16.12.12

Massaker in Newtown

Amerika trauert um Opfer des Amoklaufs

Amerika trauert um die Toten von Newtown, US-Präsident Obama reist nach Conneticut. Eine Kirche wurde wegen einer Bombendrohung geräumt.

Foto: REUTERS

Trauer und Entsetzen sind in der Gemeinde in Connecticut immer noch grenzenlos.

8 Bilder

Nach dem Schulmassaker von Newtown im US-Bundesstaat Conneticut mit 27 Toten haben Menschen Blumen und Kuscheltiere niedergelegt und Kerzen angezündet. Mehrere Gedenkfeiern wurden abgehalten.

Bis zu elf Mal schoss der Täter auf die zwölf Mädchen und acht Jungen im Alter von sechs und sieben Jahren, auf fünf Lehrerinnen und die Schulpsychologin, bevor er sich selbst tötete. Vor dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule soll er seine Mutter erschossen haben.

Die Toten in der Schule hätten "verheerende Verletzungen" aufgewiesen, sagte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver am Samstagabend sichtlich erschüttert: "Es ist das schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe. Und für meine Kollegen gilt das gleiche."

Für die Ermittler sind nach der grausamen Tat noch viele Fragen offen. Unter anderem wollen sie herausfinden, welche Erfahrung der Amokschütze Adam Lanza im Umgang mit Waffen hatte und was ihn dazu trieb, am vergangenen Freitag ein Blutbad unter Schülern und Lehrern anzurichten.

US-Medien berichteten unter Berufung auf die Ermittler, dass der 20-Jährige eine Auseinandersetzung mit Schulangestellten gehabt haben soll, bevor er am Freitag erst seine Mutter tötete, in die Schule fuhr, um dort 20 Kinder und sechs Erwachsene zu erschießen, und sich anschließend selbst das Leben nahm.

Obama reist zu Trauerfeier nach Newtown

Das Blutbad in Newtown löste weltweit Entsetzen aus. Papst Benedikt XVI. sprach am Sonntag von "sinnloser Gewalt". Er bete für diejenigen, die bei dem Massaker Angehörige verloren hätten, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Pilgern und Touristen auf dem Petersplatz in Rom. Er hoffe, dass die Trauernden Trost finden.

US-Präsident Obama wollte am Sonntagabend (Ortszeit) in Newtown mit Angehörigen der Opfer und Rettungskräften zusammenkommen. Bei der Gedenkfeier in der Newtown High School sollte er eine Rede halten.

Kirche wegen Bombendrohung geräumt

Wenige Stunden vor der Ankunft von Obama wurde eine Kirche nach einem Drohanruf geräumt. Ein Sprecher der Saint Rose of Lima-Kirche sagte am Sonntagnachmittag (Ortszeit), dass es eine Bedrohung durch einen Anrufer gegeben habe. Details nannte er nicht. Die Schule ist etwa einen guten Kilometer von der Kirche entfernt.

"Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt voll besetzt, wie eigentlich immer seit dem Amoklauf", sagte Kirchensprecher Brian Wallis. "Alle Gläubigen haben das Gotteshaus ruhig und mit großen Verantwortungsbewusstsein geräumt. Ich kann jetzt beruhigt sagen, dass alle sicher zu Hause angekommen sind."

Nach dem Amoklauf sei das ein neuer Schlag für die kleine Gemeinde. "Die Menschen haben eigentlich Heilung gesucht. Diese Bedrohung war wirklich das letzte, was sie jetzt noch gebraucht haben." Wallis sagte, dass die Kirche am Sonntag nicht wieder geöffnet werde.

Die Polizei war kurz nach dem Drohanruf angerückt und hatte das Gelände gesperrt. Nach etwa einer halben Stunde zog das Sondereinsatzkommando wieder aus der Kirche ab, durchsuchte aber noch die umliegenden Gebäude. Spezialfahrzeuge der Staatspolizei standen auch nach einer Stunde noch auf dem Campus.

