blatt.

Sein Vater Peter Lanza, der von der Mutter geschieden war, äußerte sich bestürzt über die Tat. "Auch wir fragen uns: Warum?", erklärte er und versicherte, voll mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten.

Söhne litten unter der Trennung der Eltern

Frühere Klassenkameraden beschrieben den Täter als intelligenten, jedoch scheuen Einzelgänger. Einem Nachbarn zufolge litten er und sein älterer Bruder stark unter der Trennung der Eltern.

Der Vater eines erschossenen sechsjährigen Mädchens äußerte sich in einer bewegenden Rede vor Journalisten über seine Tochter. Emilie sei "klug, kreativ und sehr liebevoll" gewesen, erzählte der 30 Jahre alte Robbie Parker. "Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen."

Quelle: AFP/dpa/mim
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