Vater des Täters spricht zu Angehörigen

Der Vater des Schützen wandte sich am Sonnabend an die Öffentlichkeit. Peter Lanza erklärte in einer Stellungnahme, die Familie trauere mit all jenen, die von dieser Tragödie betroffen seien. "Worte können nicht ausdrücken, wie traurig wir sind", erklärte Lanza. Alle Verwandten seien fassungslos und suchten nach Antworten.

Nach Angaben aus Polizeikreisen wurde bei Lanza kein Abschiedsbrief gefunden. Polizeisprecher Paul Vance betonte aber, dass Ermittler "sehr gute Beweise" gefunden hätten, die möglicherweise Aufschluss über das Motiv des Täters geben könnten. Unter anderem wurden in der Schule zwei Pistolen, eine Glock und eine Sig Sauer, sowie ein Gewehr vom Typ Bushmaster Kaliber 223 entdeckt. Außerhalb der Schule lag noch eine vierte Waffe.

Die Ermittler fanden entgegen ersten Angaben bisher offenbar keine Verbindung zwischen Lanzas Mutter und der Schule. Zunächst hatte es geheißen, sie habe in der Grundschule als Lehrerin gearbeitet. Die Polizei geht davon aus, dass Adam Lanza vor vielen Jahren die Sandy-Hook-Grundschule besuchte. Sie hatte jedoch noch keine Erklärung, warum er am Freitag ausgerechnet dorthin fuhr. Behördenangaben zufolge war der 20-Jährige nicht vorbestraft.

Lehrerin als Heldin beschrieben

Die Behörden veröffentlichten am Sonnabend eine Liste der Todesopfer. Darauf fand sich unter anderen die Direktorin der Schule, die nach Angaben von Mitarbeitern der Stadtverwaltung versuchte, den Schützen zu stoppen. Auch die Schulpsychologin wurde getötet.

Die 27-jährige Lehrerin Victoria Soto wurde als Heldin beschrieben, weil sie einige der Schüler in einem Badezimmer und in einem Schrank versteckte, wie ihr Cousin dem Fernsehsender ABC sagte. Sie habe sich zwischen den Schützen und die Kinder gestellt. Er erschoss die Lehrerin, aber die Kinder entdeckte er nicht.

Lanza litt möglicherweise an einer Persönlichkeitsstörung, in Ermittlerkreisen war vom Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus, die Rede. Experten erklärten jedoch, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Syndrom und einem gewalttätigen Verhalten.

Schärferes Waffenrecht gefordert

Angesichts des Schocks über das Massaker wurden die Forderungen nach strengeren Waffengesetzen immer lauter. Der demokratische Politiker Jerry Nadler meinte: "Wenn der Präsident jetzt handelt und einen Kreuzzug anführt, wäre das wunderbar."

Obama hatte zwar bereits zu "bedeutsamem Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern" aufgerufen. Doch die Waffenlobby ist extrem mächtig, in über 40 Prozent der US-Haushalte existieren Schusswaffen.

Hollywood-Premieren abgesagt

Als Reaktion auf das Massaker in Newtown wurden die Premieren der Filme "Jack Reacher" und "Parental Guidance" verschoben. Der US-Fernsehsender Fox teilte mit, wegen des möglicherweise heiklen Inhalts würden die neuesten Folgen von "Family Guy" und "American Dad" vorerst nicht gesendet.

Der Schauspieler Jamie Foxx erklärte, Hollywood müsse einen Teil der Verantwortung für Gewalttaten wie die in Newtown übernehmen. Schauspieler könnten die Tatsache nicht ignorieren, dass Gewalt in Filmen Menschen beeinflussen könnte, sagte Foxx in einem Interview. Er warb für seinen neuen Film "Django Unchained", der von vielen Gewaltszenen geprägt ist.

Regisseur Quentin Tarantino sagte dagegen, er wolle seine Filme nicht jedes Mal verteidigen müssen, wenn es zu einem Amoklauf komme. Solche Tragödien passierten, erklärte er. Verantwortlich seien die Täter.

Quelle: dapd/dpa/AFP/Reuters/mim
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